Wie sieht der Journalismus von morgen aus? Was müssen Journalisten heute schon können? Und wie werden sie sich künftig finanzieren? Es passiert gerade ziemlich viel in der Medienwelt. Welche Richtung dies nimmt, weiß keiner so genau. Und trotzdem: Junge, talentierte Schreiber zieht es weiterhin in den Journalismus. Wir stellen sie  in unserer Reihe Junge Journalisten vor:  Redakteure, Reporter, Blogger und Publizisten unter 33, die sich schwerpunktmäßig vor allem mit der Online-Branche beschäftigen. Heute im Gespräch: Tina Bauer, Redakteurin bei OnlineMarketing.de.

Copyright: Miriam Bundel

Tina Bauer/Copyright: Miriam Bundel

1. Seit wann steht für Dich der Berufswunsch Journalist fest? Was gab den Ausschlag?

Zu meinem jetzigen Beruf bin ich eher zufällig gekommen. Zwar wollte ich schon während der Schulzeit Journalismus studieren, bin von den Plänen aber wieder abgekommen und habe mich letztendlich für Sozialwissenschaften entschieden. Nach dem Abschluss und einigen kurzen Irrwegen stand für mich fest, dass ich in der Onlinebranche arbeiten will. Dass es  letztendlich doch Journalismus geworden ist, war dann wohl Schicksal.

2. Ist Dein Arbeitsalltag wie Du ihn Dir vorgestellt hattest, oder gab es im positiven wie negativen Sinne Überraschungen?

Negative Überraschungen gab es überhaupt nicht, das liegt größtenteils sicher am Arbeitsklima bei uns. Redaktionsarbeit ist in der Regel mit viel Stress und Zeitdruck verbunden. Beides gibt es bei uns natürlich auch mal, aber das sind Ausnahmen. Manche Themen sind extrem zeitkritisch, aber auch das macht unglaublich viel Spaß, erst da merkt man, was man eigentlich leisten kann. Positiv „überraschend“ ist die Abwechslung bei den Aufgaben, die Selbstbestimmung und die Kompetenz, die man in einem vernünftigen Startup schnell erlangt.

3. Was war Dein skurrilstes Erlebnis bisher in Deiner Berufslaufbahn?

Wo soll ich anfangen? Nein, im Ernst:  Neben absolut absurden Praktikumserfahrungen mit latent grenzwertig gelaunten Vorgesetzten, gab es einen skurrilen Kunden während meiner Fotodesigner-Laufbahn: Während des Studiums habe ich Haustiere fotografiert und hatte gewissermaßen einen Namen, so dass ich beauftragt wurde, einen Katalog zu bebildern. Die Tierbesitzer bekamen dann ein Gratisshooting, Fotos und Belegexemplare. Alle waren hocherfreut, nur einem Katzenzüchter dauerte die Nachbearbeitung zu lange. Nachdem ich nach zwei Wochen (ich habe nebenbei studiert und weiterhin kostenpflichtige Shootings durchgeführt, um meinen Lebensunterhalt finanzieren zu können) immer noch nicht mit seinen Bildern um die Ecke kam, schrieb er mir, ich könne mir die Fotos seiner Katzen „dahin schieben, wo die Sonne nicht scheint“.

4. Inwieweit nutzt Du das Social Web für Themen-Recherche und -Inspiration?

Bei mir läuft Facebook den ganzen Tag nebenbei, da habe ich alle für mich relevanten Publisher abonniert und jede Neuigkeit sofort im Blick. Ansonsten schaue ich 2-3x täglich bei Feedly rein, auch da: gleiches Spiel. Social ist aber auch mehr oder weniger mein Ressort bei uns, da sollte ich dem gegenüber schon eine gewisse Affinität aufweisen.

5. Blogger werfen (bewusst) viele der althergebrachten Regeln über den Haufen. Sie schreiben viel subjektiver, kommentierender. Wie wird das den klassischen Fachjournalismus Deiner Meinung nach verändern?

Ich weiß nicht, ob Blogger so einen großen Einfluss auf den klassischen Journalismus haben. Ich vertrete allerdings die Ansicht, dass man die Gesellschaft nicht verändern kann, sondern sich auf die Veränderungen einstellen muss. Konsumenten legen immer mehr Wert auf Authentizität und vertrauen auf „echte“ Meinungen. Da kann die Neutralität etablierter Medien manchmal schon zum Nachteil sein. Ich finde beides hat seine Daseinsberechtigung und glaube nicht, dass der Qualitätsjournalismus unter Bloggern leiden muss. Kolumnen gab es ja auch schon immer und auch die spiegeln die Meinung des Autors wider. Diskutabel ja, das ist ja auch Sinn und Zweck – aber verändert haben auch die den Journalismus nicht zum Negativen. Sie sind die Würze. Gerade im Onlinebereich müssen Publisher sich auf die Bedürfnisse der Konsumenten einstellen, um überhaupt Erfolg haben zu können. Ich denke, die Entwicklung in der nächsten Zeit wird spannend.

6. Ein Artikel über Dich: Welche Überschrift müsste der haben?

Digital Nomad: Deutsche Redakteurin verlegt ihren Arbeitsplatz dauerhaft an karibischen Strand 😀

7. Was ist Dein Trick, um ruhig Blut vor dem Redaktionsschluss zu bewahren?

Zum Glück gibt es so etwas bei uns nicht. Aber, wie oben schon beschrieben, kommen hin und wieder ziemlich zeitkritische Meldungen rein und da ist es dann wichtig, wirklich Vollgas zu geben. Und ich kann die Uhr danach stellen, dass, wenn es mich trifft, im gesamten Büro lautstark über Fußball geredet wird. Ruhig Blut bewahre ich, indem ich meine Kopfhörer aufsetze und Konzentrationsmusik höre. Klingt komisch, bringt aber tatsächlich viel.

8. Wie schaltest Du vom Job ab, oder denkst Du rund um die Uhr an die Headline von morgen?

Wenn ich jeden Tag sehe, wie die Gedanken bei einigen Leuten 24/7 um den Job kreisen, fällt es mir sehr leicht den Cut zu machen, nachdem ich die Bürotür hinter mir zugezogen habe. Ganz selten denke ich auf Formulierungen oder Themen rum, aber das nimmt mich nicht ein und macht auch noch Spaß. Und letzteres ist bei jedem Job das Wichtigste. Dann klappt’s auch mit dem Abschalten.

9. Wenn wir hier mal den besten Fachartikel küren würden: Welchen Deiner Berichte würdest Du einreichen? Und warum?

Das kann ich so gar nicht sagen. Ich mag generell gern Stories aus den Social Networks. Vor kurzem etwa ging es in einer Geschichte um die erste Instagram Userin, die es mit ihren Bildern in die renommierte Tate Galerie London geschafft hat, indem sie ihre Follower hinters Licht geführt hat.

10. Kein Mensch ist perfekt. Welchen Ratschlag wolltest Du Deinem Chefredakteur immer schon mal geben?

Er soll bitte so bleiben, wie er ist.

11. Was machst Du in fünf Jahren?

Das weiß ich in fünf Jahren.

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