Der War for Talents in der Digital-Branche ist in vollem Gange. Entsprechend ziehen Unternehmen sämtliche Register, um im Ranking der beliebtesten Arbeitgeber bei den Young Professionals möglichst weit vorne zu liegen. Eine einfache Anzeige bei Monster.de ist dabei längst mehr nicht der Schlüssel zum Mitarbeiter-Glück – insbesondere wenn am Ende der Bewerbungsphase ein neuer, qualifizierter Junior Marketing Manager stehen sollte. Wer auf der Suche nach fitten – und bestenfalls auch noch kreativen – Digital Natives ist, sollte den Köder in für sie heimische Gewässer werfen. Denn im digitalen Business mit einer klassischen Print-Anzeige auf Bewerberfang zu gehen, ist ungefähr so zeitgemäß wie ein Modem in Zeiten von Smart Home.

Eine gute Möglichkeit hierzu stellt Instagram dar. Nicht nur, weil die Plattform mit 15. Mio aktiven Nutzern mittlerweile Platz 2 der beliebtesten Social Networks in Deutschland hinter Facebook (30 Mio.) besetzt, sondern auch weil sie alleine schon aufgrund ihrer Mechanik – dem Fokus auf Fotos und Bewegtbild – dazu einlädt, Follower zu inspirieren und zu binden. Kein Wunder also, dass weltweit die Anzahl der aktiven Unternehmensprofile allein zwischen März 2017 und August 2017 von acht auf 15 Millionen gewachsen ist – Tendenz steigend.

Das Problem jedoch: Insbesondere für kleinere Agenturen stellen Extrakosten, Personalengpässe und festgefahrene Strukturen eine große Hemmschwelle dar, das unbekannte Terrain „Instagram“ zu betreten. Dabei kann sich eine gute Präsentation ausgerechnet für sie als besonders lohnenswert herausstellen: So sehen sie sich als Dienstleister ständig denselben Vorwürfen konfrontiert – Stress, Überstunden und damit eine unausgeglichene Work-Life-Balance. Umso wichtiger ist es also, jede Chance nutzen, mit Vorurteilen aufzuräumen und mittels einer ansprechenden Social Media Präsenz Young Talents zu akquirieren.

Auch wir bei cocodibu haben uns im Sommer vergangenen Jahres für die Umsetzung eines eigenen Instagram-Accounts entschieden. Und – zugegeben – auch bei uns waren die Zweifel erst einmal groß: Wer soll sich darum kümmern? Wie lautet unsere Kernbotschaft und wie sehen entsprechend die Inhalte aus? Heute möchte ich nach etwas über einem halben Jahr Bilanz ziehen: Und klar, – den romantischen Vorsatz wöchentlicher Posts musste ich aufgrund des Tagesgeschäfts leider ablegen. Nichtsdestotrotz bin ich – nicht nur als eine der Kanal-Verantwortlichen, sondern auch als Kernzielgruppe – der festen Überzeugung: Wer im War for Talents Stärke beweisen möchte, sollte sich mit einer Instagram-Präsenz rüsten.

 

1. Alle für einen (Account)
Der Altersdurchschnitt von Agentur-Mitarbeitern liegt laut Statista bei unter 30 Jahren. Das heißt: Ein Großteil der Angestellten ist mit den Mechaniken der Plattform vertraut. Das erleichtert zum einen die Suche nach einem Kanal-Verantwortlichen und nimmt zusätzlich den Druck auf Seiten des Einzelnen – so können sich schließlich alle aktiv an der Gestaltung des Feeds beteiligen. Unsere Agentur spiegelt das ganz gut wider: Die meisten unter 30 Jahren – besitzen alle neben einem großen Interesse auch Zugriff auf unseren Account.

2. Erwartungshaltung
Oftmals zögern Unternehmen und Agenturen mit der Idee, eigene Content-Formate oder Social Media-Kanäle umzusetzen, aus Angst, Qualitätsansprüchen der Followerschaft nicht gerecht zu werden. So gerät der eine oder andere Geschäftsführer beim Gedanken an eine Posting-Anarchie vielleicht sogar in Schnappatmung. Bei Coca Cola, Siemens und der Website der Landesregierung mag die Gefahr eines Image-Schadens auch zutreffen – bei Accounts von kleineren Unternehmen und Agenturen liegt die Toleranzgrenze der Follower jedoch weitaus höher. Außerdem: Die Digital Natives sind alle mit den Mechaniken und Regeln von Social Media aufgewachsen, entsprechend gut ist auch ihr Gespür dafür, welche Inhalte sich für Social Media eignen und welche nicht. So bringt die Regel “Poste das, was Du selbst sehen wollen würdest”, nicht nur einen vielfältigen Feed, sondern spiegelt im besten Fall auch die verschiedenen Charaktere und deren Zusammenspiel in der Agentur wider – das absolute Nonplusultra für einen authentischen Social Media-Auftritt.

3. What to post?
Apropos authentischer Auftritt : Insbesondere auf Instagram – das Tool, das für echte, inspirierende und lebensnahe Inhalte steht – geht es weniger darum, hochkarätigen als ehrlichen Content zu posten. Ziel ist es jederzeit, das Agenturleben möglichst realitätsnah zu porträtieren. Social Media-Experten nennen dieses Phänomen auch “pretty ugly”. Das gilt für Agenturen auf Mitarbeitersuche sogar noch mehr als für die private Instagram-Nutzung. Anstatt die Follower mit steif-inszenierten Bildern zu langweilen, sollte man den Fokus lieber auf die Mitarbeiter legen – das können Impressionen aus dem Büroalltag sein oder einfach der schlafende Bürohund. Ähnlich flexibel verhält es sich auch mit der Posting-Frequenz: Lieber seltener posten, aber dafür in natürlichen Situationen – wie beispielsweise beim gemeinsamen Kicker-Abend. Das bringt mehr Sympathiepunkte – und entsprechend auch Likes und Reichweite – als das gestellte Mitarbeiterfoto im Hausflur.

4. Spontaneität schlägt Bürokratie
Gleiches gilt für Geburtstage, den Einstand oder Abschied von Mitarbeitern oder für den alljährlichen Wiesn-Besuch. Denn: Auch im stressigen Agentur-Alltag gibt es Situationen fernab von Posts-its und Dokumenten, die „worth to post“ sind. Insbesondere interne Agentur-Veranstaltungen bilden dabei die ideale Basis, um Spaß und Team-Zusammenhalt nach außen zu kommunizieren. Plus: Wieso nicht einfach mal via Instagram einem Kunden zum 25-jährigen Jubiläum gratulieren? Das freut nicht nur das Geburtstagskind (im besten Fall bedankt es sich ja mit einer Rückverlinkung #Reichweite), sondern ist zusätzlich der ideale Point of Proof für die so oft gepredigte Flexibilität, Kreativität und Agilität in Agenturen.

5. Alleinstellungsmerkmal
Oft scheitert die Umsetzung einer eigenen Social Media-Präsenz an der Suche nach einem Maskottchen, einem Symbol mit besonderem Wiedererkennungswert. Warum? Kommunikationsbeauftragte sind es seit jeher gewohnt, Kanäle mit spezifischen Botschaften zu bespielen – sie suchen also nach einem Pendant für den klassischen TV-Slogan oder Jingle. Instagram tickt da aber völlig anders als TV, Radio und Co. (sh. Punkt 3 und 4). Haben Unternehmen das verstanden, kann sich das für sie wirklich mit vielen Followern auszahlen.

6.#Struggle
Bekannt für das Raute-Zeichen, impliziert die Plattform scheinbar, eine Präsenz wäre untrennbar mit einem eigenen Hashtag verbunden. Ein Trugschluss, wie ich finde – denn: Hashtags dienen im ersten Schritt der Kategorisierung und Auffindbarkeit der Inhalte. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ein guter, eigener Hashtag ist zwar “nice to have”, allerdings noch lange keine Garantie für eine erfolgreiche Instagram-Präsenz. Die Crux liegt vielmehr darin, mit den eigenen Inhalten und dazu passenden Hashtags die Auffindbarkeit des Accounts step-by-step zu pushen: Erst anschließend lohnt es sich wirklich, über einen eigenen Hashtag nachzudenken (eine Auflistung beliebter, themenbezogener Hashtags finden Sie übrigens bei den Kollegen von OnlineMarketing.de). Anders ist es im Rahmen eines eigenen Firmenevents. Hier lohnt es sich unter Reichweiten-Aspekten, seine Gäste dazu aufzurufen, die Partyfotos unter dem “firmen-eigenen” Hashtag zu veröffentlichen.

Fazit
Soziale Netzwerke wie Instagram erfreuen sich gerade deshalb besonderer Beliebtheit, weil sie Kommunikation vereinfachen. Weil sie Menschen und Unternehmen, nahbar machen. Weil sie Kommunikationswege verkürzen und interessierte Follower und Abonnenten immer Uptodate halten. Entsprechend sollten Unternehmen und Agenturen ihre erlernten Fesseln ablegen und Instagram als Recruiting-Tool eine echte Chance geben – ohne ausgeklügelten Content-Plan, besonderes Maskottchen oder erzwungenen Hashtag. Dafür aber mit viel Herz, authentischen Inhalten und eben einem Glas Sekt zum Feierabend – #Cheers!

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