Wie sieht der Journalismus von morgen aus? Was müssen Journalisten heute schon können? Und wie werden sie sich künftig finanzieren? Es passiert gerade ziemlich viel in der Medienwelt. Welche Richtung dies nimmt, weiß keiner so genau. Und trotzdem: Junge, talentierte Schreiber zieht es weiterhin in den Journalismus. Wir stellen sie  in unserer Reihe Junge Journalisten vor:  Redakteure, Reporter, Blogger und Publizisten unter 33, die sich mit der Online-Branche beschäftigen. Heute mit Nadine Wenzlick, die als freie Autorin mit den Schwerpunkten Kultur und Unterhaltung tätig ist.

Sie volontierte beim WOM Magazin, damals Deutschlands meistgelesenes Musikmagazin. Seit 2007 ist sie als freie Autorin tätig und schreibt u.a. für Musikmagazine wie Visions, verschiedene Tageszeitungen wie Die Welt und das Hamburger Abendblatt, für NTV.de und für Werben&Verkaufen.

Nadine Wenzlick

Nadine Wenzlick

1. Seit wann steht für Dich der Berufswunsch Journalist fest? Was gab den Ausschlag?

Ich hatte tatsächlich schon immer Spaß am Schreiben: Schon als Teenager habe ich selbst kopierte Schülerzeitungen verteilt. Da ich außerdem eine große Leidenschaft für Musik habe, fing ich nach der Schule ein Praktikum bei einer Musikzeitschrift an. Eigentlich sollte das nur eine kurze Auszeit vor dem Studium sein. Die Arbeit hat mir allerdings so viel Spaß gemacht, dass ich mit dem Schreiben seitdem nicht mehr aufgehört habe.

2. Ist Dein Arbeitsalltag wie Du ihn Dir vorgestellt hattest, oder gab es im positiven wie negativen Sinne Überraschungen?

Seit Anfang 2007 bin ich Freiberuflerin – einen klassischen „Arbeitsalltag“ habe ich nicht. Insofern ist jeder Tag eine Überraschung. Meine Aufträge sind wahnsinnig abwechslungsreich, vom Lenny-Kravitz-Interview über das Haribo-Unternehmensportrait bis zur die Reisereportage über die Malediven. Natürlich bringt die Selbstständigkeit auch Risiken mit sich. Ich habe über die Jahre etliche Publikationen verschwinden sehen und dadurch auch böse Überraschungen erlebt. Aber wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich meist eine neue. Plötzlich kommt über zig Ecken ein Auftrag, mit dem man nie gerechnet hätte. Davon abgesehen genieße ich die Freiheit, die meine selbstständige Tätigkeit mit sich bringt.

3. Was war Dein skurrilstes Erlebnis bisher in Deiner Berufslaufbahn?

Ich war im Urlaub in Neuseeland als ich plötzlich einen Anruf bekam: Die neuseeländische Dependance der Plattenfirma Universal brauchte jemanden, um der Band Rammstein bei einem Interview als Übersetzer zur Seite zu stehen. Ohne groß nachzudenken, sagte ich zu. Was ich nicht wusste: Das Interview war für eine australische TV-Show. Als es schließlich stattfand, musste ich auf der Interviewcouch neben Gitarrist Paul Landers Platz nehmen. So war ich also plötzlich im australischen Fernsehen. Meine 15 Minuten Ruhm…

4. Inwieweit nutzt Du das Social Web für Themen-Recherche und -Inspiration?

Soziale Netzwerke sind auf jeden Fall ein gutes Hilfsmittel, um auf ungewöhnliche und spannende Themen zu stoßen, deshalb lasse ich mich dort gerne inspirieren. Auch bei der Interview-Recherche sind sie für mich eine wichtige Quelle.

5. Blogger werfen (bewusst) viele der althergebrachten Regeln über den Haufen. Sie schreiben viel subjektiver, kommentierender. Wie wird das den klassischen Fachjournalismus Deiner Meinung nach verändern?

Blogs sind meiner Meinung nach eine tolle Ergänzung zu klassischem Journalismus. Aber auch klassischen Fachjournalismus muss es geben – weil die immer größer werdende Flut an Informationen und Nachrichten den Bedarf an objektiver Einordnung, Sortierung und Bewertung erhöht.

6. Ein Artikel über Dich: Welche Überschrift müsste der haben?

Mit „Nadine Wenzlick bringt neues Musikmagazin auf den Markt“ könnte ich ganz gut leben.

7. Was ist Dein Trick, um ruhig Blut vor dem Redaktionsschluss zu bewahren?

Da braucht es keinen Trick. Je näher der Redaktionsschluss rückt, desto schneller und effektiver arbeite ich. Bisher ist immer alles rechtzeitig fertig geworden.

8. Wie schaltest Du vom Job ab, oder denkst Du rund um die Uhr an die Headline von morgen?

Die Grenzen zwischen Privatleben und Job sind bei mir oft fließend und ich springe auch nach Feierabend oder im Urlaub sofort an, wenn ich irgendwo eine tolle Geschichte entdecke. Ich finde das aber nicht schlimm. Ich bin generell ein neugieriger Mensch, habe immer tausend Fragen im Kopf.

9. Wenn wir hier mal den besten Fachartikel küren würden: Welchen Deiner Berichte würdest Du einreichen? Und warum?

Zählt ein Artikel über die Full Metal Cruise als Fachartikel? Dann vielleicht der. Im Ernst: Die meisten meiner Artikel stammen aus dem Bereich Unterhaltung, viele davon sind Interviews. Aber wenn das jemand küren möchte, nur zu!

10. Kein Mensch ist perfekt. Welchen Ratschlag wolltest Du Deinem Chefredakteur immer schon mal geben?

Ich bin ja zum Glück mein eigener Chef…

11. Was machst Du in fünf Jahren?

Hoffentlich immer noch spannende Geschichten aufschreiben!

 

Jeder will so relaxed wie Richard Branson, so smart wie Dietrich Mateschitz und so abgebrüht wie Bernie Ecclestone rüberkommen. Klappt selten – und wird oft zum Bumerang

CEO Spreadshirt Phil Rooke Welt am Sonntag

Nicht jeder CEO ist so cool wie Phil Rooke (CEO Spreadshirt) und lässt sich in seinem Schrebergarten ablichten

Früher war alles besser. Die Erde war eine Scheibe, und wir drehten uns nicht um uns selbst. Richtig schwindelig wurde einem erst  nach der Jahrtausendwende. Wer auch immer hatte in die Welt gesetzt, Menschen seien Marken.  Ein ganz schöner Quatsch, doch wer wollte das schon hören? Auf einmal begannen alle rasend schnell um die eigene Achse zu rotieren und an ihrem Selbstbild zu feilen. Nicht mehr nur Promis, sondern auch Politiker, Manager und Journalisten. Alles  in der Hoffnung so scharf konturiert wahrgenommen zu werden wie das Kinn von Dieter Bohlen.  Plötzlich ritten Agenturchefs auf dem Schimmel im silbernen Anzug und freiem Oberkörper zur eigenen Weihnachtsfeier, ließen sich Verteidigungs­minister von der Presse planschend im Pool mit der Geliebten ablichten, und Vorstandschefs posierten auf ihren Luxusyachten.

Die Zeiten von Protz sind vorbei. Distinguiertheit kommt heute subtiler daher. Doch spürbar bleibt sie. Unter Kommunikationsgesichtspunkten eigentlich schade, denn wer in seiner Außendarstellung Wert darauf legt, sich mit seiner Lebenswelt abzugrenzen,  verprellt schnell  seine Zielgruppe. Erst recht, wenn sich die Inszenierung in Stereotypen erschöpft. Man braucht am Wochenende nur den Wirtschaftsteil der Welt am Sonntag aufzuschlagen, Rubrik „Feierabend“. Eigentlich gibt’s dann doch nur drei Typen an der Spitze der Unternehmen: die fitnessverrückten Marathonläufer und Rennrad-Enthusiasten („Beim Sport kommen mir die besten Ideen“), die geselligen Ich-koch-gern-am-Wochenende-für alle-Entscheider (meist kombiniert mit dem morgendlichen Marktbesuch und dem Kauf garantiert regionaler Produkte) und den total unkonventionellen Lonely Cowboy (üblicherweise Harley-Fahrer).  Das ist auf Dauer etwas ermüdend, weil so recht kaum einer die Traute hat, aus diesem ebenso politisch- korrekten wie elitären Rahmen auszubrechen. Und wenn, dann gleich wieder eine Spur zu extravagant. Wie neulich bei dem CEO, der sich als Sternegucker outete. Aber warum muss das japanische Teleskop dann gleich den Gegenwert eines Kleinwagens haben? Man fragt sich unwillkürlich, ob es nicht für viele Mitarbeiter, Zulieferer und Endkunden  vielleicht identifikationsstiftender wäre, zu sehen, wie der Chef die Modelleisenbahn im Keller aufbaut satt in der Design-Küche, auf dem Edelbike oder vor dem neuesten sündhaft teuren Technik-Gadget zu posieren.

Das zehnjährige Jubiläum eines Magazins, das extra für Eitle und Schadenfreudige gegründet wurde, zeigt, dass auch in der Medienbranche ein gewisser Hang zur  Sebstinszenierung nicht ganz von der Hand zu weisen ist.  Manchmal erscheint der Ehrgeiz dabei so groß, dass sich der Wunsch nach der richtigen medialen Außendarstellung glatt vom beruflichen Profil entkoppelt. Da werden PR-Etats bereit gestellt, nur um eine Liasion mit einem ehemaligen Spiegel-Top-Manager unter der Decke zu halten, da werden Presseaktionen für die privaten Buch- und Band-Aktivitäten des Senderchefs initiiert und da lassen sich Medien-Manager von Fotografen mit Adelstiteln fotografieren als seien sie der direkte Nachkomme Napoleons. Doch wenn schon die Medientage München nicht mehr im Justizpalast feiern, dann kann die Devise auch hier nur lauten: künftig gern etwas bescheidener und geerdeter.

 

Der Text erschien zuerst in der Jubiläumsausgabe des Clap Magazins.

Na, schon alle Geschenke beisammen? Nein? Merken Sie schon, wie Ihnen der Weihnachtsstress in Hände und Füße kriecht und langsam beginnt zu kribbeln? Bald wird er sich wie eine fiebrige Grippe im ganzen Körper ausbreiten und auch Ihre Mitmenschen anstecken. Doch keine Panik, die großen Handelsketten haben da eine Lösung für Sie!

In ihren Werbespots, die teilweise nur online zu sehen sind, wollen sie uns erklären, dass es bei Weihnachten eben nicht um schnöden Konsum, sondern tatsächlich um Nächstenliebe, Familie und Geborgenheit geht. Angefangen mit dem „Heimkommen“-Spot von Edeka im letzten Jahr, springen in der Vorweihnachtszeit 2016 neben den internationalen Handelsketten nun auch viele deutsche Unternehmen auf den Trend auf und präsentieren stolz ihre Weihnachts-Virals mit großer Botschaft. Dabei haben sich gleich drei Produktionen – von Otto, Edeka und der britischen Supermarktkette Sainsburys – das Motto „Zeit schenken“ auf die Fahne geschrieben.

Die Botschaft mag etwas scheinheilig wirken, schließlich soll durch die Spots der Konsum angeregt werden. Würden sich die Konsumenten an den Rat halten und auf jegliche Geschenke verzichten, würde sicherlich unter vielen deutschen Weihnachtsbäumen Entsetzen herrschen und die ein oder andere Träne rollen. Einzige Lösung: Der Durchschnittsverbraucher soll schicke Geschenke besorgen UND Zeit schenken. Resultat: Noch mehr Weihnachtsstress.

Wir empfehlen: Schenken Sie sich selbst ein paar Minuten Ihrer Zeit, atmen Sie durch, lehnen Sie sich zurück und schauen Sie sich die von uns ausgewählten 5 besten Weihnachts-Virals an. Danach fühlen Sie sich schon richtig weihnachtlich und stürzen sich mit neuem Elan in überfüllte Innenstädte und lassen sich von den Chatbots der Online-Shops beraten. Besinnliche Vorweihnachtszeit!

Unsere Top 5 Weihnachts-Virals

Platz 5 – Otto: Schenke das Wertvollste, das Du hast. Zeit.

Der „Zeit schenken“-Spot von Otto landet bei uns auf dem fünften Platz. Ganz ohne kitschige Weihnachtsmusik, sondern mit einer ruhigen Chor-Version von Cyndi Laupers „Time after Time“ punktet der animierte Spot auch vor allem mit der Kampagnen-Microsite, die einem tatsächlich Tipps für Zeit-Geschenke für Familie, Freunde und Kollegen gibt, ohne auf Produktseiten zu verlinken.

 

Platz 4 – Bahlsen: Das ist Weihnachten

Was genau ist denn jetzt eigentlich Weihnachten? Geschenke? Plätzchen? Kitschige Dekoration im ganzen Haus? Klar, die Kekse sind wichtig, aber laut Bahlsen ist das wichtigste an Weihnachten viel einfacher. Sehen Sie selbst.

 

Platz 3 – H&M: Come Together – directed by Wes Anderson starring Adrien Brody

Kult-Regisseur Wes Anderson und Oscar-Preisträger Adrien Brody drehen gemeinsam einen Film. Soweit nichts Neues. Der Clou an der Sache: Es handelt sich um einen Werbefilm für die schwedische Modemarke H&M, die ihre aktuelle Weihnachtskollektion beinah unmerklich in das schräge Setting des liebevoll gestalteten Films einbindet. Wir finden: Zwar nicht Oscar-reif, aber dennoch eine gelungene Vorstellung!

 

Platz 2 – Marks & Spencer: Christmas with love from Mrs Claus

Kommen wir nun zu den Ursprüngen der großen Weihnachtsspots, die in Großbritannien liegen. Die Einzelhandelskette Marks & Spencer schickt ausnahmsweise mal nicht Santa Claus, sondern seine charmante Ehefrau Mrs Claus auf weihnachtliche Mission. Spot an für die wahre Weihnachts-Heldin!

 

Platz 1 – John Lewis: Buster The Boxer

Der erste Platz geht – Überraschung! –an die Meister der Weihnachtswerbung! Bereits seit 2007 bringt das britische Kaufhaus John Lewis jedes Jahr einen aufwändig produzierten TV-Spot mit oftmals tierischen Hauptdarstellern heraus. Dieses Jahr dürfen wir dabei zuschauen, wie der Boxer Buster ganz unfreiwillig von Frauchen und Herrchen einen Herzenswunsch erfüllt bekommt.

 

Nicht nur Caroline war vor kurzem bei der Hilsforganisation humedica zur Hospitation, auch Esther verschlug es ins wilde Allgäu. Mittlerweile schon zum zweiten Mal. Im Juli hatte sie dort schon das Zusatztraining für Medienkoordinatoren absolviert, jetzt stand der wichtigste Punkt auf dem Programm: Das eigentliche Einsatztraining für einen möglichen Auslandseinsatz mit humedica. Innerhalb einer Woche wurde hier der Ernstfall im Katastrophengebiet simuliert. Ich habe sie in einem kurzen Interview zu ihren Erlebnissen in Kaufbeuren befragt:

Alle Teilnehmer des humedica-Einsatztrainings

Alle Teilnehmer des humedica-Einsatztrainings

Vera: Esther, Du hast Dich ja neulich tapfer beim „Test- Auslands-und-Katastropheneinsatz“ von humedica im Allgäu geschlagen. Wie viele Leute haben daran teilgenommen und was war der „Anlass“ für Euren Einsatz?

Esther: Das Einsatztraining ist für alle verpflichtend, die für humedica in einen Auslandseinsatz gehen möchten – sowohl für Koordinatoren als auch für Mediziner. Deshalb waren wir für eine Woche in Kaufbeuren unterwegs, um uns auf den Ernstfall vorzubereiten. Mit mir waren es 23 Teilnehmer, davon 8 angehende Koordinatoren und 15 Mediziner (Ärzte, Krankenschwestern, Krankenpfleger). In der Woche ging es darum, einen Einsatz im Katastrophengebiet zu simulieren und das wichtigste Handwerkszeug (theoretisch und praktisch) für den Ernstfall zu erlernen. Geschlafen haben wir in Zelten –  gar nicht so angenehm, im Allgäu wird es nachts ziemlich zapfig. Gelernt wurde sowohl drinnen als auch draußen.

Vera: Welche Aufgaben lagen in Deiner Verantwortung?

Esther: Ich gehörte zu den acht angehenden Koordinatoren. Zu Anfang der Woche wurden wir in Teams aufgeteilt, bestehend aus einem Haupt- und einem Zweitkoordinator, Arzt/Ärztin und zwei Krankenpfleger/-schwestern. Für den Anfang des Trainings war ich Hauptkoordinatorin in meinem Team, Mitte der Woche haben dann Haupt- und Zweitkoordinator die Rollen getauscht.

Wir wurden in der Trainingswoche ja auf den Ernstfall, einen Katastropheneinsatz vorbereitet, deshalb standen alle Aufgaben auf dem Programm, die wir auch in einem echten Einsatz haben werden. Und das sind ziemlich viele: Erst einmal sind Koordinatoren die Teamleiter und sorgen dafür, dass das Team gut (zusammen) arbeitet/arbeiten kann. Konkret heißt das zum Beispiel, wir tun alles dafür, dass die Mediziner ihre Arbeit machen können. Wir sind für die Ausstattung zuständig (müssen zum Beispiel die Medikamente und Ausrüstung durch den Zoll bringen), für die Verpflegung des Teams und deren Sicherheit. Zum anderen ist die Koordination mit anderen Hilfsorganisationen, lokalen Partnern und der lokalen Regierung in Katastropheneinsätzen extrem wichtig. Also sitzen wir Koordinatoren für humedica auch in den Koordinationsmeetings mit anderen Hilfsorganisationen. Dann steht noch das zusätzliche Drumherum auf dem Plan: Wir verwalten das Geld, führen Buch und schreiben jeden Abend Berichte über den Einsatz, die dann an die humedica-Zentrale gehen – auch für die Website und Pressemitteilungen. Medienkoordinatoren sind dann zusätzlich noch für die Pressearbeit zuständig (das könnt ihr in meinem alten Blogpost nachlesen). Ganz schön viel, auf das es heißt gut vorbereitet zu sein.

Unser "Compound"

Unser „Compound“ – rechts unsere Zelte und die Primary Health Care (PHC)-Station

 

Vera: Jetzt mal Hand aufs Herz – ist man sich nicht die ganze im Klaren darüber, dass alles nur eine Simulation ist, oder vergisst man tatsächlich komplett, dass es sich nur um ein gestelltes Szenario handelt?

Esther: Naja, wir waren ja nicht die ganze Zeit „im Einsatz“, sondern es gab ja auch viel Theorie-Input. Da ist einem natürlich schon klar, dass wir jetzt nicht irgendwo in einem Katastrophengebiet sitzen, sondern im Gemeindesaal. Bei den praktischen Übungen  – zum Beispiel zum Aufbau einer medizinischen Hilfsstation – verschwimmt die Grenze allerdings ganz schön schnell. Da steht man dann plötzlich irgendwo im Wald und bekommt ganz schön Angst, obwohl einem im Hinterkopf eigentlich schon immer bewusst ist, dass man sich im Allgäu befindet.

Mit meinem Evakuierungsrucksack war ich aber am Ende der Woche wie verwachsen. Den mussten wir nämlich immer dabei haben – falls wir eben im Szenario evakuiert werden müssten. Als ich am Wochenende wieder zu Hause war hab ich mich immer nach dem Rucksack umgeschaut – das war einfach selbstverständlich geworden. Mehr will ich darüber aber jetzt gar nicht verraten, denn das Einsatztraining lebt schon auch davon, dass man nicht weiß, was genau auf einen zukommt.

Vera: Wie hast Du Dich während des Einsatzes gefühlt? Gab es Situationen, in denen Du überfordert warst?

Esther: Das Einsatztraining ist ja dafür da, uns auf einen echten Einsatz vorzubereiten. Und um abzuklopfen, ob wir dafür überhaupt geeignet sind (physisch und psychisch). Da bleibt es nicht aus, dass man sich auch mal nicht so toll fühlt. Zum Beispiel wirklich anstrengend war der Schlafmangel. Los ging es für die Koordinatoren jeden Morgen mit einer Besprechung um viertel vor sieben, ins Zelt sind wir Koordinatoren meistens erst gegen 23 Uhr oder später gekommen – wir mussten ja Abends noch unsere Berichte schreiben oder einfach auch noch den Tag reflektieren. Und so wirklich geschlafen hat man dann eben auch nicht, dann gehen einem die Ereignisse des Tages nochmal durch den Kopf und man hat natürlich auch die ständige Drohung einer Nachtevakuierung vor Augen, die wir Koordinatoren dann leiten müssten.

Es gab auf jeden Fall Situationen, in die man normalerweise noch nie gekommen ist (und hoffentlich auch nicht kommen wird). Da kommt man dann doch auch an seine Grenzen – und ist im ersten Moment auch ein bisschen überfordert. Aber es gab immer eine Lösung. Außerdem waren wir im EinsatzTRAINING. Da war es okay auch mal Fehler zu machen, denn diese Fehler macht man später nie wieder.

Vera: Kannst Du Dir vorstellen bei einem echten Einsatz dabei zu sein?

Esther: Auf jeden Fall. Und ich freue mich sehr, dass humedica mich dafür angenommen hat! Jetzt heißt es für mich erstmal: Registrieren. Ich habe einige ärztliche Untersuchungen und Impfungen vor mir und ganz schön viel Papierkram zu erledigen. Wenn ich die Unterlagen alle zusammen habe, komme ich in den Freiwilligenpool und könnte jederzeit alarmiert werden – Katastrophen richten sich ja meistens nicht nach vorgegebenen Zeiten ;). Ich kann mir aber auch gut vorstellen, erst einmal auf einen der längerfristig geplanten Einsätze von humedica zu gehen. Wen es interessiert, hier  gibt es die Infos zu den geplanten Einsätzen.

Vera: Was hast Du für Dich persönlich aus dieser Erfahrung mitgenommen?

Esther: Meine Grenzen liegen weiter weg, als ich eigentlich gedacht hätte – ich darf mir also ruhig auch mal mehr zutrauen. Außerdem war die Gruppe einfach super. Ich habe echt tolle Leute kennengelernt, von denen ich auf jeden Fall hoffe, sie nochmal im Einsatz zu sehen (und auch wann anders – wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt) 🙂

 

Für alle, die ganz besonders brav bis zum Ende gelesen haben, gibt es noch ein Schmankerl: klein Esther in voller Einsatztrainings-Montur:

Vollgepackt ging es auf nach Kaufbeueren

Vollgepackt ging es auf nach Kaufbeueren

Wie sieht der Journalismus von morgen aus? Was müssen Journalisten heute schon können? Und wie werden sie sich künftig finanzieren? Es passiert gerade ziemlich viel in der Medienwelt. Welche Richtung dies nimmt, weiß keiner so genau. Und trotzdem: Junge, talentierte Schreiber zieht es weiterhin in den Journalismus. Wir stellen sie  in unserer Reihe Junge Journalisten vor:  Redakteure, Reporter, Blogger und Publizisten unter 33, die sich mit der Online-Branche beschäftigen. Heute mit Dennis Schöberl, Redakteur bei CHIP.

1. Seit wann steht für Dich der Berufswunsch Journalist fest? Was gab den Ausschlag?

Dennis Schöberl

Dennis Schöberl

Ich bin großer Auto- und Technik-Fan, deshalb stand schon früh für mich fest, dass ich später mal etwas mit Autos oder Unterhaltungselektronik machen möchte. Da ich aber nicht der größte Zahlen-Jongleur bin, hab ich mich nach Abbruch meines Fahrzeugtechnik-Studiums (ich wollte es immerhin mal probieren) voll auf Medien und das Schreiben fokussiert.

2. Ist Dein Arbeitsalltag wie Du ihn Dir vorgestellt hattest, oder gab es im positiven wie negativen Sinne Überraschungen?

Meine Abteilung bei CHIP betreibt reinen Online-Journalismus und fokussiert sich vor allem auf Hardware-Tests und Elektronik-Kaufberatung. Aus diesem Grund lässt sich mein Tagesgeschäft zum Beispiel schwer mit dem Redaktions-Alltag einer Tageszeitung vergleichen. Mit klassischen Textformaten wie einem Feature oder einer Reportage komme ich zum Beispiel so gut wie gar nicht in Berührung – dafür stehen bei mir Live-Videos, News, Testberichte, Tipps und Bestenlisten auf dem Plan. Und die Dynamik eines Online-Mediums ist immens – alles muss viel schneller gehen

3. Was war Dein skurrilstes Erlebnis bisher in Deiner Berufslaufbahn?

Besonders abgefahren war ein Anwaltsschreiben eines Smartphone-Herstellers. Ich hatte ein Handy getestet und es war einfach so schlecht, dass das Gerät in der Bestenliste auf dem vorletzten Platz gelandet ist. Das gefiel dem Hersteller nicht besonders und er stellte in seinem Anwaltsschreiben völlig überzogene Forderungen. Am Ende verlief das ganze natürlich im Sande.

4. Inwieweit nutzt Du das Social Web für Themen-Recherche und -Inspiration?

Das Social Web ist ein obligatorischer Bestandteil meines beruflichen Alltags. Ich benutze Twitter, Facebook und RSS-Feeds nicht nur zur Themenrecherche, wir posten auch selbst auf den entsprechenden Kanälen und treten mit den Usern in Kontakt.

5. Blogger werfen (bewusst) viele der althergebrachten Regeln über den Haufen. Sie schreiben viel subjektiver, kommentierender. Wie wird das den klassischen Fachjournalismus Deiner Meinung nach verändern?

In meiner Branche sind Blogger bereits völlig etabliert. Sie reisen genauso wie wir Journalisten zu den Hersteller-Events und großen Messen, betreiben dort einen immensen Aufwand und fischen sogar die ein oder andere Story aus dem Themen-Pool, die uns größeren Medien durch die Lappen geht. Gerade was Testberichte von HiFi & Co. angeht, setzen die User meiner Meinung nach aber doch gerne noch auf vergleichbare und unabhängige Tests wie CHIP sie betreibt.

6. Ein Artikel über Dich: Welche Überschrift müsste der haben?

Wer würde denn sowas lesen wollen?

7. Was ist Dein Trick, um ruhig Blut vor dem Redaktionsschluss zu bewahren?

In einer Online-Redaktion gibt es täglich Deadlines und Dinge, die fertig werden müssen. Man gewöhnt sich dran. Außerdem habe ich ein gutes Verhältnis zu meiner Chefin – da kann man auch mal ein Thema schieben, wenn es nicht rechtzeitig fertig wird.

8. Wie schaltest Du vom Job ab, oder denkst Du rund um die Uhr an die Headline von morgen?

Da ich meistens mit dem Rad unterwegs bin und nach der Arbeit quer durch die Münchner City muss, sehe ich auf dem Heimweg so viele kuriose Situationen zwischen Autofahrern, Fahrradfahrern oder Fußgängern – da ist die Arbeit oft schnell vergessen. Wenn’s nicht klappt, dann wird gekocht oder die PlayStation angeschaltet.

9. Wenn wir hier mal den besten Fachartikel küren würden: Welchen Deiner Berichte würdest Du einreichen? Und warum?

Ich habe mal einen 13-teiligen Artikel über Roaming-Gebühren in der EU geschrieben. Die Fertigstellung hat eine ganze Woche gedauert. Das gibt’s in (m)einer Online-Redaktion eher selten. Da ich am Ende wirklich mega-stolz war, würde ich diesen Artikel einreichen.

10. Kein Mensch ist perfekt. Welchen Ratschlag wolltest Du Deinem Chefredakteur immer schon mal geben?

Ich würde jedem Chefredakteur allgemein empfehlen, in starken Austausch mit seinen Redakteuren zu treten. Umgekehrt sollten die Redakteure auch durchaus darüber im Bilde sein, wie der Chefredakteur seinen Alltag verbringt und an welchen Projekten er gerade sitzt. Nähe zum Team ist wichtig, denke ich.

11. Was machst Du in fünf Jahren?

Da feiere ich meinen 30. Geburtstag 🙂

Das Banking der Zukunft ist eigentlich keine Bank mehr. Zumindest nicht in dem Sinne, wie wir sie heute verstehen. Sie ist ein Café mit angeschlossenem Finanzvertrieb oder eine Lounge mit Screens, auf denen Aktien oder Versicherungen erklärt, analysiert und verkauft werden können. Sie ist unterteilt in einen öffentlichen Showroom und abgetrennte Bereiche für Kundengespräche, die Privatsphäre benötigen. Und am digitalen POS der Zukunft werden alle Arten von Finanzdienstleistungen verkauft: Anleihen, Aktien, Sparpläne, Immobilienfinanzierungen,Versicherungen uvm. Möglich ist das, weil Experten für die jeweiligen Produkte per Video-Call in die Beratung mit eingebunden werden können. Alle Daten (auch die persönlichen der Kunden) liegen im System vor und können über Touchscreens unterschiedlicher Größe im Rahmen der Beratung herangezogen werden.

Noch sieht die Bankfiliale der Gegenwart natürlich ganz anders aus. Was Serviceplan gemeinsam mit seinen Partner (u.a. Cisco, EY, Vitra, Tangible Display und weshop.one) in seinem als Labor konzipierten Showroom „wefinance“ zeigt, ist aber als Vision beeindruckend. Physische Gegenstände wie z.B. ein adidas Sneaker sind so mit den Screens verknüpft, das haptische Gegenstände automatisiert digitale Information aufrufen (siehe Bild).

Quelle: Serviceplan

Foto: Serviceplan

Besonders beeindruckt hat bei der Live-Demo von wefinance die persönliche Analyse der Kundendaten, die – umgesetzt von Tangible Display – nicht nur Einkommen und Ausgaben en Detail aufschlüsseln, sondern über Grafiken, Chart und andere einfache Visualisierungen am Screen die persönlichen Finanzen anfassbar machen. Das Zuschalten von Experten im Bluescreen-Modus (der/die Experte/in kann vor jedem Hintergrund eingeblendet werden) kennt der ein oder andere Bankkunde in Ansätzen ja bereits von der Videoberatung.

Netter Gag bei Präsentation: Börsenexperte Markus Koch berichtete live von der Wall-Street über die  Auswirkungen der Trumpf-Wahl auf die Aktienmärkte.

Lauschen den Ausführungen von Markus Koch: Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken (re.) und Christian Rößler (Mi.), Managing Partner, weshop.one. Foto: cocodibu

Lauschen den Ausführungen des Börsenexperten Markus Koch: Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken (re.) und Christian Rößler (Mi.), Managing Partner, weshop.one. Foto: cocodibu

In diesen Genuss wird sicher nicht jeder Gast des wefinance-Shops kommen, aber ein Besuch lohnt für Banker, Finanz- und Versicherungsfirmen allemal. Wer vorerst keine Zeit findet, erhält im folgenden Video einen kleinen Rundgang:

unbenanntMit einem wunderschönen Blumenstrauß haben mich die cocos Anfang November herzlichst willkommen geheißen. Bis April darf ich Ihnen über die Schulter schauen, um den wahren PR-Alltag kennen zu lernen. Das Bild vom coolen Hipster unter 30, mit Hornbrille und das iPhone/den Mac immer griffbereit, kann ich nach fast zwei Wochen nur teilweise bestätigen. (Horn-) Brillenträger gibt es tatsächlich reichlich, die Coolness ist mit gutem Humor gepaart, der ein oder andere dürfte die 30 überschritten haben und die Windows-Rechner erfüllen auch ihren Zweck.

Mein Name ist Johanna, ich bin 24 Jahre alt und habe im Sommer meinen Master in „Cultural and Cognitive Linguistics“ abgeschlossen. Davor habe ich Soziologie studiert und während eines einjährigen Auslandsaufenthaltes in Trient meine Liebe für Italien entdeckt. Ein Scheibchen von der italienischen Herzlichkeit und Lebensfreude scheinen sich die cocos abgeschnitten zu haben: Fragen werden immer und mit größter Geduld beantwortet, eine Hand wäscht die andere (und das nicht nur auf der Toilette) und das gemeinsame Mittagessen mit anschließendem Spaziergang sorgt für den kreativen Input. So habe ich mich bereits am zweiten Tag pudelwohl gefühlt.

Was mich zu diesem Praktikum bewegt hat? Der rote Faden in meinem Studium zieht sich durch Kommunikation, Sprache und Vermittlung, was ich zum Glück noch vor Ende meines Studiums bemerkt habe. So schien mir die PR-Branche der richtige Einstieg zu sein. Der „Kein-Plan-für-danach-Blues“ und Gedanken an das Taxifahren als berufliche Möglichkeit nach dem „Orchideenstudium“ sind bisher nicht aufgetreten – und werden bestimmt auch nicht auftreten, da das Team, die thematischen Herausforderungen und die Zusammenarbeit unübertroffen sind. Klingt leicht übertrieben? Nach diversen Praktika und Werkstudententätigkeiten erlaube ich mir, dies so zu behaupten.

In meiner Freizeit backe ich gerne vegane Muffins, male Pferdebilder und Mandalas und wenn dies alles für die Work-Life-Balance nicht hilft, widme ich mich Übungen aus dem Jivamukti-Yoga, die der „Befreiung der Seele“ dienen sollen. 😉 Ich hoffe das Beste!

Mein Lifestyle besteht eher nicht aus exklusiven Reisen ins Takatukaland und Abfotografieren der Mahlzeiten für Instagram, so ritualisiert wie das Beten vor dem Herrn, sondern aus viel Familienzeit, Wandern und Kinobesuchen. Bücher lesen ist ein Muss, Brunchen, Schokolade und Dvořáks 9. Symphonie „Aus der neuen Welt“ sind für mich der Inbegriff von Lebensfreude. Ich bin gespannt, wohin mich die Reise in die neue Welt der cocos noch führt.

Letzte Woche tauschte ich meinen Arbeitsplatz bei cocodibu gegen einen Arbeitsplatz bei humedica in Kaufbeuren im schönen Allgäu: Denn für mich stand im Rahmen meines Volontariats ein Praktikum bei der internationalen Hilfsorganisation an.

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ 🙂

Montagmorgen, 06:00 Uhr – ich kann mich nicht erinnern, wann mein Wecker mich zuletzt so früh aus dem Bett klingelte, denn ein Frühaufsteher bin ich keineswegs. Nach einer entspannten, aber doch längeren Fahrt Richtung Kaufbeuren, erreichte ich die humedica Zentrale im Stadtteil Neugablonz. Nach einer herzlichen Begrüßung durch das Kommunikationsteam Steffen, Lina, Heinke, Cecilia und Bea lernte ich beim ersten Meeting gleich den Geschäftsführer von humedica, Wolfgang Groß, kennen. Wolfgang Groß gründete gemeinsam mit seinem Bruder 1979 die Hilfsorganisation, die seither in über 90 Ländern weltweit medizinische Not- und Katastrophenhilfe leistet sowie mittel- bis langfristige Hilfsprojekte und Entwicklungszusammenarbeit durchführt.

Nach kurzer Besprechung der Woche und Kennenlernrunde durch die humedica Zentrale, textete ich gleich zum Relaunch der Website.  Seit Monaten arbeitet das Team nämlich an einer Überarbeitung der Website und wie es bei Deadlines so ist – die müssen eingehalten werden. Seid gespannt! Auch die restlichen Tage warteten Textverfassungen und -überarbeitungen für Newsletter und Blog auf meinem Schreibtisch – als Kommunikationsexpertin und coco-Volontärin (Danke dafür :)) für mich eine tolle Herausforderung – wenn auch die Thematik eine völlig andere ist als bei coco.

Ein dominierendes  Thema in der Woche bei humedica war  der Hurrikan „Matthew“, der kurz zuvor mit Geschwindigkeiten von über 200 km/h über die Karibik fegte und eine Schneise der Zerstörung hinterließ. Vor allem Haiti traf der Wirbelsturm schwer. Als eine der ersten Hilfsorganisationen reagierte humedica extrem schnell und entsandte ein Erkundungsteam in das bitterarme Land, um den Menschen dort nach der Katastrophe zu helfen. Mittlerweile ist die Unterstützung auf ein zweites Team aus Medizinern, Pflegern und Koordinatoren angewachsen, die vor Ort die medizinische Versorgung der Betroffenen gewährleisten. Aufgrund dieses Ereignisses hatte ich die Möglichkeit einen Einblick in die Kommunikationsarbeit in Katastrophenfällen zu erhalten und zu sehen, wie das Team hinter humedica solch einen Einsatz kommunikativ begleitet.

Ein Packerl für jedes Kind

Die Woche stand außerdem ganz im Zeichen des Projekts „Geschenk mit Herz“. Seit 2003 gibt es die Weihnachtspäckchen-Aktion, die jedes Jahr durch hunderte engagierte Privatpersonen, Unternehmen, Kindergärten und Schulen bayernweit ermöglicht wird und so zehntausenden Kindern eine besondere Weihnachtsüberraschung bringt. Dieses Jahr ist Bad Reichenhall „Weihnachtspäckchen-Stadt“ – am 10. November wird dort die Aktion mit einem bunten Programm begleitet und viele „Geschenke mit Herz“ eingesammelt, die anschließend von Kaufbeuren aus in die Zielländer wie beispielsweise Kosovo, Litauen, Albanien und Ukraine etc. gebracht werden und ein Lächeln auf das Gesicht von in Armut lebenden Kinder zaubern. Auch cocodibu packt dieses Jahr einige Packerl – das Ergebnis zeigen wir euch dann gerne auf Social Media!

Geschenk mit herz

An meinem letzten Tag durfte ich Lina zu ihrem Vortrag „Rolle der Medien“ bei einem von humedica organisierten Einsatztraining für angehende ehrenamtliche Helfer begleiten. Meine Kollegin Esther gehörte zu der Gruppe der mutigen Helfer, die sich tatsächlich sechs Tage unter Einsatzbedingungen eines Katastrophen- oder Auslandseinsatz durch die Woche in Kaufbeuren schlugen – Respekt! Weitere Infos folgen demnächst dazu in einem Beitrag von Esther 🙂

Alles in allem war die Woche eine spannende Erfahrung. Ein super nettes Team, interessante Einblicke in die Kommunikationsarbeit einer humanitären Hilfsorganisation, viele neue Kontakte sowie spannende Einblicke in humanitäre Hilfsprojekte. Der Unterschied in der Kommunikationsarbeit von humedica und cocodibu? Bei einer humanitären Hilfsorganisation ist die Öffentlichkeitsarbeit wesentlich schwerer von anderen Kommunikationsmaßnahmen zu trennen –  da humedica zum Beispiel auf Spenden angewiesen ist, steht Fundraising hier an erster Stelle. Vor allem emotionale, hautnahe Beiträge und Geschichten  vor Ort bei Katastropheneinsätzen und Hilfsprojekten verkörpern das Wesen und die Zielsetzung einer NGO. Dadurch wird per se auch der Kommunikation einer Hilfsorganisation von den Medien ein großes Vertrauen entgegengebracht. In unserer Agentur  versuchen wir den Kunden und sein Produkt durch unsere Kommunikationsarbeit  in den Medien ins Gespräch zu bringen. Mögliche Ziele sind hier die Ansprache neuer Zielgruppen, Aufbau und/oder Veränderung des Images sowie das Erschließen weiterer Märkte. Hier funktioniert die Kommunikation vor allem durch sachliche und meist nüchterne Inhalte, die gerne mit Zahlen belegt werden sollen.

Danke humedica für die spannende Zeit!

Mal angenommen, Sie wären Chef eines traditionsreichen Fahrradverleihs in einer europäischen Metropole und all ihre Räder wären in einer Farbe lackiert, sagen wir mal gelb, und überall in der Stadt gut sichtbar. Dummerweise kopiert mit der Zeit die Konkurrenz die Idee, so dass neben gelben auch grüne, rote oder blaue Räder durch die City fahren. Was nun, um sich von der Konkurrenz zu differenzieren?

 

Das Amsterdamer Kreativteam Wilmar Versprille und Matthijs Groos fand für den lokalen Fahrradverleih yellowbike eine witzige Lösung: Yellowbackie, den gelben Fahrradträger, der Touristen der Stadt zum Mitfahren einlädt. Jeder Amsterdamer, der Fahrrad-Taxi für Touris spielen möchte, um ihnen seine Stadt persönlich zu zeigen, bekommt umsonst einen gelb lackierten Radlträger, auf dem er Beifahrer mitnehmen kann. Die Aktion erzielte ein Riesen-Medienecho. Ich finde: Clevere PR und eine sympathische Idee für eine Fahrrad-Metropole wie Amsterdam, um international Gastfreundschaft auszustrahlen. In Deutschland wäre die Idee, so meine Vermutung, nach einer Minute Diskussion mit der Rechtsabteilung gescheitert und eine Diskussion über die Fahrerhaftung und das Maximalgewicht des Beifahrers entstanden.

Nach ihrer gelungenen Premiere im vergangenen Jahr schaffte es die ubx, die von der Münchner Agentur Virtual Identity organisierte Konferenz für useful brand experience, auch in diesem Jahr neben Yellowbackie mit vielen plastischen Beispielen zu zeigen, dass Marken Kommunikation auch anders interpretieren können. Aber sie zeigte auch, dass der Anspruch, Marken sollen die Welt dauerhaft zum Besseren verändern, für die allerwenigsten Brands einlösbar sein wird.

Besonders deutlich wurde das einem Beispiel: Für die Einführung des neuen 7ers, des Flaggschiffs von BMW, wählte die österreichische Agentur Demner Merlicek und Bergmann ein Feature des neuen Wagens für die Kommunikation aus: Night Vision, ein System, das Fahrer vor unbeleuchteten Fußgängern und größeren Tieren warnt. Dabei nimmt eine Infrarotkamera den Bereich vor dem Fahrzeug auf, erkennt Menschen und größere Tiere und markiert diese im Wärmebild dementsprechend in einem helleren (Personen) und einem dunkleren (größere Tiere) Gelb. An Straßenpassagen in Österreich, die besonders von Unfällen durch Wildwechsel betroffen waren, wurden digitale Plakate montiert, die für Fahrer aller Marken das Bild zeigten, dass der 7er Fahrer mit Night Vision sehen würde – also auch die Tiere im angrenzenden Wald. Die Folge: Nach Angaben von BMW ereigneten sich im Aktionszeitraum auf den Strecken mit Billboards keine Unfälle.

 

Eigentlich ein schöner Erfolg. Dumm nur, dass BMW die Billboards am Ende der Cannes-prämierten Kampagne (ein silberner Löwe) wieder abmontieren ließ. „Das Mediabudget war ausgeschöpft“, begründete BMW-Marketer Michael Bachmaier auf der ubx. Finanziell durchaus verständlich, aber vielleicht hätten sich ja auch Co-Sponsoren gefunden, die diese Maßnahme zur Verkehrssicherheit dauerhaft mitgetragen hätten. Bei etlichen ubx-Besuchern hinterließ das Entfernen der digitalen Plakate einen schalen Nachgeschmack. Wie glaubwürdig sind Marken, die sich nur innerhalb des eines Kampagnen-Zeitraums nützlich machen? Konterkariert das nicht den eigentlichen Zweck der Aktion? Oder ist es im Gegenteil aus Markensicht sogar gewollt, dass nur 7er-bzw. BMW-Fahrer das Feature einsetzen können? Und ein bißchen arg idealistisch, von Marken und Wirtschaftsunternehmen zu verlangen, dass sie sich altruistisch engagieren?

Useful Brand Experience, das zeigt die ubx16 deutlich, steht immer unter dem Finanzierungsvorbehalt. Nur Marken, die dauerhaft Geld verdienen, können sich nachhaltig nützlich machen. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung von immer mehr Menschen in einer weitgehend satten Konsumgesellschaft an Marken: Sie sollen etwas bieten, was über den reinen Produktnutzen hinausgeht. Es liegt an den Produkt- und Markenverantwortlichen sowie den Kreativen, diesen Widerspruch dauerhaft auf- und einzulösen. Der Weg dahin ist eigentlich ganz einfach: „Sei interessiert, sei interessant!“, forderte ubx-Keynote-Speaker Gunter Dueck von den Teilnehmern. Die ubx selbst hat diesen Anspruch als Konferenz für nützliche Werbung jedenfalls auch in ihrem zweiten Jahr eingelöst.

Quelle: Check24

Quelle: Check24

 

Befragt man Google nach einer Definition für den Begriff Werbung, dann findet der Suchende folgendes vor: Als Werbung wird die Verbreitung von Informationen in der Öffentlichkeit […], zwecks Bekanntmachung, Verkaufsförderung oder Image¬pflege von meist gewinnorientierten Unternehmen […] verstanden. Durch die kaufmännisch-enzyklopädische Brille betrachtet, wurde hier sicherlich der Nagel auf den Kopf getroffen. Ersetze ich sie aber wieder durch mein schwarzes, nerdiges Modell, dann greift die Definition schlichtweg zu kurz. Denn: Die Bedeutung von Werbung geht noch weit über den betriebswirtschaftlichen Aspekt hinaus. Sie ist immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Und obliegt damit – wie alle anderen gesellschaftlichen Strukturen – einer gewissen Dynamik.

Ausschlaggebend für diesen Beitrag war für mich die aktuelle Werbung des Vergleichsportals Check24. Statt auf den hysterisch singenden Paul in schrillen Badeklamotten setzt das Unternehmen fortan auf „2 unvergleichliche Familien“. Mit den Bergmanns und den Krugers flimmern seit September zwei skurrile, aber dennoch irgendwie normale Familien über unsere Mattscheibe. Skurril, weil sie mit ihrer Familienstruktur, ihrer Redensart und ihren alltäglichen Problemen zwischen den klassischen Familienbildern im deutschen Werbefernsehen herausstechen. Irgendwie normal – ja, weil sie eben genau das tun. Das war nämlich nicht immer so – wie eine kleine Zeitreise durch das Familienbild der deutschen Werbung zeigt:

Die 80er und 90er: Mutti weiß, was gut ist

1988 zeigt uns Hohes C eine bieder gekleidete Mutter mit Pagenschnitt, die – während undefinierbare Dudel-Musik im Hintergrund läuft – den Tisch für ihre Kinder eindeckt. Anstatt eines großen Festmahls erwartet die Sprösslinge aber nur ein Glas Hohes C, um sie mit den wertvollen Kräften des Fruchtfleischs zu versorgen. Viel mehr passiert hier auch die nächsten Jahre nicht: Auch in den 90ern folgt die tägliche Dosis Vitamin-C immer noch auf eine kleine, ausgelassene Spielrunde des Kindes – ausgehändigt durch die fürsorgliche Mutter. Eine ähnliche Rolle nimmt auch die Mutter im Fruchtzwerge-Spot von Danone ein. Die Eltern (er: stilecht in Hemd und Pullunder) sitzen schach-spielend am Esstisch. Das Kind kommt aus dem Off und freut sich über einen Fruchtzwerg von der Mutter. Ein Fruchtzwerg soll es sein – eben wie ein kleines Steak (Ein kleines Steak? Oh man! Was war da damals los?). Immer noch in der Beraterfunktion, aber immerhin raus aus den eigenen vier Wänden trauen sich die Damen aus der Milchschnitten- und Quenchwerbung (für alle U30: Quench ist ein Erfrischungsgetränk). Es kommt zu einem Treffen unter Nachbarinnen im Vorgarten. Gesprochen wird – wie soll es auch anders sein – über gesunde Snacks für die Kleinen.

Auf die Klischee-Spitze treibt es allerdings die Nutella-Werbung. Nicht, weil hier derselbe Panflöten-Spieler zu hören ist, wie in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, sondern weil Mutter und Tochter den unwissenden Vater über die elementaren Unterschiede zwischen normalem Schokoaufstrich und Nutella aufklären. Er, der Bürohengst schlechthin, griff beim Wocheneinkauf natürlich zur falschen Schokocreme (Experten wissen: Anfängerfehler!). Aber damit nicht genug: Nutella treibt die Klischees mit dem Schlusssatz auf die Spitze: „Mütter wissen: Nur wo Nutella drauf steht, ist auch wirklich Nutella drin“. Danke dafür, Nutella! Mein Fazit also aus den vergangenen Jahrzehnten: Mutti weiß, was gut ist. In ihrem natürlichen Lebensraum – dem Zuhause (inklusive Vorgarten) – brilliert sie als Haushalts-Hacker und Vorsorgekünstler in Personal-Union, und ist – ganz wichtig – immer völlig souverän. Damit nimmt die Mutti der 80er und 90er Jahre – von mir liebevoll Hilde getauft – eine ganz besondere Rolle ein: Sie ist der Motor einer gut funktionierenden und harmonischen Familie und damit eine elementare Voraussetzung für gesellschaftliche Anerkennung.
Irgendwie wirkt es sogar fast so, als hätte Hilde damals weder Sorge noch Stress empfunden (fernab eines Vitaminmangels des Kindes), aber wahrscheinlich war es genau das, was die Gesellschaft sehen wollte: eine weichgespülte Familie, bei der es einfach läuft.

2016: Mary – zwischen Büro, Familien- und Alltagsstress

Die Werbung von heute wirkt da wie ein Kulturschock. 2014 sehen wir bei Hohes C statt der Fruchtsaft-verteilenden Hausfrau eine berufstätige Mutter, die ihren liebesbedürftigen Sohn aufgrund eines wichtigen Telefongesprächs mit dem Büro vertröstet. Nanu? Eine schlechte Mutter oder einfach ein lebensnahes Beispiel für viele Mütter in der heutigen Zeit? Bei der Toffifee-Werbung trifft man zwar immer noch auf die mit Gardinen und Tisch-Zelten spielenden Kinder, allerdings sieht man heute auch Eltern, die den eingehenden Anruf vom Office wegdrücken. Die Message: Mehr Zeit mit der Familie verbringen. Einen ähnlichen Ton stimmt die aktuelle Aldi-Werbung an: Hier predigt eine Kinderstimme von der Notwendigkeit eines entschleunigten Lebens. Es geht darum, Momente mit der Familie zu genießen und lästigen Alltagsstress wegzuschieben. Zurück bei den Bergmanns und Krugers sehen wir statt artiger Kinder eine pubertierende Tochter, die ihren Vater ankeift „Papa! Was schreist Du denn so? Schreib mir doch einfach eine WhatsApp!“. Und in der IKEA-Werbung stolpert der Zuschauer neuerdings über ein Schlafsofa. Eines, das Vater und Mutter in weiser Voraussicht vorbereitet haben, da der Sohnemann sie bald anflunkern wird: „Mia hat den Bus verpasst und pennt heut‘ bei mir“.

Situationen und Bilder, die vor 20 Jahren in der Werbung noch undenkbar gewesen wären. Nicht, weil es sie nicht gab, sondern weil es dieses eine – ganz bestimmte – Bild einer gut funktionierenden Familie zu wahren und zu leben galt. 2016 sieht das bekanntlich etwas anders aus. Es geht um Themen wie Work-Life-Balance, Quality Time und Eltern, die trotz Alltagsstress ihr Familienleben wuppen müssen – eben völlig andere Lebenssituationen. Eine gut funktionierende Familie definiert sich daher längst nicht mehr über hausfrauliche Brillanz, sondern über ein gutes Familien-Management.

Werbung im Jahr 2016 ist damit aber auch ein Balance-Akt. Denn: Sie darf und soll alltägliche Probleme thematisieren – andernfalls läuft sie Gefahr, uns Zuschauer nicht zu erreichen. Trotzdem darf Werbung die Probleme aber weder bagatellisieren noch dramatisieren. Wie riskant diese Gratwanderung sein kann, zeigte uns letztes Jahr der Edeka-Spot. Der Clip „#heimkommen“ hielt den Zuschauern, pünktlich zum Weihnachtsfest, den ungeschönten Spiegel der Realität vor – und förderte damit zwangsläufig die Frage zu Tage: Wie viel Realität wollen wir in der Werbung wirklich sehen?