Justin Trudeau und Emmanuel Macron kommen auf LinkedIn auf bis zu 4,5 Millionen Follower. In Deutschland nutzen Politiker das Netzwerk bislang mit angezogener Handbremse. Dabei bietet es vielseitige Möglichkeiten, sich zu positionieren und Reichweite zu generieren.

Für die deutsche Politik hat das weltweite Netzwerk LinkedIn in etwa eine Bedeutung wie die Lüneburger Heide. Gut, vielleicht eine geringfügig größere. Etwa 50 Berufspolitiker besitzen in Deutschland einen LinkedIn-Account mit einer nennenswerten Reichweite. Wir werten das als Agentur jeden Monat mit unserem Polit-Check aus. Mit knapp 4.000 Followern schafft es Oliver Luksic, Landesvorsitzender der FDP Saar, schon in die Top 10. Mit über 7.000 Followern platziert sich der FDP-Vorsitzende Christian Lindner in den Top 5. Ganz weit vorn liegt Gerhard Schröder. Der Account des ehemaligen Bundeskanzlers wächst Woche für Woche prozentual zweistellig und vereinte schon drei Monate nach Start rund 20.000 Follower hinter sich. Ein Ex einsam an der Spitze?

Es wirkt, als hätten deutsche Politiker das Business-Netzwerk nicht auf dem Schirm. Fakt ist: LinkedIn hat in der gesamten DACH-Region rund 16 Millionen Nutzer – nach soziodemografischen Kriterien wertigere als auf anderen Plattformen. Der Diskurs ist deutlich sachlicher und überwiegend fundierter als etwa auf Facebook. Es gibt weniger Hatespeech und Fake-Accounts. Die Darstellungsmöglichkeiten sind immens: Lange Artikel, kurze Beiträge, Grafiken, Bilder, Videos – alles ist möglich. Erst vor wenigen Wochen hat LinkedIn das Feature LinkedIn Live gelauncht, ein Videoformat, bei dem sich die User mit Fragen einschalten können. Die Premiere unter den Politikern hatte im Juli Jens Spahn. Längst ist die Plattform mehr als ein Business-Netzwerk. Im Ausland ist LinkedIn gesetzt. Spitzenpolitiker wie Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, Indiens Premierminister Narendra Modi oder der kanadische Premierminister Justin Trudeau kommen hier inzwischen auf bis zu 4,5 Millionen Follower. Und auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (über 45.000 Follower) nutzt die Plattform regelmäßig für sein Agenda Setting. Aber wie funktioniert das in der Praxis? Wie bauen Politiker – und analog andere Personen des öffentlichen Lebens – erfolgreich ein Profil auf dem Netzwerk auf? Ein paar Faktoren gibt es, die einen Erfolg auf LinkedIn begünstigen.

PR ist nicht alles. Aber ohne PR ist alles nichts.

Die Social-Media-Plattformen werden immer noch häufig als Kanäle bezeichnet. Das ist trügerisch. Weil es suggeriert, wer in dem Kanal am schnellsten schwimmt, kommt als Erstes ans Ziel. Manchmal ist es ratsam, einen Social-Media-Kanal einfach mal zu verlassen. Bei LinkedIn ist das auch so. Sicher kann jeder über mehr oder weniger gezielte Anfragen sein Kontaktnetzwerk ausbauen und über pointierte Beiträge und Artikel für ausreichend Buzz sorgen. Doch sollte man nicht die Wechselwirkung von PR und LinkedIn unterschätzen. Deshalb: Kanalübergreifend Themen setzen. Veröffentlichungen in den klassischen Medien parallel für LinkedIn-Debatten nutzen, exklusive LinkedIn-Artikel den Medien vorab stecken. Spätestens seit Donald Trump wissen wir, dass die klassischen Medien keine Berührungsängste mehr haben, Twitter & Co. als Quellen zu zitieren. Das hilft natürlich enorm, den Account bekannt zu machen. Auf diesen Mechanismus kann hierzulande natürlich auch jeder Kommunal-  und Regionalpolitiker zurückgreifen. Forderungen stellen, Missstände benennen, Lösungen aufzeigen. Auf LinkedIn ausführlich analysiert und für die Medien vor Ort entsprechend aufbereitet.

Auf Tuchfühlung mit Influencern

Influencer – da denkt jeder an die Teens und Twens auf Instagram und Tiktok. Vielleicht ist Multiplikator deshalb der passendere Begriff – also Fachexperten, Journalisten/ Blogger, Unternehmer mit entsprechender Expertise und Followerschaft auf LinkedIn. Sicher, nicht jeder hat das Glück, LinkedIn-Größen wie Carsten Maschmeyer (knapp 100.000 Follower) in seinem Bekanntenkreis zu haben. Der Unternehmer und Start-up-Investor beglückwünschte auf seinem Account etwa Ex-Kanzler Gerhard Schröder zu dessen LinkedIn-Debüt, was dessen Followerzahl stark ansteigen ließ. Doch jeder kennt in seiner Region oder in seinem Fachgebiet (hoffentlich) die Meinungsmacher, die im Social Web Themen den richtigen Spin geben. Man kann dem Zufall natürlich ein bisschen auf die Sprünge helfen. Eigene LinkedIn-Artikel vorab den Influencern stecken und so eine langfristige Bindung aufbauen. Besonders gut funktioniert eine Kombination aus PR und Einbindung von Multiplikatoren – etwa wenn die klassischen Medien und die Meinungsmacher im Web gleichermaßen die eigenen auf LinkedIn publizierten Thesen und Themen aufgreifen. Mit etwas Glück entwickelt sich hier eine Eigendynamik – wenn etwa klassische Medien die involvierten Multiplikatoren in die Berichterstattung einbeziehen und die die Artikel auf ihren Accounts posten.

Die LinkedIn-Redaktion kontaktieren

LinkedIn hat eine kleine, aber sehr engagierte und professionelle Redaktion. Sie schreibt selbst Beiträge, kuratiert Artikel und stellt daraus den morgendlichen Newsletter für alle Mitglieder zusammen. Was gerade angesagt ist, wird allen Usern rechts oben auf der LinkedIn-Seite in der Box „Aktuell und diskutiert“ angezeigt. Zudem arbeitet die Redaktion an neuen audiovisuellen Formaten wie eben LinkedIn Live. Alles in allem ein enormer Reichweitenbooster also, wenn man es schafft, mit seinen Themen hier berücksichtigt zu werden. Zwar scannt die Redaktion selbst das Netzwerk nach interessanten Aufhängern, doch sich selbst mit seinen Themen bei der Redaktion ins Gespräch zu bringen, kann nie schaden.

Mut zur eigenen Meinung

Der FDP-Politiker Thomas Sattelberger fragte neulich (rhetorisch) auf LinkedIn: „Welche Politiker wollen wir? Glatt gebügelte Homunkuli und Barbies? Sind Karrieresysteme von Parteien Windhundrennen?“ In den Sozialen Netzwerken jedenfalls haben all die blassen Technokraten mit ihrer floskelhaften Sprache keine Chance. Wer wirklich Thought Leadership beweisen möchte, muss auch mal gegen den Strom schwimmen. Positionen vertreten, die vielleicht nicht 100-prozentig auf Parteilinie sind, die viel mehr der eigenen Überzeugung entsprechen als dem gängigen Mainstream. Gerhard Schröder positioniert sich auf LinkedIn klar für Autoprämien, für eine stärkere Zusammenarbeit mit Russland und für Nord Stream 2. Nur so entstehen wirklich Debatten. Nichts ist schlimmer als ein Account ohne Reaktionen. Den straft LinkedIn mit seinem Algorithmus ab. Wer keinen Buzz erzeugt, taucht im Newsfeed kaum mehr auf. LinkedIn ist in weiten Teilen ein Business Netzwerk. Doch um hier im Nachrichten-Stream aufzufallen, lohnt es, hin und wieder auch etwas Privates von sich preiszugeben. Kultur, Sport, Zeitgeschehen, Literatur – was auch immer, Hauptsache, es entspricht der eigenen Persönlichkeit. Gesundheitsminister Jens Spahn begrüßte seine Community zum LinkedIn-Start etwa mit einem handschriftlichen Schreiben und ermunterte hier zum Austausch und Dialog. Das Feedback war immens.

Im Gespräch mit der Community bleiben

Einer der größten Fehler auf LinkedIn ist, ausschließlich in den Broadcast-Modus zu gehen – also einfach Botschaften zu senden, ohne die Tuchfühlung mit der Community aufzunehmen. Das gezielte, aktive Kommentieren ausgewählter Beiträge gehört deshalb zweifellos zu den wichtigsten Spielregeln auf LinkedIn. Und auch hier gilt: Kontinuierlich alle Kommentare scannen und über die LinkedIn-Rubrik „Inhalte“ checken, was ggf. über einen selbst publiziert wurde. Sachlichen Dialog mit eigenen Kommentaren fördern, Hate Speech ignorieren beziehungsweise dem Netzwerk melden.

Die Medienvielfalt nutzen

LinkedIn bietet die Möglichkeit für kurze Beiträge, die häufig auf externe Inhalte verlinken und in der Regel mit einem entsprechenden Kommentar des Autors versehen sind. Politiker nutzen dies häufig für knappe, pointierte Einschätzungen zu aktuellen Ereignissen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron postete beispielsweise kurz hintereinander zu den EU-Verhandlungen über das Corona-Rettungspaket und verzeichnete einmal etwa 4.000 und einmal 16.000 Reaktionen. Für noch mehr User-Engagement sorgen in der Regel Artikel. Das sind deutlich längere Texte, die jeder User auf der Plattform veröffentlichen kann. Über einen kurzen Teaser und ein entsprechendes Aufmacher-Bild werden sie im Nachrichten-Stream der User angerissen. Aus unserer Erfahrung verzeichnen die Artikel deutlich weniger Views als die Beiträge, proportional dazu aber deutlich mehr Reaktionen/Kommentare. Zwar beschäftigen sich offensichtlich weniger Nutzer mit diesen längeren Artikeln – die dafür umso intensiver. Wichtig ist, die Texte mit entsprechendem Bild-/ Videomaterial zu ergänzen. Fotos von Politikern wirken auf LinkedIn inzwischen fast so plakativ wie Wahlplakate. Ein großes Porträtfoto und davor ein pointiertes, farblich markiertes Statement aus einem Interview/Beitrag – Hauptsache, schnell auffallen. Empfänge, Politiker-Treffen, Medien-Interviews – all das wird auf LinkedIn natürlich zudem per Foto festgehalten und um die wesentlichen Aussagen der Treffen ergänzt. Weniger Arbeitslose in der Region? Mehr Industrieansiedelung? Oder einfach ein Bevölkerungszuwachs, der auf eine steigende Attraktivität der Region hindeutet? All das lässt sich nicht nur wunderbar für den eigenen Wahlkampf nutzen, sondern auch auf LinkedIn grafisch aufbereiten. Auch hier hat die filigrane Infografik längst das einfache Balkendiagramm abgelöst. Wer nicht kamerascheu ist, setzt auch auf LinkedIn auf kurze, originelle Videos. Selbst mit dem Smartphone lassen sich hier inzwischen ganz respektable Ergebnisse erzielen.

Wie arbeiten PR-Agentur und Kunden möglichst effizient und reibungslos zusammen? Mit dieser Frage befassen sich unzählige Artikel, Bücher, Blogbeiträge und Seminare. Mal mehr, mal weniger ausufernd werden die wichtigsten Punkte einer guten Zusammenarbeit aufgeführt, erläutert und mit Beispielen versehen. Mit dieser Masse an gut gemeinten Ratschlägen und Tipps scheint aber immer noch nicht alles gesagt zu sein. Schließlich kommen ständig neue Artikel, Bücher etc. zu diesem Thema hinzu. Woran liegt das? Sind wir wirklich so vergesslich und brauchen immer wieder Erinnerungen daran, was gute Zusammenarbeit bedeutet? Oder schafft die technische Entwicklung womöglich ständig neue Perspektiven auf das Thema? Braucht es einfach einen neuen, frischen Ansatz? Ich kann nur für mich sprechen: Ich sehe das aus einem gänzlich anderen Blickwinkel, aus dem eines begeisterten Schlagzeugers. Da gibt es tatsächlich einige Parallelen. Diese hier zum Beispiel:

  1. Den Rhythmus finden

Der Rhythmus ist das Fundament eines jeden guten Songs. Er animiert uns zum wippen, tanzen, springen und kann uns im Falle eines Herzstillstands sogar das Leben retten (Stichwort: Herzdruckmassage). Aber auch die einfachsten Rhythmen verlangen die volle Konzentration des Drummers. Er entscheidet mit seinem Spiel darüber, ob ein Song Groove hat und der Rhythmus die Menschen begeistert. Wohl kaum jemand kann bei „Run To The Hills“ und Nicko McBrains galoppierendem Rhythmus oder dem treibenden Drumming von Bill Ward im Song „Paranoid“ still sitzen bleiben.  Verpasst ein Schlagzeuger aber einmal seinen Einsatz, kommt schlimmstenfalls die ganze Band aus dem Konzept und das Stück ist ruiniert. Ähnlich sieht es in der täglichen PR-Arbeit aus. Für eine gelungene Zusammenarbeit braucht es einen guten Grundrhythmus, das heißt: regelmäßigen Calls, klare Arbeitsabläufe und festen Zeiträume für Aufgaben und Co. Finden Agentur und Kunde keinen passenden Rhythmus, entsteht schnell eine Kakophonie.

  1. Die Größe des Schlagzeugs ist nicht entscheidend

Während so mancher Drummer im Heavy Metal hinter seinem riesigen Schlagzeug kaum noch zu sehen ist (Lars Ulrich, Dave Lombardo, Danny Carey, etc.), genügen Jazz- oder Punk-Schlagzeugern wie Buddy Rich oder Tre Cool ganz normale Standard-Kits. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass es sich um grundverschiedene Musikrichtungen handelt (dazu kommen wir später nochmal), aber trotzdem zaubern Schlagzeuger auch mit weniger Equipment beeindruckende Rhythmen und satte Grooves. Auf die PR-Arbeit bezogen bedeutet das, sich nicht in zu vielen Projekten auf einmal zu verrennen. Viel entscheidender für den Erfolg ist es, einen klaren Kopf zu bewahren.  

  1. Den Kunden mit kreativen Fills überraschen

Ein gutes Fill bleibt dem Hörer häufig mehr im Kopf, als die gesamte restliche Schlagzeug-Performance in einem Song. Bestes Beispiel: Phil Collins und sein legendäres „DADA DADA DADA DA DA“ im Song „In The Air Tonight“. Fills geben Drummern die Chance kreativ zu werden und ihr ganzes Können zu zeigen. PR-Agenturen sollten das Gleiche bei ihren Fills versuchen. Zwischen all den üblichen Aufgaben des PR-Alltags wie Pressemitteilungen oder Gastbeiträge sollten Agenturen versuchen den Kunden mit kreativen Ideen zu überraschen. Schließlich braucht selbst der beste Rhythmus ab und an ein paar Fills zur Abwechslung.

  1. Jazz ist anders als Metal

Während Schlagzeuger im Metal vor allem schnell, wuchtig und technisch versiert spielen müssen, kommt es beim Jazz eher auf Gefühl und ein Gespür für den typischen Jazz-Groove an. Kenny Clark und Phil Taylor sind beides herausragende Drummer und doch wäre Clark wohl kaum in der Lage einfach so Motörhead-Songs zu spielen. Umgekehrt würden Taylor typische Jazz-Grooves auch vor eine Herausforderung stellen. Je nach Stil, müssen Drummer sich und ihr Spiel anpassen. Man könnte also sagen, Kunden sind wie einzelne Musikstile: Unterschiedlich, mit verschiedenen Eigenheiten und Schwierigkeitsgraden. Agenturen und Berater sollten sich daher eine breite Palette  an Fähigkeiten zulegen und ihre Arbeitsweise an den jeweiligen Kunden anpassen.

  1. Üben, üben, üben

Egal ob man nun talentiert ist wie John Bonham, Keith Moon und Co. oder ein blutiger Anfänger am Schlagzeug ist, regelmäßiges und teilweise auch exzessives Üben ist ein Muss. Gleiches gilt auch für die PR-Arbeit. Die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Agentur muss „geübt“ werden.  Startschwierigkeiten sind keine Seltenheit und auch kein Grund, die Flinte wieder ins Korn zu werfen. Agentur und Kunde müssen sich aufeinander eingrooven, sich kennenlernen und einen gemeinsamen Rhythmus einüben. Eine große Portion Fleiß und Motivation ist dafür von beiden Seiten nötig. Und wie jeder anfangs vom Üben noch etwas genervte Musikschüler werden auch Agentur und Kunde schnell erkennen, welche Möglichkeiten sich durch eine geübte und funktionierende Zusammenarbeit ergeben.

  1. Frustrationstoleranz entwickeln

Haben sie schon mal versucht „La Grange“ von ZZ Top auf dem Schlagzeug zu spielen? Dank einiger kniffliger Parts für die linke Hand ist hier gerade zu Beginn Frustration vorprogrammiert. Als Musiker stößt man ständig an seine Grenzen, muss Fehlschläge und Hindernisse überwinden. Nach und nach stellt sich aber eine gewisse Frustrationstoleranz ein und Rückschläge werden eher als Ansporn genommen, sich noch mehr zu verbessern. Irgendwann klappt es dann mit „La Grange“ und der linken Hand. Auch für Agenturen und Kunden ist Frust in der Zusammenarbeit kein Fremdwort. Fehlender Input wird einfach nicht geliefert, Deadlines nicht eingehalten, Texte nicht freigegeben oder Projekte nicht 100 Prozent so umgesetzt, wie es der Kunde gerne hätte. Das Zauberwort heißt auch hier: Frustrationstoleranz.

Also, Groove und Rhythmus haben wir doch alle irgendwie im Blut, jetzt gilt es nur noch, den gemeinsamen Rhythmus zu finden. Dann swingt und groovt die Zusammenarbeit wie noch nie.

Für Deutschlands Politiker gewinnt das Business Netzwerk LinkedIn immer mehr an Bedeutung: Altkanzler Gerhard Schröder vereint auf der Plattform inzwischen rund 21.000 Follower und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kann seine Followerzahl im August fast verdoppeln. Das sind Kernergebnisse des aktuellen „LinkedIn-Polit-Check“ der Kommunikationsberatung cocodibu.

Mit der Untersuchung analysiert cocodibu monatlich die Performance deutscher Politiker auf dem gerade in Wirtschaftskreisen so wichtigen Netzwerk LinkedIn. Kriterien hierfür sind die Anzahl der Follower sowie das prozentuale bzw. absolute Wachstum innerhalb des Untersuchungszeitraums vom 01. August bis 01. September 2020. Daraus wurde jeweils ein Top Ten Ranking erstellt.

Zum Stichtag 1. September 2020, so legt der „LinkedIn-Polit-Check“ offen, verzeichnet das LinkedIn-Profil Schröders 20.824 Follower. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn liegt inzwischen mit 12.511 Followern auf dem zweiten Platz. Dies ist umso bemerkenswerter, da Spahn erst seit Juli auf dem Business-Netzwerk aktiv ist. Der CDU-Politiker nutzt LinkedIn aktuell ausschließlich, um über die politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu informieren. Mit unregelmäßigen, dafür aber thematisch pointierten Posts, trifft Spahn genau den Nerv der LinkedIn-Community. Weiterhin einziges Mitglied der Grünen in den Top 10 ist Omid Nouripour (Außenpolitischer Sprecher). Er vereint 8.623 Follower hinter sich. Insgesamt wird das Ranking erneut von der FDP dominiert, die mit fünf Politikern in den Top 10 vertreten ist. FDP-Chef Christian Lindner verzeichnet inzwischen 7.066 Anhänger. Neu in auf Platz 10 ist Daniel Föst (Vorsitzender der FDP Bayern) mit 3.043 Followern.

Mit einem prozentualen Wachstum von 92 Prozent im August konnte Jens Spahn seine Followerzahl nahezu verdoppeln. In absoluten Zahlen hat Schröder gleichwohl die Nase vorn: Er steigerte im August die Zahl seiner Follower um 6.087 (+ 41 Prozent), Spahn liegt mit 5.998 knapp dahinter. Mit Abstand folgt Christian Lindner mit einem Wachstum von knapp 12,5 Prozent (+ 787 Follower). Bemerkenswert, da Lindner im August keinen Post abgesetzt hat. Schlusslicht im Wachstumsranking ist Volkmar Klein mit einer Steigerung von unter einem Prozent.  

LinkedIn ist noch eine Art Hidden Champion in der politischen Kommunikation. Von den 709 Bundestagsabgeordneten sind etwa nur 46 auf der Plattform aktiv. Diejenigen, die hier aber professionell kommunizieren, verzeichnen ein großes Wachstum auf der Plattform und bekommen entsprechend viel Feedback aus der Community“, so cocodibu-Geschäftsführer Stefan Krüger.

 

Markus Hövener ist Gastgeber zweier Podcasts

Immer mehr Menschen hören Podcasts, viele reden darüber und wir schauen hinter die Kulissen: In unserer Blog-Reihe präsentieren wir euch bekannte Podcaster aus der Digitalbranche mit Themen rund um Digitalisierung und Online-Marketing. Wir stellen ihnen Fragen über ihre Laufbahn, ihre Gäste und ihre eigenen Podcast-Favoriten und sie verraten uns ihre skurrilsten und lustigsten Interviewmomente.

Er wollte es einfach mal ausprobieren, jetzt ist er Podcaster: Markus Hövener. Er ist Host des Search Camp + Alles auf Start-Podcasts, bei dem sich alles um Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung dreht:

Wie wurdest du Podcaster?

Markus Hövener: So genau weiß ich gar nicht mehr, was der entscheidende Faktor war. Ich hatte einfach Lust, das mal auszuprobieren. Und im Allgemeinen bin ich so gestrickt, dass ich einfach loslege und es ausprobiere, ohne ewig lange den perfekten Plan auszubrüten. Da bin ich zum Glück etwas undeutsch.

Nach der Entscheidung war es nur noch ein kleiner Einkauf (gutes USB-Mikrofon) und das Setup für das Hosting – das war’s dann auch schon. Das heutige Setup ist doch schon deutlich komplexer.

Wer hat dich inspiriert?

Ganz ehrlich: Domian. Im Studium habe ich eigentlich fast jede Nacht Domian geschaut. Ich schätze seine Flexibilität, die er an den Tag legt. Außerdem hatte er trotz seiner vorwiegenden Neutralität auch oft eine freiheitliche Grundhaltung, die ich auch lebe.

Nach welchen Kriterien wählst du deine Interviewpartner aus?

Viele laufen mir einfach so über den Weg. Ich lese einen spannenden Beitrag und denke dann, dass man aus diesem Thema auch eine gute Episode machen könnte. Oder ich lese ein Buch. Oder ich sehe jemanden auf einer Konferenz. Da ist es natürlich vorteilhaft, wenn man sowieso viel in der Szene unterwegs ist.

Es ist sehr selten so, dass ich zuerst das Thema habe und mir dann einen Interviewpartner suchen muss.

Wie bereitest du dich auf die Gespräche vor?

In der Regel schaue ich mir die Vita vorher an – z. B. über das XING-Profil. Viele haben auch schon zu dem Interview-Thema Artikel oder auch ein Buch geschrieben. Die Gliederung eines Buchkapitels ergibt das oftmals eine gute Struktur für den Podcast.

Und dann bereite ich so 10-15 Fragen vor. Das reicht für ca. 30-40 Minuten – eine typische Episodenlänge bei mir. In der Praxis ist es aber so, dass ich die Fragen nicht immer brauche. Wenn der Interview-Partner einen spannenden Aspekt bringt, den ich vorher nicht auf dem Schirm hatte, gehe ich darauf ein.

Insgesamt ist es vorteilhaft, dass die meisten Interview-Partner sehr eloquent sind. Eigentlich müsste ich nicht mal Fragen stellen, sondern könnte die Leute auch einfach 30 Minuten reden lassen.

Wer sind deine Wunschkandidaten, die du gerne interviewen würdest?

Ach, die meisten hatte ich schon im Interview.

Ich würde aber gerne mal Interviews mit Nicht-Online-Marketern machen. Das wäre dann aber ein komplett anderer Podcast. Aber an dem Format arbeite ich schon nebenbei. Mal schauen, wann das was wird…

Wen würdest du niemals interviewen?

Da fällt mir erstmal niemand ein. Wenn jemand langweilig ist oder vor dem Mikrofon kein Wort rausbringt, wird’s natürlich schwierig. Aber den Fall hatte ich noch nicht.

Ansonsten bin ich total offen. Interessant sind ja auch immer die, die etwas neben der üblichen Spur laufen. Die Interviews, die ich bei anderen gehört habe und die ich fesselnd fand, kamen immer eher von schrägen Persönlichkeiten. In der Richtung bin ich aber noch zu selten unterwegs.

Was war dein skurrilster/lustigster/denkwürdigster Interviewmoment?

Mein Interviewpartner bei einer der ersten Episoden hatte einen Stromausfall und war einfach weg. Das schon sehr seltsam, weil ich gar nicht wusste, wessen Schuld der Verbindungsabbruch jetzt war. Es hat dann etwas gedauert und wir haben die Folge dann nochmal aufgenommen.

Wie sorgst du für die entsprechende Reichweite deines Podcasts?

Ein bisschen SEO (das ist ja mein Spezialthema), ein bisschen Social + viel Qualität (damit sich’s rumspricht). So versuche ich es und bislang funktioniert das auch sehr gut. Außerdem nutze ich z. B. Fachvorträge, um meine Live-Zuschauer in den Podcast rüberzuziehen.

Und natürlich zum Abschluss: Wer sind deine persönlichen Podcast-Favoriten?

Markus Hövener: Die Podcasts, die ich so höre, sind zumindest keine Online-Marketing-Podcasts. Ich bin absoluter Fan von „Mit den Waffeln einer Frau“ mit Barbara Schöneberger, weil das einfach perfekte Gute-Laune-Interviews ohne irgendeinen Tiefgang oder Anspruch sind.

Ansonsten höre ich z. B. noch „Podcasthelfen on Air“, „Gedanken tanken“ und einige andere Podcasts aus dem Themenbereich „Persönlichkeitsentwicklung“.

 

Für Deutschlands Politiker gewinnt das Business Netzwerk LinkedIn immer mehr an Bedeutung: Altkanzler Gerhard Schröder vereint auf der Plattform inzwischen rund 15.000 Follower, FDP-Parteichef Christian Lindner verzeichnet allein im Juli ein rasantes Wachstum von 66 Prozent, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nutzt LinkedIn erstmals, um über Corona zu informieren. Das sind Kernergebnisse des aktuellen „LinkedIn-Polit-Check“ der Kommunikationsberatung cocodibu.

Mit der Untersuchung analysiert cocodibu monatlich die Performance deutscher Politiker auf dem gerade in Wirtschaftskreisen so wichtigen Netzwerk LinkedIn. Kriterien hierfür sind die Anzahl der Follower sowie das prozentuale bzw. absolute Wachstum innerhalb des Untersuchungszeitraums vom 01. Juli bis 01. August 2020. Daraus wurde jeweils ein Top Ten Ranking erstellt.

Zum Stichtag 1. August 2020, so legt der „LinkedIn-Polit-Check“ offen, verzeichnet das LinkedIn-Profil Schröders 14.737 Follower. Damit liegt er in punkto Reichweite deutlich vor dem Zweitplatzierten Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen, Außenpolitischer Sprecher), der 8.450 Follower vereint. Der Frankfurter ist das einzige Mitglied der Grünen, das sich in den Top Ten platzieren konnte. LinkedIn-Newcomer Jens Spahn kommt aus dem Stand mit 6.513 Followern auf Platz drei des Rankings. Der Bundesgesundheitsminister nutzt das Business-Netzwerk erst seit Anfang Juli. Als erster Politiker stellte er sich in dem Video-Format LinkedIn-Live den Fragen der Community. Neu auf Platz zehn ist schließlich Volkmar Klein (CDU) mit 3.068 Followern.

Mit einem prozentualen Wachstum von 66 Prozent im Juli liegt Christian Lindner knapp vor Gerhard Schröder mit einem Plus von 60 Prozent. In absoluten Zahlen hat Schröder gleichwohl die Nase vorn: Er steigerte im Juli die Zahl seiner Follower um 4.922, bei Lindner waren es immerhin 2.502, der hier mit seinen wirtschaftsliberalen Themen eine besonders hohe Affinität zur Zielgruppe auf dem Business-Netzwerk hat. Mit Abstand folgt Thomas Sattelberger von der FDP mit einem Wachstum von knapp sieben Prozent – von allen untersuchten Poltiker-Profilen ist Sattelberger aktuell der aktivste auf LinkedIn. Schlusslicht im Wachstumsranking ist Omid Nouripour mit einer Steigerung von unter einem Prozent.  

„Auf LinkedIn selbst liest man immer öfter, die Plattform sei das neue Facebook. Das stimmt so nicht. Der Diskurs ist – noch zumindest – deutlich sachlicher und fachlicher, die Zielgruppe nach soziodemografischen Kriterien wertiger. Es überrascht vor diesem Hintergrund, dass die deutsche Politik die Business Plattform jetzt erst langsam für sich entdeckt. International ist LinkedIn für die Politik-Kommunikation längst gesetzt“, so cocodibu-Geschäftsführer Stefan Krüger.

Altkanzler Gerhard Schröder ist Deutschlands erfolgreichster Politiker auf der Social-Business-Plattform LinkedIn. In Summe verfügt er über die höchste Reichweite und das größte prozentuale Wachstum im Vergleich zu seinen Polit-Kolleg*innen. Dies hat jetzt der „LinkedIn-Polit-Check“ von cocodibu offengelegt. 

Erstmals wurden mit der Untersuchung explizit deutsche Politiker und ihre Performance auf dem gerade in Wirtschaftskreisen so wichtigen Netzwerk LinkedIn untersucht. Kriterien hierfür waren die Anzahl der Follower sowie das prozentuale Wachstum innerhalb des Untersuchungszeitraums vom 01. Juni bis 01. Juli 2020. Daraus wurde jeweils ein Top-10-Ranking erstellt. Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder führt beide Rankings souverän an. Bemerkenswert ist das Ergebnis vor dem Hintergrund, dass Schröder erst seit Mai dieses Jahres auf LinkedIn aktiv ist.

 

Zum Stichtag 1. Juli 2020 verzeichnet das LinkedIn-Profil Schröders bereits 9.185 Follower. Damit liegt er weit vor dem Zweitplatzierten Thomas Jarzombek (CDU, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt), der 5.421 Follower vereint. Insgesamt, so zeigt der „LinkedIn-Polit-Check“ von cocodibu, wird das Ranking klar von Mitgliedern der FDP dominiert. Mit Thomas Kemmerich (5.020 Follower), Thomas Sattelberger (4.068 Follower), Christian Lindner (3.777 Follower), Oliver Luksic (3.591 Follower) und Daniel Föst (2.969 Follower) stellen die Freien Demokraten die Hälfte der Top 10. Als einziges Mitglied der CSU und einzige Frau hat es die Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank mit 3.500 Followern auf Platz sieben geschafft. Frank kandidierte 2020 für das Amt der Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt München und nutzte die sozialen Netzwerke offensiv für ihren Wahlkampf. 

Mit einem Zuwachs von 58 Prozent liegt Schröder auch klar auf Platz eins des Wachstum-Rankings. Mit großem Abstand dahinter folgt der FDP-Bundes- und Fraktionsvorsitzende Christian Lindner mit einer Steigerung der Followerzahl von 15 Prozent im Juni, Platz drei sichert sich Andreas Steier (Bundestagsabgeordneter für Trier und Trier-Saarburg) von der CDU mit knapp sechs Prozent Wachstum. Auf den weiteren Plätzen folgen der Landesvorsitzende der FDP Saar Oliver Luksic (plus fünf Prozent) und dessen FDP-Kollege Thomas Sattelberger (plus fünf Prozent). Kristina Frank kommt mit einem Zuwachs von knapp einem Prozent auf Platz neun. Seit dem Ende ihres Wahlkampfs sinkt Franks Engagement auf LinkedIn kontinuierlich. 

Die cocodibu-Studie zeigt: LinkedIn als Kommunikationskanal wird von deutschen Politikern noch vielfach vernachlässigt. Abgesehen von Christian Lindner ist kein deutscher Spitzenpolitiker auf der Plattform aktiv bzw. hier erfolgreich. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken etwa liegt mit 1.595 Follower und einem Wachstum von 0,5 Prozent deutlich abgeschlagen.  Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind auf dem Business-Netzwerk überhaupt nicht vertreten.

Außerhalb Deutschlands ergibt sich ein gänzlich anderes Bild: In Europa punkten etwa Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron (zirka 1,8 Millionen Follower) und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (zirka 41.000 Follower) mit großem Engagement auf LinkedIn. Weltweit ist Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, mit rund 4,4 Millionen Followern der reichweitenstärkste Politiker auf LinkedIn. 

„Im Ausland ist LinkedIn für die politische Kommunikation längst gesetzt – hierzulande besteht noch großer Nachholbedarf. Die Abstinenz bzw. das mangelnde Engagement der deutschen Politiker verwundert. Sie erreichen ihre potenziellen Wähler hier schließlich direkt, der Diskurs ist anders als auf anderen Plattformen weitestgehend wertschätzend in einem sachlich-neutralen Kontext“, analysiert cocodibu-Geschäftsführer Stefan Krüger.

Politiker fordern gern Umdenken und mehr Veränderung. Könnten sie selbst mal. Zum Beispiel in ihrer Kommunikation – bzw. der Wahl der Kommunikationskanäle. Mehr Business Netzwerke und Social Media statt nur klassischer Medien. Der Start von Altbundeskanzler Gerhard Schröder auf LinkedIn ist deshalb bemerkenswert.

LinkedIn-Profil von Altbundeskanzler Gerhard Schröder

 

Egal ob nun Globalisierung, Digitalisierung oder jetzt die Corona-Krise: Zur Königsdisziplin der Politik gehört zweifelsfrei, Menschen auf Veränderungen einzustimmen. Ein solcher – in der Regel ja eher schmerzhafter – Prozess kommt natürlich immer in einem betont flauschigen Gewand daher – Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit, Fairness und so weiter. Kennt man ja. Aber darum soll es hier eigentlich gar nicht gehen. Der Punkt ist: In ihrer eigenen Kommunikation zeigen sich Spitzenpolitiker in der Regel erstaunlich resistent gegenüber Veränderungen. Themensetting – das passiert überwiegend immer noch über die großen meinungsbildenden klassischen Medien: die überregionalen Tageszeitungen, Spiegel und die bekannten Talkshows, die ihrerseits wieder zitiert werden. Hauptsache, es liegt etwas gedruckt in der Pressemappe.

Dabei weiß natürlich jeder: die großen meinungsbildenden Medien? Das war einmal. Bekanntlich rauschen Reichweiten und Auflagenzahlen seit Jahren in den Keller. Titel wie Focus und Welt verzeichnen allein im Vorjahresvergleich ein zweistelliges Minus, die Bild rutscht daran (- 9,1 Prozent) nur knapp vorbei. Irrelevant sind sie deshalb noch nicht geworden. Weil der altbekannte Zitiermechanismus (in weiten Teilen) ja durchaus noch funktioniert. Aber die Frage nach Alternativen und neuen Mechaniken, Themen zu setzen, ungefiltert Feedback einzuholen, stellt sich angesichts dieser Entwicklung natürlich schon. Ein bisschen mehr Lust und Mut, hier neues auszuprobieren, wäre also nicht verkehrt. Also genau jener positive Entdeckergeist, den Politiker ja so gerne bei uns wecken wollen.

LinkedIn-Premiere von Altbundeskanzler Gerhard Schröder

Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet Altbundeskanzler Gerhard Schröder einen solchen neuen Weg in der Kommunikation einschlägt. Jener SPD-Spitzenpolitiker, der ja noch zu Amtszeiten sagte, zum Regieren brauche es wesentlich nur Bild, BamS und Glotze. Seit dieser Woche nutzt er das Business-Netzwerk LinkedIn zum Agenda-Setting. In Deutschland ist das zwar nicht einmalig, aber immer noch vergleichsweise ungewöhnlich. Bis auf Saskia Esken und Christian Lindner ist kein deutscher Spitzenpolitiker auf der Plattform vertreten. Man fragt sich: Warum eigentlich nicht? Längst hat sich LinkedIn aus dem engen Korsett des Job-Netzwerkes befreit. Eine weltweit verteilte Redaktion kuratiert Artikel zu Themen wie Corona, EZB-Anleihenkäufen oder Verkehrswende. Wohl kaum ein anderes Netzwerk bietet die Möglichkeit für einen Gedankenaustausch in einem vorwiegend sachlichen Kontext. Und das vielfach direkt mit Multiplikatoren.

International ist die Plattform dafür längst gesetzt. Spitzenpolitiker erzielen hierüber inzwischen höchste Reichweiten. Kontinuierlich und mit viel Engagement haben sie sich – bzw. ihre Teams – Communitys aufgebaut. Emanuel Macron beispielsweise kommt auf über 1,7 Millionen Follower, Narendra Modi auf über 3,4 Millionen und Justin Trudeau sogar auf über 4,2 Millionen, die ihm folgen. Auch Österreich ist uns einen Schritt voraus. Sebastian Kurz vereint über 33.000 Follower hinter sich Einzelne Beiträge von ihm rufen rund 1.000 Reaktionen – in der Regel Likes – und über 120 Kommentare hervor. Ganz anders in Deutschland: Die SPD hat auf LinkedIn noch nicht einmal einen eigenen Account. Und das, obwohl die Partei ja mit Saskia Esken nach eigenem Ermessen eine ausgewiesene Digital-Expertin mit an der Spitze hat. Eine bisschen mehr Veränderungswillen in der Kommunikation mit den Menschen – also den (potenziellen) Wählen – täte also vielleicht auch in Deutschland nicht schlecht.

Die Verkaufszahlen sinken, Content verschwindet hinter Pay Walls und immer mehr Print-Titel werden dauerhaft eingestampft: Für die Medienbranche ist es nicht gerade eine einfache Zeit. Trotzdem hat sich MEEDIA dazu entschieden, mit einem neuen Print-Magazin an den Start zu gehen – und zwar wöchentlich. Als wäre dieses Vorhaben nicht sportlich genug gewesen, fiel der Launch auch noch mitten in die Corona-Pandemie. Doch wie das Redaktionsteam auf Seite 13 der Erstausgabe feststellt: Es geht immer noch ein bisschen schlimmer. Karl Marx schrieb sein Hauptwerk Das Kapital zum Beispiel zeitweise nackt, weil er seine Kleider verpfänden musste. Und wie die Macher der neuen MEEDIA trotz aller Widrigkeiten bemerken: „Wir waren die meiste Zeit immerhin angezogen.“ Wir finden: Das ist der Optimismus, den die Branche braucht!

„Pandemie hin, Shutdown her, das Leben geht weiter“
Doch nochmal von vorne: Wieso ausgerechnet Print? Denn wenn man sich die verkauften Auflagen von Zeitungen und Magazinen in Deutschland ansieht, kennt der Trend nur eine Richtung – und das ist abwärts. Trotzdem, vielleicht sogar gerade deswegen, ist die Antwort auf diese Frage ganz klar: Weil es in einer Branche, die sich mit jedem Tag schneller um die eigene, oftmals digitale Achse dreht, auch noch etwas zum Anfassen braucht. Die thematische und formale Wahl, die die MEEDIA mit ihrem neuen Print-Magazin getroffen hat, ist aus unserer Sicht deshalb mehr als sinnvoll: Innen dynamische Themenschwerpunkte wie Streaming, Podcast, Influencer Marketing und Co. Und von außen die hyggelige Haptik, die zum Verweilen einlädt und mit der man sich am liebsten am Sonntagnachmittag mit einem Kaffee in den Sessel fläzen und der Entschleunigung frönen will.

Wie immer im Leben: Die Mischung macht‘s
Mit einem zugekniffenen Auge erinnert die neue MEEDIA etwas an den Stern, vor allem beim ersten Blick auf das Cover – fehlen nur noch Sudoku und Bilderrätsel. Doch in der Medien- und Kommunikationsbranche verbringt sich dahinter ein Konzept, das es so noch nicht gibt. Vor allem im Vergleich mit Horizont und W&V fällt auf, dass das neue Redaktionsteam rund um das Chefredakteurs-Duo Matthias Oden und Christa Müller eine bewusst andere Strategie verfolgt: Es gibt keine soften Überblicks- oder How to-Beiträge, stattdessen Texte, die in die Tiefe gehen und nicht nur einen Trend, sondern vor allem dessen Auswirkungen behandeln. Auf der einen Seite stehen lange, tiefgreifende Artikel und Interviews zu Marken, Medien und dem wöchentlich wechselnden Dossier. Diesmal mit dabei: Mercedes-Benz-CMO Bettina Fetzer, Medienmanager Fred Kogel und TV-Gesicht Cherno Jobatey, um nur einige wenige zu nennen. Doch das ist nicht alles: Genauso sind im Heft auch immer wieder kürzere Personality-Beiträge wie der „Feierabendmacher“ oder „Mein schlimmster Job“ zu finden. Die tabellarischen Auswertungen zu aktuellen Marktzahlen nehmen für meinen Geschmack etwas viel Platz ein und überfordern auf den ersten Blick sogar mein halbwegs jung gebliebenes Auge. Umso mehr kriegt mich die MEEDIA aber mit ihrem Social Media-kompatiblen snackable Content, über den mal auch dann schnell drüberschmökern kann, wenn es für die Titelstory vielleicht gerade nicht reicht – darunter zum Beispiel Statements zu unserer Welt nach Covid-19 und die thematisch passende Zusammenstellung der schönsten Strand-Webcams.

Unser Fazit: Die erste Ausgabe der neuen MEEDIA ist schön geworden – wirklich! Und vielleicht schleichen sich in das zweite Heft ja ein oder zwei Tippfehler weniger ein. Solange das Redaktionsteam auch bei der Produktion der nächsten Ausgaben seine Kleidung anbehalten darf, verzeihen wir das zumindest gerne. Denn: Wir freuen uns, künftig wieder ein Magazin mehr in der Post zu haben und es ist schön zu sehen, dass es immer noch mutige Macher gibt, die in einer Zeit wie dieser das scheinbar Unmöglich wagen!

Woche drei im Remote Work-Modus bricht bei uns an. Und man weiß derzeit nicht so recht, wovon es gerade mehr gibt: Wohlmeinende Experten-Tipps, wie man aus der Ferne miteinander kommuniziert oder digitale Tools, die einem die neue Arbeitswelt erst richtig möglich machen? Die Virtuosität geschwind und mühelos von einem Kanal auf den anderen switchen zu können, etabliert sich gerade als neues Statussymbol der Büromenschen. Asana, Slack, Google Drive, Microsoft Teams, Trello, Zoom – wer hat mehr im Relevant-Set? Aber zugegeben: Ist ja teilweise auch ganz lustig – vor allem unsere Montags-Meeting im Video-Chat.

Interessant ist: Allen Kollegen steht Homeoffice frei, doch nicht alle nutzen es. Zumindest nicht alle ausschließlich. Und auch die, die zuhause arbeiten, haben ihren ganz eigenen Rhythmus. Da lohnt doch glatt der Versuch einer kleinen Typologisierung des coco-Teams. Los geht’s!

 

Die Pendler

Pendler sind pure Pragmatiker. Sie arbeiten dort, wo es gerade am besten passt. Lara zum Beispiel meint: „Meinen Arbeitsort mache ich von den To-Dos abhängig. Wichtig ist, dass die notwendige Technik da ist, um gut arbeiten zu können. Aber an manchen Tagen arbeite ich aus dem Home-Office effektiver, da ich fürs Texten genug Ruhe habe“. So kriegen sie mühelos alles unter einen Hut und halten die perfekte Office- & Homeoffice-Balance. Der persönlich-direkte Austausch mit den Kollegen ist gegeben, an anderen Tagen wiederum können sie flexibel auch mal auf die Schnelle andere Dinge erledigen – vor allem, weil dann ja auch die Anfahrt in die Agentur entfällt.

Weißer Bildschirm vor weißer Wand: Wenn Noelle textet, dann geht es immer kreativ zu

 

Die Traditionalisten

Die Traditionalisten wirken auf den ersten Blick so, als hätten sie sich möglicherweise zu lange in ihrem Leben mit der japanischen Bürokultur beschäftigt. Anwesenheit ist Pflicht. Und so schleppen sie sich auch in Zeiten höchster gesundheitlicher Gefährdung Tag für Tag in die Agentur. Ein Irrsinn? Nicht ganz. Es gibt auch gute Gründe – und nicht nur, weil überall die Büros leergefegt und damit wahrscheinlich die sichersten Orte im ganzen Lande sind. Die klare Trennung von Beruf und Privat hat klare Vorteile, wie etwa Tea meint: „Auf dem Weg zur Arbeit kann ich mich gedanklich schon auf die To-Dos des Tages einstellen, umgekehrt auf dem Heimweg bewusst abschalten. Beruf und Privates vor allem räumlich zu trennen, ist für mich Voraussetzung. Es spricht aber nichts dagegen, ab und an mal ins Home-Office zu wechseln“. Was Traditionalisten nur ungern zugeben: Hin und wieder würden sie sich auch gern mal auf dem Sofa lümmelnd einen Text – zum Beispiel diesen hier – verfassen oder das Kundenmeeting via Zoom in Jogginghose abhalten.

Wie verbindet man Yoga mit der Arbeit im Home Office? Alex gibt uns ein kleines Beispiel mit dem einseitigen Oberschenkelstrecker

Die Zukunftsbewältiger

Der israelische Historiker und Bestsellerautor Yuval Noah Harari hätte seine helle Freude an ihnen, sie liefern garantiert Stoff für einen mindestens 2.000 Seiten dicken Schmöker: die Zukunftsbewältiger. Der Beweis, dass sich die Menschheit im Jahre 2020 gerade einen entscheidenden Schritt weiterentwickelt. Sie heben die Grenzen zwischen Job und Privatleben komplett aus den Angeln, schreiben und konferieren, wo andere sich Kaffee und Kuchen munden lassen, ihr Mittagsschläfchen halten oder die Meerschweinchen füttern. Zwischen zwei Texten noch die eine Ladung Wäsche in den Trockner, Hanteltraining inmitten des Kundencalls oder Newsletter lesen während der buddhistischen Atemübungen? Überhaupt kein Problem. Nur eines hat die menschliche Evolution noch nicht überwunden. Alex weist darauf hin: „Mir fehlt manchmal der Kaffeeklatsch und die Gespräche beim Mittagessen – der Kontakt über Slack oder Videokonferenzen ist einfach nicht das gleiche“ Na, warten wir auf das Jahr 2021…

Volle Konzentration und absoluter Flow: Juan hat gerade zu Hause Urlaub gemacht und freut sich jetzt wieder auf die Arbeit

Die Disziplinierten

Mit geradezu protestantischem Arbeitsethos starten sie in den Tag: Da der Arbeitsweg wegfällt, nutzen sie die Zeit mit Sport. Trotz lässigem Home-Office-Outfit werden anschließend sogleich die Mails gecheckt, Newsletter gelesen, und dann geht’s auch schon los mit den To Dos des Tages. Alles, was Ablenkung verursachen könnte, blendet der disziplinierte Home-Office-Worker konsequent aus und fokussiert sich auf die wesentlichen Tasks bis zum Mittagessen. Hier beginnt die Zeit des Socializing: frisch kochen und mit den besten Freunden telefonieren oder mit ihnen direkt zum Essen verabreden. So deckt der Home-Officler seinen Bedarf an menschlichem Kontakt. Da man ja alleine vor sich hinwerkelt, gelingt die Textproduktion häufig deutlich schneller, als wenn Kollegen kurz mal unterbrechen. Juan bilanziert: „Home-Office ist super praktisch und gerade in der aktuellen Situation eine große Erleichterung. Allerdings können die eigenen vier Wände und der fehlende persönliche Kontakt zum Team auf Dauer doch herausfordernd werden“.

In der Mittagspause schnell ein paar Wiesenblumen pflücken und dann als Motivation neben das Laptop gestellt. Gut, dass Steffi nicht allzu weit zur nächsten Wiese hat.

Bleiben wir lieber beim Vornamen, mein Nachname ist für viele unaussprechlich (Ich habe schon alles gehört von „Rosiwski“ bis „Rotzikotzi“). Wen es interessiert: Das „sz“ einfach wie ein „sch“ aussprechen, alle anderen Buchstaben ganz normal.

In Niederbayern geboren und aufgewachsen, hat es mich für mein Studium in die schöne Stadt Regensburg verschlagen. Nicht immer habe ich die Oberpfälzer verstanden (warum sagt man auch „ölf“ statt „elf“?!), doch die mittelalterliche Altstadt mit ihren kleinen süßen Gassen hat mich schnell überzeugt. Endlich war ich in einer „Großstadt“ – zumindest im Vergleich zu meiner Heimat Straubing mit ca. 45 Tausend Einwohnern. Ich machte meinen Master in Design- und Architekturgeschichte sowie diverse Praktika im Museum und in Galerien in Regensburg und Umgebung.

Dann zog es mich nach München, endlich eine „richtige“ Großstadt. Dort blieb ich erstmal ein halbes Jahr und arbeitete in der Kunstsammlung der HypoVereinsbank. Ich bekam einen Eindruck, was es bedeutet, Kunst zu vermitteln, zu erklären, zu kommunizieren. Und den letzten Punkt fand ich am spannendsten: Wie bringe ich ein Produkt oder ein Thema an den Mann oder die Frau? In meinem Nebenfach Medienwissenschaft lernte ich das nötige Know-how und dann war klar: Ich muss „was mit Medien machen“. Gesagt getan, ich absolvierte ein PR-Praktikum beim Condé Nast Verlag (wieder in München) und wusste: Das ist mein Beruf – und meine Stadt! Wieso? Weil es einfach Spaß macht, sich zu überlegen, welche Themen relevant sind und wie man sie am besten rüberbringt. München aufgrund des großen kulturellen Angebots, der Nähe zur Natur – und der Surfer. In einem Urlaub auf Lanzarote lernte ich meine Liebe zum Surfen kennen und bin seitdem begeistert von diesem Sport. München liegt zwar nicht am Meer, doch die Eisbach-Surfer sind ein kleiner Trost. Noch bin ich nicht gut genug, um am Eisbach selbst auf dem Surfbrett zu stehen, doch ich trainiere fleißig. 🙂

Nach drei Jahren in der Unternehmenskommunikation bei HSE24 bin ich jetzt seit Dezember 2019 PR-Managerin bei den cocos. Nun das Ganze also auf Agenturseite. Der größte Unterschied: Die Vielfältigkeit der Themen durch die verschiedenen Kunden, die Nähe zu den Journalisten – und das Fehlen einer Kantine. Doch wo könnte man die besser ersetzen als in Schwabing.