Teil 5 unseres Fünf-Jahres-Rückblicks:

Ende 2010 war ich kurz am Überlegen, umzusatteln: Makler müsste man sein! Für effektiv 20 Minuten Arbeit haben die aus unserer Sicht eine recht stattliche Provision für die Vermittlung unserer neuen Büro-Räume in der Ainmillerstraße 35 eingestrichen. So schön unser neues Domizil auch ist, der Zahlung trauere ich immer noch ein wenig hinterher.

Der Entscheidung selbst allerdings nicht. Auch wenn das für uns als Agentur eine kleine Zäsur war. Einher ging der Wechsel der Büroräume nämlich auch mit einem Wechsel im Team. Ich finde das ja immer noch eine der eher heikleren Missionen, Kunden erklären zu müssen, dass sie einen neuen Ansprechpartner bekommen. Wir haben in der Regel einen sehr kurzen Draht zu unseren Auftraggebern, demensprechend persönlich gestaltet sich die Zusammenarbeit. Soweit es ging, sind wir dann dafür direkt zu den Kunden raus gefahren. Ich finde, das gehört sich so.

In der Praxis hat sich das dann erstaunlich schnell eingespielt. Soweit haben uns unsere Kunden die Treue gehalten. Danke an das Vertrauen an dieser Stelle! Und an das Team: Myrjam, Steffy, Susanne sowie Jenny (die bei uns seit April an Bord ist), die das von Anfang an wirklich ganz toll gewuppt haben.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein bisschen über uns aus dem Nähkästchen plaudern, aber ich glaube, damit habe ich mich schon letztes Mal in die Nesseln gesetzt. Also nur so viel: Eine gewisse Bodenständigkeit kann bei uns sicher nicht schaden, ansonsten sind wir doch recht unterschiedliche Charaktere. Musste ich neulich wieder bei unserem Beitrag für den T-Shirt-Day denken.

Christian ist nicht auf dem Bild. Ich glaube, sein Lieblings-T-Shirt vom FC Bayern München war gerade in der Wäsche.

Der Zukunft – also den kommenden fünf, zehn, 25, 50 Jahren cocodibu – sehe ich natürlich professionell berufsoptimistisch entgegen. Wenn wir auch in den kommenden Jahren nicht allzu viel Heißluft produzieren, ein wenig die Distanz wahren und uns weiterhin mal selber auf die Schippe nehmen können, wäre schon einiges gewonnen.

Die Körper sind original, bei den Köpfen musste ein wenig retuschiert werden.

Teil 4 unseres Fünf-Jahres-Rückblicks:

Ich fang mal am Anfang an: Christian kenne ich schon lange. Unsere Wege kreuzten sich das erste Mal im Herbst 1993. Ich war Hamburg-Korrespondent der Werben & Verkaufen, er Redakteur im Ressort Medien – und später dann Ressortleiter. Das auf den ersten Blick Auffälligste an ihm waren damals zweifellos seine quietschbunten Hemden und sein – ich hoffe, ich erinnere mich richtig – Schnauzer. Ein bisschen auf Magnum also. Dafür hatte er eine recht lockere selbst-ironische Ader. Das gefiel mir. Bei der Wahl seiner Zweiräder fand ich ihn hingegen nie ganz stilsicher. Damals fuhr er Motorroller, heute BMW C1. Ich finde, das entwickelt sich in die falsche Richtung.

Davon abgesehen lief die Zusammenarbeit aber ziemlich reibungslos. Obwohl ich den Job nur ein Jahr machte, bekam ich ein recht nettes Zeugnis ausgestellt. Anschließend wechselte ich zu Gruner + Jahr in eine Entwicklungsredaktion, die gerade die Fernsehzeitschrift TV Today in der Mache hatte.

Entgegen dem Rat aller Personaler und Reputations-Manager hier eines meiner ersten Zeugnisse im Job – ausgestellt von einem Christian Faltin

Im Sommer 1998 klingelte mich ein gewisser Dr. Andreas Knaut an und fragte, ob ich Lust hätte, den Branchendienst Kontakter in München mit ihm neu aufzubauen. Ich hatte. Später erfuhr ich, dass Christian mich für den Job empfohlen hatte. Nette Geste. Er selbst etablierte zu der Zeit im selben Verlag gerade die Fachzeitschrift Media & Marketing. So nahm die Geschichte ihren Lauf.

Meinen Einstieg bei cocodibu baldowerten wir im Wesentlichen an mehreren Abenden bei einem Vorstadt-Italiener namens Tre Scalini im Frühjahr 2009 aus. Es war offenkundig, dass Christian in den Jahren eine wohl dosierte Vermarkter-Qualität entwickelt hatte. Er machte mir klar, dass cocodibu viel, viel mehr als nur eine PR-Agentur sei. Nahezu alle bahnbrechenden Neuerungen des Social Webs würden, so mein Eindruck, in der Kidlerstraße ausgeheckt. Damals führte er beispielsweise die erste grafische Twitter-Anzeige an, die die Agentur entwickelt hätte – ich glaube für die IWB. Mal ehrlich: So etwas lässt keinen kalt, gleichwohl ich die Bedeutung für die gesamte Kommunikationsbranche bis heute noch nicht 100-prozentig einschätzen vermag. Naja, wie’s mit solchen Sachen immer so ist: letztlich eine Bauchentscheidung. Ich sagte ohne größeres Zögern zu – trotz einiger Warnungen übrigens („Junge, das mit der PR ist doch nichts für Dich“).

Die erste Herausforderung in der Praxis war eigentlich die: In der Kidlerstraße saßen wir recht startup-mäßig dicht auf dicht. Ausgerechnet mir gegenüber: Sonja Zajontz. Sonja hatte ich erst einige Jahre zuvor für den Kontakter als Volontärin eingestellt. Sie hat sich dann recht schnell auf die Flucht gemacht und ist zu cocodibu rüber. Tja, und jetzt saß ich da also wieder. Nicht dass da jetzt ein falscher Eindruck entsteht: Über Sonja kann man auch nach längerem Nachdenken wirklich nichts Negatives sagen. Außer ihrem Musikgeschmack vielleicht. Wenn Sonja auflegt, verwandelt sie jeden Sommertag in Allerheiligen. Die Sonne verdunkelt sich, Nebel zieht auf, und die Vögel fallen tot vom Himmel. Das ist noch nicht einmal übertrieben. Ich bin mir sicher, dass 80 Prozent des Weltschmerzes in Sonjas Musiksammlung ihre Heimat haben. Wenn man die in Gorleben sicher endlagern könnte, hätte man sich einer ganzen Menge Probleme entledigt. Silke, ebenfalls damals PR-Beraterin bei cocodibu, war mir da schon lieber. Ihr Bruder hörte immerhin Hardrock. Bei Sarah musste ich allerdings immer an Scooter („Hyper, hyper“) denken. Ich weiß: Wahrscheinlich tue ich ihr damit unrecht.

Um die Gunst der Vielzahl an PR-Beraterinnen bei cocodibu zu erlangen, war mir seinerzeit kein Trick zu schäbig. Üblicherweise lud ich sie nach Büroschluss gegen 16 Uhr in die Eckkneipe „Zum 18er“ auf ein oder zwei Sundowner ein. Silke ist danach meist zum Sport weiter. Ich denke, diese ehrgeizige Ader hat sie behalten.

Aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht: Die PR-Beraterinnen Silke B. und Sonja Z. im 18er.

Das hat geholfen: Mit einem solchen Lächeln wurde ich morgens (fast) immer begrüßt.

Sonja hatte eigentlich immer gute Laune. Bis auf Montagvormittag. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine turbulentere Zeit hätte sich das Social Media-Team von Opel wohl kaum zum Start seines neuen Blogs aussuchen können. Nahezu täglich wird in der Presse über die weitere Zukunft des Autoherstellers und die deutschen Produktionsstandorte spekuliert. Im Interview zieht Opels Social Media-Manager Dietmar Thate nun Bilanz über die ersten vier Wochen des Corporate Blogs und führt aus, wie das Team mit den aktuellen Gerüchten zum Unternehmen umgeht.

Dietmar Thate, Social Media-Manager bei Opel

Mit dem Opel-Blog sind Sie rund ein Monat online. Was hat Sie in der Zeit positiv überrascht, was negativ?
Positiv überrascht hat uns, wie schnell das neue Format angenommen wurde, von Lesern unserer früheren Blogs aber auch neuen Lesern. Negativ-Überraschungen sind zum Glück ausgeblieben.

Welche übergeordneten Kommunikationsziele verfolgen Sie mit dem Projekt?
Wir treten in intensiveren Austausch mit Menschen, die sich für Opel und Opel-Technologie interessieren. Dabei wollen wir Neugier auf unsere Fahrzeuge wecken, Unternehmensentscheidungen nachvollziehbarer machen und auch von unseren Lesern lernen, was ihnen in Bezug auf Opel und unsere Autos wichtig ist.

Wie viele Zugriffe verzeichnet das Blog seit dem Start?
Eine differenzierte Auswertung liegt noch nicht vor, aber wir nähern uns bei den Pageviews im ersten Monat bereits einer sechsstelligen Größenordnung.

Welche drei Artikel sind am häufigsten geclickt, welche am häufigsten kommentiert? Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus für die künftige redaktionelle Gewichtung?
Der Post zur Namensbekanntgabe unseres neuen Kleinwagens „ADAM“ hat bei Klicks und Kommentaren die Nase vorn. Zum einen, weil der Name sehr lebhaft diskutiert wurde, zum anderen, weil damit eine Live-Aktion im Internet verbunden war, bei der das noch getarnte Auto per GPS-Signal seinen Namen selber in die Straßen auf dem Satellitenbild von Frankfurt geschrieben hat. Ansonsten zeigt sich, dass Geschichten über sportliche Opel-Modelle besonders gut ankommen. Mit unserer redaktionellen Gewichtung liegen wir also nicht so schlecht, da wir unseren OPC-Modellen einen unserer fünf Themenschwerpunkte gewidmet haben. Und die regen Diskussionen zu Unternehmensthemen zeigen uns, dass wir hier noch mehr machen können.

Nahezu täglich wird in der Presse über die Zukunft von Opel spekuliert. Im Opel-Blog liest man dazu nichts (mit Ausnahme eines Beitrags von  Opel Kommunikationsdirektor Harald Hamprecht vom 9. Mai). Warum  nicht?
Wir haben schon lange den Unternehmensgrundsatz, Medienspekulationen nicht zu kommentieren. Das berücksichtigen wir natürlich auch im Bereich Social Media. Allerdings gibt es Mythen und verdrehte Fakten, die wir gerne klarstellen wollen. Wir bereiten eine entsprechende Rubrik vor, in der wir Fiktionen Fakten gegenüberstellen.

Herbert Grönemeyer widmete jüngst bei einem Konzert den Song Bochum den Opel-Beschäftigten – dafür dankte ihm der Betriebsrat. Eignen sich derart emotionale Themen Ihrer Meinung nach grundsätzlich für den Opel-Blog?
Natürlich gehören emotionale Themen in den Blog, insbesondere wenn es um Fahrzeuge geht, wenn sie beispielsweise den Beitrag über den Manta beim 24-Stunden-Rennen oder den Astra OPC-Sound anschauen. Bei unternehmenspolitischen Themen bevorzugen wir eine sachliche Tonart.

Der Beitrag von Harald Hamprecht über die aktuelle Diskussion um die künftige Astra-Produktion führte zu einer Welle von Kommentaren. Obwohl das Thema hoch emotional ist, erscheinen die Kommentare in Summe recht differenziert. Hatten Sie hier Kommentare löschen müssen, weil Sie gegen die Blog-Regeln verstießen?
Nein, die Diskussion lief bei allem Engagement in der Tat sehr differenziert. Alle Kommentare kommen überdies ungefiltert in den Blog, es sei denn, sie enthalten einen Link, den wir vorab auf Spam und rechtliche Unbedenklichkeit überprüfen. Nur wenn die Wortwahl sehr extrem oder beleidigend wäre, würden wir bei Kommentaren nachträglich eingreifen.

Es scheint, als ob Sie in Ihrer Funktion als Moderator in die einzelnen Diskussionen zunehmend seltener eingreifen. Eine bewusste Entscheidung?
Es hängt vom Verlauf der Diskussionen ab, wie intensiv wir uns als Moderator zu Wort melden. In eine lebendige Diskussion müssen wir uns nicht immer einschalten, sofern nicht sachlicher Input von uns nötig ist.

Wer sich schon immer mal fragte, über welche Wege und Kanäle Web-Portale an Investoren kommen, um ihre Expansion zu finanzieren, bekommt seit Sonntag eine verblüffende Antwort: über die Zeitung. Und zwar ausgerechnet über den Kleinanzeigenteil. Im Rubrikenteil der FAZ vom 4. März preist sich etwa ein nicht genanntes Portal an: Wer fünf bis sechs Millionen Euro locker macht, kann sich mit 33 Prozent an dem Auftritt beteiligen. Für Verleger mag das zwei Seiten haben. Die beruhigende: Keine noch so ausgeklügelte Targeting-Technologie schafft es zur Zeit, die sicher nicht ganz anspruchslose Zielgruppe "Multi-Millionäre mit Investmentplänen im Web" angemessen anzusprechen. Die schlechte: Die Kontakte gehen an den Zeitungen vorbei. Interessenten werden an eine Google-Adresse verwiesen.

Stefan Krüger

FAZ