Mit „Hello“ begrüßt Firefox seine Nutzer seit kurzem mit einer neuen Form der Videotelefonie – und jagt der Konkurrenz damit einen mächtigen Schrecken ein. Ganz ohne Voranmeldung, Download oder Registrierung mit seinen wenig technik-affinen Verwandten ein Videotelefonat führen – das ist ein lang gehegter Wunsch aller, deren potentieller Videotelefonie-Partner weder im Besitz eines Google+-Kontos ist, noch fähig zu sein scheint, das Log-In für Skype im Kopf zu behalten. Mit „Hello“ stellen Firefox und Telefonica ihren Nutzern nun ein Tool zur einfachen Videotelefonie zur Verfügung.

 

FireFox Hello

FireFox Hello

Das Besondere: Um via „Hello“ mit seinem Gesprächspartner über das Internet zu telefonieren, muss lediglich die  aktuelle  Version des Firefox Browsers installiert sein. Eine Voranmeldung oder Registrierung ist im Gegensatz zu den anderen Anbietern nicht nötig. Man wählt lediglich im Menü-Reiter die Funktion „Hello“ aus, wodurch sich automatisch ein Link öffnet.  Möchte man ein Telefonat starten, so kann man den Link gleich innerhalb dieses Fensters per Mail an den gewünschten Gesprächspartner senden oder man kopiert diesen, um selbstständig  einen anderen Sendungsweg zu veranlassen. Erhält der gewünschte Gesprächspartner den Link, so genügt ein Klick auf den selbigen und auf die Zugriffsberechtigung von „Hello“  für Kamera und Mikrofon. Dabei ist für eine Annahme des Telefonats auf Seiten des Empfängers nicht einmal Firefox vonnöten. Man braucht lediglich einen kompatiblen Browser. Kompatibel ist ein Browser, wenn er WebRTC (Real Time Communication) unterstützt: Diese Technologie erlaubt Kommunikation zwischen verschiedenen Browsern ganz ohne Software und ist bisher bei Google Chrome, Firefox und Opera zu finden.

Mit „Hello“ starten Firefox und Telefonica einen Angriff auf die etablierten Anwendungen für Videotelefonie. Sei es MSN, Skype oder Google + Hangouts – all diese Anbieter fordern eine vorherige Anmeldung bzw. Registrierung, damit der Nutzer in den Genuss der Sprach-, Chat- oder Videofunktion kommen kann. Bei Firefox ist eine Registrierung  lediglich notwendig, wenn man die erweiterten Funktionen von „Hello“,  wie zum Beispiel ein Adressbuch, nutzen möchte. Dieses erlaubt dann, die Kontakte zu listen, zu verwalten und ihnen Mail-Adressen sowie Profilbilder zuzuweisen. Der Vorteil: Mit nur einem Klick sind die im Adressbuch aufgelisteten Kontakte zu erreichen. Möchte man als registrierter und eingeloggter Nutzer zeitweise nicht erreicht werden, so bietet das Statusmenü auch den „Bitte nicht stören“-Modus.

Da fragt man sich natürlich, wo der Haken ist. Und ja, es gibt einen: Eine einfache Funktion zum Senden von schriftlichen Nachrichten gibt es in der anmeldungsfreien Version von „Hello“ nicht. Fans von Apps oder einer mobilen Nutzung schauen ebenso in die Röhre – die Beta-Version der Anwendung ist bisher nur in der Desktop-Version verfügbar. Außerdem bieten Skype und Co. im Gegensatz zu „Hello“ die Möglichkeit, Gruppen-Gespräche zu führen, Videonachrichten zu verschicken, kostengünstige Festnetzanrufe zu tätigen oder im Rahmen der kostenpflichtigen „Skype-In“-Funktion, weltweit externe Anrufe entgegennehmen zu können.

Alles in allem sind die etablierten Anbieter mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten gerade für exzessive Nutzer dieser Funktion die attraktivere Alternative. Jedoch dürften sich vor allem jene Nutzer freuen, die eine Anmeldung aus Datenschutzgründen generell eher vermeiden möchten. Firefox versichert seinen Nutzern, Browser-Informationen für die Herstellung der Verbindung lediglich verschlüsselt zu versenden und diese nach der Beendigung gleich wieder zu löschen. Ein Update der Beta-Version im Februar 2015 brachte schließlich die Screensharing-Funktion mit sich – man darf also gespannt sein, inwiefern Firefox und Telefonica den bequemen und unverbindlichen Service weiter ausbauen werden.

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