"Der Content-Faktor" von Steven Broschart und Rainer Monschein

Zum Oster-Wochenende gibt es „leichte Kost“: „Der Content-Faktor“ von Steven Broschart und Rainer Monschein

Man muss nicht gleich eine Revolution ausrufen, um ein Buch über Content Marketing zu schreiben. Man kann sich auch mehr als zwei Jahrzehnte mit den Themen SEO und Hirnforschung beschäftigen und dann seine Gedanken zu Papier bringen. Steven Broschart und Rainer Monschein haben den zweiten, zweifelsfrei unspektakuläreren Weg gewählt. Herausgekommen ist der Wälzer „Der Content-Faktor“ – ein 540 Seiten starker Oschi, der über SEO und die kognitive Verarbeitung von Inhalten hin zur Content-Erstellung leitet.

Und wahrscheinlich ist genau das eine der wesentlichen Stärken des Buches: die Interdisziplinarität. Denn mal ehrlich: Wo gibt’s die denn? So predigen wir Agenturen unseren Auftraggebern zwar gebetsmühlenartig, endlich die alten Abteilungs-Silos abzureißen, sind allerdings allzu oft selbst in diesen gefangen. Content-Marketing-Firmen kaufen Content-Marketing-Firmen, SEO-Experten schreiben für die SEO-Szene und KI-Tüftler – na gut, die müssen wir erst mal richtig kennenlernen. Oder wie die beiden Autoren im Vorwort schreiben: „Niemand kann alles wissen. Deshalb wird auch im Online Marketing das Wissen zumeist in Silos gemanagt. So existieren Disziplinen wie beispielsweise die Conversion-Optimierung und das Suchmaschinenmarketing ebenso parallel wie in der Medizin der Internist und der Chirurg – also ohne, dass das Wissen ausreichend ‚quer verlinkt‘ wird und neue Erkenntnisse, neue Lösungen abgeleitet werden können“. Genau hier setzt „Der Content-Faktor“ an. Man könnte auch sagen: warum erst jetzt?

Den  – angesichts der Opulenz dieses Fachbuches durchaus vorhandenen – ersten Lesewiderstand zu überwinden, lohnt durchaus:  Zum einen, weil die Autoren mit ihrer verständlichen Sprache es auch SEO-Amateuren leicht machen, dran zu bleiben, und so vergleichsweise mühelos auf den neuesten Stand in Sachen Google-Rankingfaktoren zu kommen – und darüber hinaus noch geballtes Wissen aus Psychologie, Neurologie  und Soziologie mitnehmen. Zum anderen weil die zwei Experten anhand zahlreicher Beispiele – angefangen vom Wahlkampf des SPD-Kandidaten Peer Steinbrück bis zur originellen ebay-Anzeige als Beispiel für Storytelling – immer wieder den Brückenschlag in die Praxis schaffen.

Ihren Ursprung in der SEO-Szene können Steven Broschart und Rainer Monschein dabei kaum verhehlen: das Buch ist so analytisch-logisch aufgebaut, dass man sich bei der Abhandlung der eher kreativen Disziplinen wie Themenfindung und -aufbereitung unweigerlich fragt: Kann das gutgehen? Lässt sich Content tatsächlich herleiten? Die beiden Autoren meinen: grundsätzlich  ja und empfehlen hier die aus den Hollywood-Filmen bekannte Methode: einleitende Beschreibung, Konflikt, Lösung. Funktioniert selbst bei Knorr-Rezepten, wie die beiden eindrucksvoll belegen. Und so sehr die Autoren einen Verkaufserfolg mit „Der Content-Faktor“ angesichts der wirklich professionellen Aufbereitung verdient hätten, man wünscht sich, dass möglichst viele Leser zumindest das eine Kapitel schnell überblättern. Denn man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn nun alle Tütensuppenfirmen, Büroklammerhersteller und Schnürsenkelproduzenten in Blockbustermanier auf ihren Websites einen Konflikt heraufbeschwören, der dann mit Filmkuss endet. Statt Happyend droht dann wahrscheinlich eher das Schicksal der Titanic: ein geradezu kollektiver Untergang in der Content-Flut. Wer will schon die immer gleiche – nur um Nuancen veränderte – Geschichte lesen? Das ist dann ähnlich den inflationär eingesetzten Listicles. Und da gibt es ja schließlich mindestens „Sieben Gründe, warum wir keine Listicles mehr lesen können“.

 

 

 

Die Online Marketing Rockstars gingen vergangene Woche in Hamburg über die Bühne. Weil über das Event auf Social Media, in Blogs und in der Fachpresse schon so viel gesagt und analysiert wurde, lassen wir jetzt mal den Macher zu Wort kommen:  Philipp Westermeyer. Hier im Blog zieht er Bilanz und gibt einen ersten – sehr vagen – Ausblick auf die kommenden Aktivitäten.

Philipp Westermeyer Online Marketing Rockstars

Philipp Westermeyer, Gründer der Online Marketing Rockstars

Philipp, der beste und wohl auch begehrteste Platz war der an der Bar auf der Bühne. Sag mal, was wurde da während des ganzen Konferenztages so weggetrunken? 

Philipp Westermeyer: Ich weiß es gar nicht genau, aber wir hatten da schon einiges vor. Im letzten Jahr war auch unser Buddy Paul Ripke sehr gut dabei. Er hält auf jeden Fall den Promille-Rekord.

Der erste, hochprozentige  Drink ging ja gleich am morgen von Andrew Bosworth direkt an Dich. Hattest Du danach leicht einen sitzen?

Ich kann zwar wenig vertragen, aber es ging noch.

In Deiner Eröffnungsrede sagtest Du: Deutschland ist Weltklasse im Performance Marketing. Tatsächlich fielen in der Konferenz immer wieder Sätze wie „ads suck, content rocks“. Was heißt das fürs Performance Marketing?

Ich glaube Performance Marketing ist nach wie vor sehr wichtig und ein elementarer Bestandteil erfolgreicher Digital-Firmen. Nur ganz alleine reicht es nicht mehr aus, um eine Firma weit nach vorne zu bringen. Vor ein paar Jahren war das anders.

Wobei hast Du mehr geschwitzt: Bei dem Auftritt von Fanta4 oder bei Verena Papik (musical.ly)?

Bei beiden, aber aus ganz anderen Gründen. Am Ende sind alle Profis und dann klappt es doch immer, wobei Verena natürlich sehr vorsichtig war mit ihren Aussagen.

Was war Dein persönliches Highlight der OMR17, und was würdest Du im Nachhinein nicht nochmal machen?

Mein Highlight war, dass ich durch Zufall um kurz nach 12 am Donnerstagabend im Speaker-Hotel den angeheiterten Thees Uhlmann traf, was sehr kurios war, zumal ich seine Sachen sehr schätze. Auf der rein inhaltlichen Seite fand ich das Gespräch von Trivago-Gründer Rolf Schrömgens mit Sven Schmidt sehr stark.

Du bist ja ganz gut mit dem Wacken-Veranstalter Holger Hübner. Was heißt das für die Online Marketing Rockstars im kommenden Jahr?

Tja Holger zeigt, was alles möglich ist und ist da sehr inspirierend. Wie sich das genau äußert, das müssen wir noch mal genau durchdenken.

Zum-Rockstar-Alltag gehören auch die Tourneen. Wann startet Ihr entsprechende Satelliten-Events außerhalb Hamburgs?

Da denken wir immer wieder drüber nach. Einmal im Jahr im September kommen wir ja mit einer Party zur dmexco nach Köln. Im Juni werden wir auf der K5 in Berlin am Vormittag eine Bühne bespielen und vielleicht kommt da noch das eine oder andere dazu. Ideen gibt es auch in der Mischung aus Marketing-Inhalten, Digital und Musik oder einfach Kunst.

Und: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, Euer Event Online Marketing Rockstars zu nennen?

Das war meine Idee, aber sehr stark inspiriert von vielen Freunden aus der Venture Capital-Szene, die die Vokabel gerne für tolle Gründer, Software-Entwickler oder halt Marketing-Experten verwenden.

 

Für alle, die nicht vor Ort waren: Hier das Recap-Video

 

Jeder will so relaxed wie Richard Branson, so smart wie Dietrich Mateschitz und so abgebrüht wie Bernie Ecclestone rüberkommen. Klappt selten – und wird oft zum Bumerang

CEO Spreadshirt Phil Rooke Welt am Sonntag

Nicht jeder CEO ist so cool wie Phil Rooke (CEO Spreadshirt) und lässt sich in seinem Schrebergarten ablichten

Früher war alles besser. Die Erde war eine Scheibe, und wir drehten uns nicht um uns selbst. Richtig schwindelig wurde einem erst  nach der Jahrtausendwende. Wer auch immer hatte in die Welt gesetzt, Menschen seien Marken.  Ein ganz schöner Quatsch, doch wer wollte das schon hören? Auf einmal begannen alle rasend schnell um die eigene Achse zu rotieren und an ihrem Selbstbild zu feilen. Nicht mehr nur Promis, sondern auch Politiker, Manager und Journalisten. Alles  in der Hoffnung so scharf konturiert wahrgenommen zu werden wie das Kinn von Dieter Bohlen.  Plötzlich ritten Agenturchefs auf dem Schimmel im silbernen Anzug und freiem Oberkörper zur eigenen Weihnachtsfeier, ließen sich Verteidigungs­minister von der Presse planschend im Pool mit der Geliebten ablichten, und Vorstandschefs posierten auf ihren Luxusyachten.

Die Zeiten von Protz sind vorbei. Distinguiertheit kommt heute subtiler daher. Doch spürbar bleibt sie. Unter Kommunikationsgesichtspunkten eigentlich schade, denn wer in seiner Außendarstellung Wert darauf legt, sich mit seiner Lebenswelt abzugrenzen,  verprellt schnell  seine Zielgruppe. Erst recht, wenn sich die Inszenierung in Stereotypen erschöpft. Man braucht am Wochenende nur den Wirtschaftsteil der Welt am Sonntag aufzuschlagen, Rubrik „Feierabend“. Eigentlich gibt’s dann doch nur drei Typen an der Spitze der Unternehmen: die fitnessverrückten Marathonläufer und Rennrad-Enthusiasten („Beim Sport kommen mir die besten Ideen“), die geselligen Ich-koch-gern-am-Wochenende-für alle-Entscheider (meist kombiniert mit dem morgendlichen Marktbesuch und dem Kauf garantiert regionaler Produkte) und den total unkonventionellen Lonely Cowboy (üblicherweise Harley-Fahrer).  Das ist auf Dauer etwas ermüdend, weil so recht kaum einer die Traute hat, aus diesem ebenso politisch- korrekten wie elitären Rahmen auszubrechen. Und wenn, dann gleich wieder eine Spur zu extravagant. Wie neulich bei dem CEO, der sich als Sternegucker outete. Aber warum muss das japanische Teleskop dann gleich den Gegenwert eines Kleinwagens haben? Man fragt sich unwillkürlich, ob es nicht für viele Mitarbeiter, Zulieferer und Endkunden  vielleicht identifikationsstiftender wäre, zu sehen, wie der Chef die Modelleisenbahn im Keller aufbaut satt in der Design-Küche, auf dem Edelbike oder vor dem neuesten sündhaft teuren Technik-Gadget zu posieren.

Das zehnjährige Jubiläum eines Magazins, das extra für Eitle und Schadenfreudige gegründet wurde, zeigt, dass auch in der Medienbranche ein gewisser Hang zur  Sebstinszenierung nicht ganz von der Hand zu weisen ist.  Manchmal erscheint der Ehrgeiz dabei so groß, dass sich der Wunsch nach der richtigen medialen Außendarstellung glatt vom beruflichen Profil entkoppelt. Da werden PR-Etats bereit gestellt, nur um eine Liasion mit einem ehemaligen Spiegel-Top-Manager unter der Decke zu halten, da werden Presseaktionen für die privaten Buch- und Band-Aktivitäten des Senderchefs initiiert und da lassen sich Medien-Manager von Fotografen mit Adelstiteln fotografieren als seien sie der direkte Nachkomme Napoleons. Doch wenn schon die Medientage München nicht mehr im Justizpalast feiern, dann kann die Devise auch hier nur lauten: künftig gern etwas bescheidener und geerdeter.

 

Der Text erschien zuerst in der Jubiläumsausgabe des Clap Magazins.

dmexco 2016: die Veranstaltung tat sich schwer mit neuen Impulsen, richtungsweisenden Debatten und echten Kontroversen. Eine Folge des ungebremsten Wachstums der Messe?

dmexco 2016Was soll man noch eine Woche nach der dmexco berichten, wenn schon die Berichterstatter vor Ort ihre liebe Not hatten? So lesen wir in der Rubrik „Die besten Sprüche der dmexco“ (Horizont) Sätze wie „Wir helfen dabei, den Bereich der Online-Werbung wieder aufzuräumen“, „In der echten Welt testen die Werbungtreibenden Facebook“ oder auch „Content Marketing ist mehr als unterhaltsame Werbung“. IT-ZOOM kürt Augmented Reality und Virtual Identity sowie Mobile, CRM, Social Media und Influencer Marketing zu den Top-Trends der Veranstaltung. Und Stan Sugarman stellt im Handelsblatt ein Produkt vor, das sagt, welche Zielgruppe, welcher Zeitpunkt, welcher Kanal und welcher Inhalt zur Ansprache gewählt werden müssen. Jeder Touchpoint sei wichtig und führe zum Kunden.

Mehr allgemein gültiger Konsens ist wahrscheinlich nur schwer herzustellen. Und so stellt sich die Frage, ob man  von der „globalen Business- und Innovationsplattform der digitalen Wirtschaft“ inhaltlich nicht ein kleines bisschen mehr erwarten kann: Etwas wirklich Richtungsweisendes? Neuen Diskussionsstoff für die Branche? Zumindest eine echte Kontroverse? So ist es nicht mehr als ein gigantisches Silvester-Feuerwerk. Vorfreude. Es wird bunt, es wird laut. Danach nichts: Stille. Und dann wieder ein Jahr Pause. Schade.

Schade vor allem  deshalb, weil die dmexco ja wirklich die idealen Voraussetzungen bietet, inhaltlich echte Impulse zu setzen: Größe, Top-Speaker, mediale Aufmerksamkeit. Dass sie sich damit zunehmend schwerer tut, dürfte nicht zuletzt an ihrem eigenen Erfolg liegen. Denn: Je mehr Aussteller und je mehr  Branchen unter das gemeinsame Dach schlüpfen, desto schneller schrumpft der kleinste gemeinsame Nenner. „Digital is everything – not every thing is digital“ lautete etwa das diesjährige Motto. Das ist so herrlich generisch, dass natürlich problemlos die Themen Outernet, Virtual Reality, Big Data und viele weitere darunter passen. Und: Je größer die Messe selbst, desto opulenter auch der flankierende Kongress. Bei rund 250 Stunden Programm werden eben viele Themen an-, aber wenige ausdiskutiert. Ein typisches Beispiel dafür ist  die Arbeitswelt von morgen. Demnach sehen rund zwei Drittel aller Befragten einer Umfrage die Unternehmenskultur als größte Herausforderung für Deutschland 4.0. Allein das wäre wahrscheinlich schon ein tagfüllender Programmpunkt und eben auch „Pure Business“. Wo liegen in der Praxis die Knackpunkte? Was sagen Unternehmenslenker, Mitarbeiter, Agenturen und Unternehmensberater? Sind Firmen im Ausland weiter? Und so ging nicht nur der ein oder andere Besucher in den Hallen verloren, sondern häufig leider auch der rote Faden.

Welch schwieriger  Balanceakt es ist, reines Größenwachstum und thematische Fokussierung auszupendeln, zeigt nicht zuletzt die CeBIT, die sich ja auch als Plattform für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft verseht. Seit vielen Jahren sind, trotz mehrfach veränderter Geschäftskonzepte, die Besucherzahlen rückläufig. Das ist in Köln nicht absehbar, aber die Frage, wie groß die dmexco überhaupt noch werden kann/sollte, drängt sich angesichts der diesjährigen Veranstaltung förmlich auf.

 

"Arbeit muss nicht immer Spaß machen", findet der Autor. "Schön wäre es aber schon."

Arbeit muss nicht immer Spaß machen, findet der Autor. Schöner wäre es aber schon.

Agenturen wollen sexy sein wie die Start-Ups und versprechen den  High Potentials von überall aus arbeiten zu können, gern weit weg von den traditionellen Büroräumen. Muss das sein?

Jede Generation bleibt der vorherigen ja immer ein bisschen unergründlich. Das macht es uns über 40jährigen nicht gerade einfacher, zu verstehen, warum Agenturen bei den Millennials an Attraktivität verloren haben. Dass es so ist, daran scheint es keinen Zweifel zu geben. „Alarmstufe rot!“ lasen wir etwa diese Woche besorgt in der Fachpresse, „Agenturen haben ein Personalproblem. Mitarbeiter sind oft schwer zu halten. Oder gar nicht erst zu kriegen“. Wir ertappten uns, bei jedem dieser Sätze zustimmend genickt zu haben. Natürlich nur so dezent, dass es keiner im Team mitbekommen hat.

Und so richtig die Diagnose, so holzschnittartig ist in diesem Zusammenhang leider häufig die Beschreibung unserer Nachwuchskräfte: Jungen Bewerbern gehe es vor allem um Work-Life-Balance, ihnen fehle es an Ehrgeiz und sie wollen nicht mehr gefordert werden, heißt es dazu häufig. So einfach ist es nicht. Leider. Und zum Glück. Denn wer will schon mit einer Generation antriebsloser Schlaffies arbeiten? Drei Beobachtungen dazu aus unserem klitzekleinen cocodibu-Mikrokosmos: Eine ehemalige Mitarbeiterin, die hier das Thema Work-Life-Balance geradezu zelebrierte, wird anschließend bei einem Start-Up zum Arbeitstier. Das Goodie, mal eine Woche von Mallorca aus zu arbeiten wird verschmäht, während die Volontärin im Rahmen ihrer Ausbildung als Medienkoordinatorin einer Hilfsorganisation mit Ärzten durch ukrainische Gefängnisse ziehen will und dafür in ihrer Freizeit Zusatzausbildungen absolviert. Morgens um sieben im Stil der Ninja Warriors trainieren und dann Homeoffice im Schlafanzug mit Powernapping fordern, das ist längst kein Gegensatz mehr, müssen wir lernen. Und so widersprüchlich das alles erscheint, so lässt sich das vielleicht auf einen Nenner runter brechen. Die High Potentials von heute haben offensichtlich eine ganz eigene, ganz  pragmatische Sichtweise auf die Arbeitswelt: Entweder es nutzt mir oder der Allgemeinheit. Oder, im Idealfall, beiden.

Lieber kuchentratsch als Jung von Matt

Die Start Up-Kultur spiegelt das idealtypisch wider: Die Faszination, die vom Silicon Valley und seit einiger Zeit auch von Berlin ausgeht, ist ja weniger eine primär technische, sondern das Versprechen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Staunend sehen wir, dass junge Leute hier auf Work-Life-Balance und Homeoffice pfeifen und sich für wenig Geld die Nächte um die Ohren schlagen. Also genau das, was sie nicht mehr bereit sind für Agenturen zu leisten. Und so ringt ein Start Up wie kuchentratsch unserem jungen coocodibu-Team, so mein Eindruck, mehr Respekt ab als jede neue Kampagne von Jung von Matt. Weil es allen eine Sinnhaftigkeit gibt, die wir in der Form  kaum aufbringen können.

Agenturen, wie auch immer sie spezialisiert sind, sehen dagegen alt aus. Wir stehen für Konsum, selbstreferentielle Bling-Bling-Debatten und Branchen-Events, die seit 20 Jahren so überraschend sind wie Dinner for One. Wehmütig schmeißen wir uns abends ein paar Folgen von Mad Men rein und umschmeicheln die High Potentials tagsüber mit neuen Arbeitszeitmodellen: Home Office, Mobile Office und in ganz fortschrittlichen Läden schlurfen Arbeitnehmer mit ihren Rollcontainern durch die Flure auf der Suche nach einem freien Arbeitsplatz. Und zu guter Letzt soll jetzt auch noch eine Kampagne das Image der Agenturen aufpolieren. Verzweifelt laufen wir dem Zeitgeist hinterher. Wären wir eine Frau, wir würden Carmen Geiss heißen. Nicht mehr die jüngste, aber immer noch genug Kohle im Spiel, um sich vor der Altersarmut zu fürchten. Ein bisschen viel schminki, schminki, aber immer noch zu wenig, um mit dem Sex-Appeal der Twens – in dem Fall den Start Ups – konkurrieren zu können.

Spießig statt spaßig

Und weil wir dieses Rennen eben nicht gewinnen können, wäre es eine Überlegung wert,  jetzt einfach den Turnaround zu wagen. Also die genau gegensätzliche Richtung einzuschlagen. Mal wieder rein in die spießige Normalität des Arbeitsalltags. Feste Arbeitszeiten, 8 Stunden-Tage, Anwesenheit im Büro. Genau so wie wir es in den Arbeitsverträgen vereinbart haben. Zugegeben: das wirkt nicht unbedingt immer spaßig. Aber das ist von Arbeit vielleicht auch einfach zu viel verlangt. Erst recht von einer, die eher von KPIs denn von Idealismus getrieben ist.

Ein solch geradezu reaktionäres Modell, so wird man an dieser Stelle einwenden, wird die Generation Y komplett verschrecken und die Attraktivität der Branche empfindlich schmälern. Aus meiner Sicht wäre das ein Armutszeugnis. Wenn wir es jungen, motivierten, hervorragend ausgebildeten Menschen nicht mehr zumuten könnten, 40 Stunden in der Woche (aber eben auch nicht 50 oder 60) am Schreibtisch nach den richtigen Worten, Bildern, Ideen oder was auch immer zu suchen, dann aber gute Nacht.

 

 

 

CV trend day

Weiterbildung zum Nulltarif: cocodibu verlost hier im Blog zwei Tickets für den “Trend Day – Corporate Video 2015″. Die Veranstaltung der CTVA (Corporate und Video Association) geht am 4. Dezember im Münchner Arri-Kino über die Bühne. Der Wert der Tickets liegt insgesamt bei 680 Euro. Weiterlesen

Quelle: Screenshot Business Week

Quelle: Screenshot Business Week

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kann man über Corporate Blogs sprechen, ohne das übliche Beraterkauderwelsch zu labern? Na klar, Content ist relevant. Und sowieso: Die Überschriften müssen aussagekräftig sein. Und außerdem sollte man seine Zielgruppe kennen. Geschenkt. Also: Meine Kollegen von brandiz.de – eine Beteiligung von cocodibu – und ich basteln an einer kleinen Präsenation zum Thema Corporate Blogs. Alle drei keine Powerpoint-Helden, doch vielleicht mit einem gewissen praktischen Wissen in der Findung und Umsetzung von auch eher schwierigen Themen ausgestattet. Wir glauben: Corporate Blogs sollten Kunden, Multiplikatoren und eigene Mitarbeiter  seriös informieren, fachkundig beraten und gern auch mal bestens unterhalten. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht’s noch häufig anders aus: uninspirierte Themen, dröger PR-Sprech, unansehnliche Textwüsten und kaum Interaktion. Zugegeben: nicht immer, aber doch recht häufig.

Ein kleines bißchen wollen wir dazu beitragen, dies zu ändern: Am 20. Oktober 2014 veranstalten wir hier in München gemeinsam mit der Akademie des Deutschen Buchhandels ein Seminar zum Thema Corporate Blogs.

Quelle: Screenshot ADB

Quelle: Screenshot ADB

Und das erwartet Sie: Das Seminar vermittelt das Handwerkszeug, einen Corporate Blog erfolgreich zu managen. Sie erhalten dafür alle wichtigen Grundlagen und bekommen praxisnahe Tipps und Tricks für eine kreative Themenfindung und -aufbereitung. Zu den konkreten Seminar-Inhalten zählen u.a. „Content Management für Corporate Blogs im Überblick“, „Themenfindung und Themenaufbereitung“, „Reichweitenaufbau für Corporate Blogs“ und „SEO für Corporate Blogs“

Weitere Infos zu dem Seminar gibt’s bei der ADB und drekt zur Online-Anmeldung kommen Sie hier. Wir  freuen uns, Sie am 20. Oktober in München zu treffen.

Seit Monatsanfang haben wir eine neue Kollegin an Bord: Maren Scholz. Die Theaterwissenschaftlerin schnupperte vorher beim Branchendienst „Kontakter“ Redaktionsluft. Schauspielerische Versiertheit und ein Händchen für Themen & Texte. Keine schlechten Voraussetzungen für den Einstieg in die PR also. Wie ihre ersten Tage hier so anliefen:

„Der Start am neuen Arbeitsplatz wird mir leicht gemacht. Gleich am ersten Tag erhalte ich eine ausführliche Einweisung meiner Vorgängerin sowie von Steffy, die  dann allerdings in ihren wohlverdienten Urlaub abdüst. Auf mich wartet eine ausführliche To-do-Liste, die abgearbeitet werden muss. Langweilig wird mir also nicht werden. Aufgrund der Vielzahl von einprasselnden Informationen fühle ich mich leicht überrollt, denke aber, dass ich das Ding schon wuppen werde.

Am nächsten Tag ist beauty time angesagt – es geht um den Prix de Beauté. Ich muss sämtliche Portale (Vimeo, Flickr und Co.) in den Griff kriegen., Mir fällt das rettende Angebot einer Kollegin ein: „Ruf mich jederzeit an, wenn du Fragen hast.“ Aufgrund ihrer detaillierten Anleitung bewältige ich die anstehenden Aufgaben. Beim nächsten Mal funktioniert das alles dann schon reibungsloser. Obwohl ich neu bin, überträgt man mir viel Verantwortung – ich kann gleich von Anfang an einzelne Kunden mit betreuen. Das macht wirklich Spaß, zumal mich alle sehr herzlich aufnehmen und mich gleich mit einbeziehen.

Leider hat der PC ab und an diverse Kompatibilitätsprobleme, doch auch hier helfen mir die Kollegen gerne und gut weiter. Die Atmosphäre am Arbeitsort tut sein Übriges: Das Büro in einem Altbau in Schwabing vermittelt Gemütlichkeit, außerdem wirkt hier alles familiär. In den Mittagspausen genieße ich die ersten Frühlingstage in der Sonne am Hohenzollernplatz“.

Teil 5 unseres Fünf-Jahres-Rückblicks:

Ende 2010 war ich kurz am Überlegen, umzusatteln: Makler müsste man sein! Für effektiv 20 Minuten Arbeit haben die aus unserer Sicht eine recht stattliche Provision für die Vermittlung unserer neuen Büro-Räume in der Ainmillerstraße 35 eingestrichen. So schön unser neues Domizil auch ist, der Zahlung trauere ich immer noch ein wenig hinterher.

Der Entscheidung selbst allerdings nicht. Auch wenn das für uns als Agentur eine kleine Zäsur war. Einher ging der Wechsel der Büroräume nämlich auch mit einem Wechsel im Team. Ich finde das ja immer noch eine der eher heikleren Missionen, Kunden erklären zu müssen, dass sie einen neuen Ansprechpartner bekommen. Wir haben in der Regel einen sehr kurzen Draht zu unseren Auftraggebern, demensprechend persönlich gestaltet sich die Zusammenarbeit. Soweit es ging, sind wir dann dafür direkt zu den Kunden raus gefahren. Ich finde, das gehört sich so.

In der Praxis hat sich das dann erstaunlich schnell eingespielt. Soweit haben uns unsere Kunden die Treue gehalten. Danke an das Vertrauen an dieser Stelle! Und an das Team: Myrjam, Steffy, Susanne sowie Jenny (die bei uns seit April an Bord ist), die das von Anfang an wirklich ganz toll gewuppt haben.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein bisschen über uns aus dem Nähkästchen plaudern, aber ich glaube, damit habe ich mich schon letztes Mal in die Nesseln gesetzt. Also nur so viel: Eine gewisse Bodenständigkeit kann bei uns sicher nicht schaden, ansonsten sind wir doch recht unterschiedliche Charaktere. Musste ich neulich wieder bei unserem Beitrag für den T-Shirt-Day denken.

Christian ist nicht auf dem Bild. Ich glaube, sein Lieblings-T-Shirt vom FC Bayern München war gerade in der Wäsche.

Der Zukunft – also den kommenden fünf, zehn, 25, 50 Jahren cocodibu – sehe ich natürlich professionell berufsoptimistisch entgegen. Wenn wir auch in den kommenden Jahren nicht allzu viel Heißluft produzieren, ein wenig die Distanz wahren und uns weiterhin mal selber auf die Schippe nehmen können, wäre schon einiges gewonnen.

Die Körper sind original, bei den Köpfen musste ein wenig retuschiert werden.

Teil 4 unseres Fünf-Jahres-Rückblicks:

Ich fang mal am Anfang an: Christian kenne ich schon lange. Unsere Wege kreuzten sich das erste Mal im Herbst 1993. Ich war Hamburg-Korrespondent der Werben & Verkaufen, er Redakteur im Ressort Medien – und später dann Ressortleiter. Das auf den ersten Blick Auffälligste an ihm waren damals zweifellos seine quietschbunten Hemden und sein – ich hoffe, ich erinnere mich richtig – Schnauzer. Ein bisschen auf Magnum also. Dafür hatte er eine recht lockere selbst-ironische Ader. Das gefiel mir. Bei der Wahl seiner Zweiräder fand ich ihn hingegen nie ganz stilsicher. Damals fuhr er Motorroller, heute BMW C1. Ich finde, das entwickelt sich in die falsche Richtung.

Davon abgesehen lief die Zusammenarbeit aber ziemlich reibungslos. Obwohl ich den Job nur ein Jahr machte, bekam ich ein recht nettes Zeugnis ausgestellt. Anschließend wechselte ich zu Gruner + Jahr in eine Entwicklungsredaktion, die gerade die Fernsehzeitschrift TV Today in der Mache hatte.

Entgegen dem Rat aller Personaler und Reputations-Manager hier eines meiner ersten Zeugnisse im Job – ausgestellt von einem Christian Faltin

Im Sommer 1998 klingelte mich ein gewisser Dr. Andreas Knaut an und fragte, ob ich Lust hätte, den Branchendienst Kontakter in München mit ihm neu aufzubauen. Ich hatte. Später erfuhr ich, dass Christian mich für den Job empfohlen hatte. Nette Geste. Er selbst etablierte zu der Zeit im selben Verlag gerade die Fachzeitschrift Media & Marketing. So nahm die Geschichte ihren Lauf.

Meinen Einstieg bei cocodibu baldowerten wir im Wesentlichen an mehreren Abenden bei einem Vorstadt-Italiener namens Tre Scalini im Frühjahr 2009 aus. Es war offenkundig, dass Christian in den Jahren eine wohl dosierte Vermarkter-Qualität entwickelt hatte. Er machte mir klar, dass cocodibu viel, viel mehr als nur eine PR-Agentur sei. Nahezu alle bahnbrechenden Neuerungen des Social Webs würden, so mein Eindruck, in der Kidlerstraße ausgeheckt. Damals führte er beispielsweise die erste grafische Twitter-Anzeige an, die die Agentur entwickelt hätte – ich glaube für die IWB. Mal ehrlich: So etwas lässt keinen kalt, gleichwohl ich die Bedeutung für die gesamte Kommunikationsbranche bis heute noch nicht 100-prozentig einschätzen vermag. Naja, wie’s mit solchen Sachen immer so ist: letztlich eine Bauchentscheidung. Ich sagte ohne größeres Zögern zu – trotz einiger Warnungen übrigens („Junge, das mit der PR ist doch nichts für Dich“).

Die erste Herausforderung in der Praxis war eigentlich die: In der Kidlerstraße saßen wir recht startup-mäßig dicht auf dicht. Ausgerechnet mir gegenüber: Sonja Zajontz. Sonja hatte ich erst einige Jahre zuvor für den Kontakter als Volontärin eingestellt. Sie hat sich dann recht schnell auf die Flucht gemacht und ist zu cocodibu rüber. Tja, und jetzt saß ich da also wieder. Nicht dass da jetzt ein falscher Eindruck entsteht: Über Sonja kann man auch nach längerem Nachdenken wirklich nichts Negatives sagen. Außer ihrem Musikgeschmack vielleicht. Wenn Sonja auflegt, verwandelt sie jeden Sommertag in Allerheiligen. Die Sonne verdunkelt sich, Nebel zieht auf, und die Vögel fallen tot vom Himmel. Das ist noch nicht einmal übertrieben. Ich bin mir sicher, dass 80 Prozent des Weltschmerzes in Sonjas Musiksammlung ihre Heimat haben. Wenn man die in Gorleben sicher endlagern könnte, hätte man sich einer ganzen Menge Probleme entledigt. Silke, ebenfalls damals PR-Beraterin bei cocodibu, war mir da schon lieber. Ihr Bruder hörte immerhin Hardrock. Bei Sarah musste ich allerdings immer an Scooter („Hyper, hyper“) denken. Ich weiß: Wahrscheinlich tue ich ihr damit unrecht.

Um die Gunst der Vielzahl an PR-Beraterinnen bei cocodibu zu erlangen, war mir seinerzeit kein Trick zu schäbig. Üblicherweise lud ich sie nach Büroschluss gegen 16 Uhr in die Eckkneipe „Zum 18er“ auf ein oder zwei Sundowner ein. Silke ist danach meist zum Sport weiter. Ich denke, diese ehrgeizige Ader hat sie behalten.

Aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht: Die PR-Beraterinnen Silke B. und Sonja Z. im 18er.

Das hat geholfen: Mit einem solchen Lächeln wurde ich morgens (fast) immer begrüßt.

Sonja hatte eigentlich immer gute Laune. Bis auf Montagvormittag. Aber das ist eine andere Geschichte.