Chatbot ZeichnungZum 1. April haben wir ja unseren eigenen Chatbot „Chad Bott“ gelauncht.  Das ist ein guter Anlass einmal den Blick auf das vielseitige Chat-Bot-Angebot der Konkurrenz zu werfen und die Tasten glühen zu lassen. Die letzten Tage habe ich mir Tipps geben lassen, gequizzt, Rezepte vorschlagen lassen, mich über aktuelle Nachrichten informiert, anderen Menschen beim Treffen von Entscheidungen geholfen, mir Flüge und Outfits vorschlagen lassen, immer wieder „Los geht’s“ geklickt oder „Hallo“ geschrieben und bin mir dabei irgendwie immer vorgekommen wie im Gespräch mit meinem Freund während ein Bundesliga-Spiel im Fernsehen läuft. Die Antworten kamen entweder gar nicht,  stark verzögert oder beantworteten meistens gar nicht die gestellte Frage. Natürlich gibt es einige Ausnahmen, die wirklich Spaß machen oder hinter denen Idee und Umsetzung nicht nur stimmen, sondern auch einen Mehrwert bieten. Für den Großteil der Chatbots trifft das aber nicht zu.

Besonders im letzten Jahr haben immer mehr Unternehmen ihre eigenen virtuellen Assistenten präsentiert. Chatbots sind aber keine Erfindung des Jahres 2016. Der erste Chatbot erblickte schon 1966 die Welt, Name: Eliza. In ihrem Können ist Eliza sehr eingeschränkt, Spaß macht eine Therapiestunde mit ihr aber trotzdem. Die Mutter aller Chatbots ist nämlich Psychotherapeutin. Namensgeberin ist die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle, aus dem Stück „Pygmalion“ von George Bernard Shaw, die nur durch sprachliche „Erziehung“ durch den Professor Henry Higgins zu einer Herzogin gemacht wird. Joseph Weizenbaum, Elizas Erfinder, wollte Mensch und Computer erstmals in natürlicher Art und Weise kommunizieren lassen – aus der elektronischen Datenverarbeitungsanlage eine Therapeutin machen.

Heute können Chatbots schon mehr: Sie spielen in Echtzeit Informationen aus, schicken personalisierte Bewegtbilder oder leiten den Kunden durch den Einkauf im Webshop. Hier sind drei Beispiele für Messenger-Bots, bei denen sich eine Nachricht durchaus lohnt:

  1. Der Bote der Sparkasse alias Der Rüpel unter den Boten
Screenshot Facebook Sparkassen-Bot

Screenshot Facebook

Um die Bezahl-App Kwitt zur bewerben, schickte die Sparkasse Anfang Februar ein äußerst sympathisches Kerlchen los. Der muskelbepackte, tätowierte Riese mit der Türen-Allergie soll Freunde daran erinnern, Schulden zu begleichen oder sich einfach mal wieder zu melden. Anhand von festen Auswahlmöglichkeiten wird man durch das virtuelle Auftragsgespräch geleitet. Besonders lustig dabei: Der Chatbot macht auch Autokorrektur-Fehler, regt sich dann über das Ergebnis auf („Alles klar, Schulden eintreiben is mein Spekulatius. F*** Autokorrektur Spekulatius = Spezialgebiet“) und hat das ein oder andere derbe Schimpfwort in petto. Diese nonchalante Art ist einfach sympathisch, zumal der Chatbot von einer Sparkasse kommt und die ja nicht gerade bekannt dafür sind besonders lässig zu sein.

Nachdem der Chatbot die Summe der Schulden und den Vornamen des Sünders erfragt hat, klopft er noch schnell einen Spruch über genau diesen („HAHA!!! Ich hatte mal n Schmusekätzchen, das hieß auch so.“) und erstellt ein personalisiertes Video, bei dem man als Schuldeneintreib-Auftraggeber auch noch die Möglichkeit hat, eine persönliche Nachricht zu hinterlassen. Schließlich gibt es noch ein GIF vom Boten und dann ist das Video auch schon fertig. Im Video wütet der Koloss durch ein Haus, bricht durch die Wand und fordert den Schuldner mittels passendem Tattoo auf, das Geld endlich zurückzugeben, natürlich über die Sparkassen-App. Als der Bote dann das Handy mit geöffneter App in die Kamera hält, ruft Mutti an und der Muskelprotz wird ganz kleinlaut. Das Video kann ich dann an denjenigen schicken und teilen.

Das ist selbstironisches, gelungenes Storytelling und macht einfach Spaß! Im Gegensatz zu anderen Bots hatte ich hier das Gefühl mit einem echten Schuldeinetreiber-Hulk zu chatten – auch wenn die Konversation von meiner Seite hauptsächlich aus der Auswahl von Antwortmöglichkeiten bestand. Das nehme ich aber gerne in Kauf, wenn das Ergebnis so gut ist.

  1. Lufthansa Best Price Mildred alias Die nette, aber ein bisschen verpeilte Reisebüro-Angestellte
Screenshot Facebook Lufthansa Chatbot

Screenshot Facebook

Bei diesem Chatbot hat mir die Idee besser gefallen als die tatsächliche Umsetzung. Mildred, die Assistentin mit den lila Haaren, hilft per Facebook-Messenger passende Lufthansa-Flüge zu finden. Zum Test habe ich nach Flügen von München nach London und zurück gesucht. Allerdings scheint Mildred ein bisschen verplant zu sein und umgeht dann gerne wichtige Fragen, wie „Wann möchtest du nach London fliegen?“. Mildred sucht nämlich einfach nach dem einen, billigsten Flug in den nächsten 12 Monaten mit einer Aufenthaltsdauer von einer Woche. Das ist zwar nett, aber in der Wirklichkeit oft schlecht umsetzbar. Schließlich schwebt einem meistens schon ein konkretes Reisedatum mit Hin- und Rückflug vor, Städtetrips dauern auch gerne mal nur ein paar Tage statt einer ganzen Woche. Schlägt man Mildred dann einen anderen Monat für die Reise vor, hat sie auch schon wieder das Reiseziel vergessen und macht aus „London“ ganz fix – wieso auch immer – „Karlsruhe“.

Positiv war aber, dass sie mir nachdem ich noch einmal gesammelt „München – London Mai“ eingegeben habe, tatsächlich sehr günstige Hin- und Rückflüge ausgespielt hat – verkürzen von sieben auf 4 Tage, das hat sie allerdings nicht geschafft.

Bei diesem Bot finde ich die Idee toll und das Vorhaben sehr rühmlich den Fluggästen diesen Service zu bieten. Findet man den Flug passend, leitet sie einen sofort zur Buchungsseite weiter und wenn ich Glück habe, hat der ganze Prozess dann nur rund fünf Minuten gedauert. Natürlich kann ich das auch einfach über die Website machen, einen Flug über einen Chatbot zu buchen, ist aber trotzdem eine nette Abwechslung.

  1. Tommy Hilfiger alias Hipp, hipper, happy shopping!
Screenshot Facebook Tommy Hilfiger Facebook

Screenshot Facebook

Ein besonders gutes Beispiel für einen eCommerce-Chatbot ist der von Tommy Hilfiger. Wer keine Zeit hat, die neusten Teile im Laden zu bestaunen und genervt ist vom Durchklicken durch die Website, der ist hier richtig. Die drei Menü-Optionen „Shop Collection“, „Find your New Look“ und „Customer Service“ sind auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten. Besonders gut fand ich die Option „Find Your New Look“, hier werden anhand von fünf Fragen zum persönlichen Style und Anlass drei unterschiedliche Look-Vorschläge gemacht. Bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden oder habe unterschiedliche Anlässe, kann ich die Suche auch wieder modifizieren.

Der Chatbot ist zwar auch hier relativ beschränkt in seinen Fähigkeiten und mein Shopping-Verhalten wird er zwar nicht für immer verändern, eine coole Aktion für die User ist es aber trotzdem.

Spiel, Spaß und wenig Revolution

In den letzten Wochen habe ich ziemlich oft gelesen, dass Chatbots die Kommunikation mit dem Kunden  grundsätzlich verändern werden. Das mag in ferner Zukunft so sein, aktuell funktionieren die virtuellen Assistenten aber noch viel zu ungenau und ersetzen nicht den Besuch der jeweiligen Websites oder den Kontakt mit echten Menschen.

Aktionen wie virtuelle Steuereintreiber sind Gags, die den Büroalltag versüßen und Marken die Möglichkeit geben, eine andere Seite von sich zu zeigen. Eine Revolution sieht aber anders aus.

P.S.: Für alle, die noch mehr über Chatbots wissen wollen und Interesse an einem richtig guten Nachrichten-Bot haben, gibt es nächste Woche einen Blog-Beitrag über Resi von meiner Kollegin Esther.

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