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"Der Content-Faktor" von Steven Broschart und Rainer Monschein

Zum Oster-Wochenende gibt es „leichte Kost“: „Der Content-Faktor“ von Steven Broschart und Rainer Monschein

Man muss nicht gleich eine Revolution ausrufen, um ein Buch über Content Marketing zu schreiben. Man kann sich auch mehr als zwei Jahrzehnte mit den Themen SEO und Hirnforschung beschäftigen und dann seine Gedanken zu Papier bringen. Steven Broschart und Rainer Monschein haben den zweiten, zweifelsfrei unspektakuläreren Weg gewählt. Herausgekommen ist der Wälzer „Der Content-Faktor“ – ein 540 Seiten starker Oschi, der über SEO und die kognitive Verarbeitung von Inhalten hin zur Content-Erstellung leitet.

Und wahrscheinlich ist genau das eine der wesentlichen Stärken des Buches: die Interdisziplinarität. Denn mal ehrlich: Wo gibt’s die denn? So predigen wir Agenturen unseren Auftraggebern zwar gebetsmühlenartig, endlich die alten Abteilungs-Silos abzureißen, sind allerdings allzu oft selbst in diesen gefangen. Content-Marketing-Firmen kaufen Content-Marketing-Firmen, SEO-Experten schreiben für die SEO-Szene und KI-Tüftler – na gut, die müssen wir erst mal richtig kennenlernen. Oder wie die beiden Autoren im Vorwort schreiben: „Niemand kann alles wissen. Deshalb wird auch im Online Marketing das Wissen zumeist in Silos gemanagt. So existieren Disziplinen wie beispielsweise die Conversion-Optimierung und das Suchmaschinenmarketing ebenso parallel wie in der Medizin der Internist und der Chirurg – also ohne, dass das Wissen ausreichend ‚quer verlinkt‘ wird und neue Erkenntnisse, neue Lösungen abgeleitet werden können“. Genau hier setzt „Der Content-Faktor“ an. Man könnte auch sagen: warum erst jetzt?

Den  – angesichts der Opulenz dieses Fachbuches durchaus vorhandenen – ersten Lesewiderstand zu überwinden, lohnt durchaus:  Zum einen, weil die Autoren mit ihrer verständlichen Sprache es auch SEO-Amateuren leicht machen, dran zu bleiben, und so vergleichsweise mühelos auf den neuesten Stand in Sachen Google-Rankingfaktoren zu kommen – und darüber hinaus noch geballtes Wissen aus Psychologie, Neurologie  und Soziologie mitnehmen. Zum anderen weil die zwei Experten anhand zahlreicher Beispiele – angefangen vom Wahlkampf des SPD-Kandidaten Peer Steinbrück bis zur originellen ebay-Anzeige als Beispiel für Storytelling – immer wieder den Brückenschlag in die Praxis schaffen.

Ihren Ursprung in der SEO-Szene können Steven Broschart und Rainer Monschein dabei kaum verhehlen: das Buch ist so analytisch-logisch aufgebaut, dass man sich bei der Abhandlung der eher kreativen Disziplinen wie Themenfindung und -aufbereitung unweigerlich fragt: Kann das gutgehen? Lässt sich Content tatsächlich herleiten? Die beiden Autoren meinen: grundsätzlich  ja und empfehlen hier die aus den Hollywood-Filmen bekannte Methode: einleitende Beschreibung, Konflikt, Lösung. Funktioniert selbst bei Knorr-Rezepten, wie die beiden eindrucksvoll belegen. Und so sehr die Autoren einen Verkaufserfolg mit „Der Content-Faktor“ angesichts der wirklich professionellen Aufbereitung verdient hätten, man wünscht sich, dass möglichst viele Leser zumindest das eine Kapitel schnell überblättern. Denn man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn nun alle Tütensuppenfirmen, Büroklammerhersteller und Schnürsenkelproduzenten in Blockbustermanier auf ihren Websites einen Konflikt heraufbeschwören, der dann mit Filmkuss endet. Statt Happyend droht dann wahrscheinlich eher das Schicksal der Titanic: ein geradezu kollektiver Untergang in der Content-Flut. Wer will schon die immer gleiche – nur um Nuancen veränderte – Geschichte lesen? Das ist dann ähnlich den inflationär eingesetzten Listicles. Und da gibt es ja schließlich mindestens „Sieben Gründe, warum wir keine Listicles mehr lesen können“.

 

 

 

Was steckt dahinter, wenn ausgewiesene Digitalos und PR-Experten auf einmal Printmagazine publizieren? Clutch, ein Projekt der Hamburger Agentur Frau Wenk, erschien im September 2016 zur dmexco und positionierte sich als Gesellschaftsmagazin für die digitale Welt. Natürlich ein Content Marketing-Tool, um bestehenden oder künftigen Kunden der Agentur gedruckten Raum zu verschaffen, aber auch mit übergreifenden und liebevoll in Szene gesetzten Nicht-Kunden-Themen. Michael Wegener, Leiter Content Center ARD aktuell, urteilte etwas hart über die Premierenausgabe: „Clutch ist nett zum Durchblättern, aber für die eher kritische Medienszene etwas zu glatt und zu allgemein.“ Chapeau Clutch, dass diese kritische Einschätzung auch genau so auf der Webseite steht. Ob es 2017 eine zweite Clutch-Ausgabe gibt, ist online leider nicht ersichtlich.

Titel New D

Seit Dezember 2016 gibt es nun auch NEW D, ein Magazin für digitalen Wandel, das in einer Auflage von 1.000 Exemplaren an einen handverlesenen Verteiler verschickt wird. Herausgegeben wird es von Christian Clawien, im Hauptberuf Director Digital Strategy bei fischerappelt in Hamburg. Ein Magazin inkl. Blog, das komplett auf Interviews setzt. In der Erstausgabe gibt es lesenswerte Gespräche beispielsweise mit  NDR-Journalistin Anja Reschke („das Netz ist eine große Selbstbeschäftigungsmaschine“), Netz-Nerd Dennis Horn („Facebook ist eine Kommunikationsfirma, aber die kommunizieren nicht“), Lernforscher Lennart Schalk („Weder Google noch das Smartphone an sich machen uns dumm, sondern die Art und Weise, wie wir diese Angebote nutzen“)  oder Brand-Eins-Mitgründer Wolf Lotter („Big Data und Arbeit 4.0 verkaufen alten Wein in neuen Schläuchen“). Wir haben Christian Clawien ein paar Fragen zu NEW-D gestellt:

Was ist NEW-D? Ein privates Projekt von Christian Clawien, ein Content Marketing-Projekt von fischerAppelt oder ganz etwas anderes?

Christian Clawien: Ersteres. Mir fehlten in der Debatte über die Digitalisierung die Stimmen von Menschen, die täglich davon betroffen sind. Lokale Akteure aus der Wirtschaft oder auch Wissenschaftler aus Bereichen, welche nicht direkt mit der Digitalisierung zu tun haben. Privatpersonen, die durch Digitalisierung neue Möglichkeiten entdeckt haben.

Du setzt auf Interviews bzw. Gespräche als zentrales Format. Warum? Und warum hast Du Dich für Print entschieden und als Digitaler nicht „nur“ eine Webseite gemacht?  

Christian Clawien: Es gibt ja beides: http://new-d.de/ als Blog und als gedrucktes Magazin. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in der heutigen Zeit viel mehr aufeinander einlassen müssen, einander zuhören. Wenn ich jemanden interviewe ist das mehr ein Austausch, jemanden einfach erzählen lassen. Das finde ich spannend und es kommen Sachen dabei heraus, die man sonst nicht liest. Sie sind nachdenklicher und vielleicht auch reflektierter als das hysterische Filterblasen-Geschrei. Und zu lange Stücke liest man bei mir auch lieber gedruckt statt online, dass zeigt auch das Tracking.

Wie sieht Dein Geschäftsmodell hinter NEW-D aus? Im Printmagazin hast du einen Artikel als „Sponsored Content“ gekennzeichnet, online habe ich keine Banner o.ä. entdeckt.

Christian Clawien: Ich habe kein Geschäftsmodell. Ich mache das aus Spaß an der Sache und gucke wie es sich entwickelt. Das Blog bleibt ohne Werbung. Aufwand versus Ertrag lohnt sich nicht, da ich momentan noch eine Nische abdecke und in einem spitzen Influencer-Umfeld unterwegs bin. Im gedruckten Magazin verkaufe ich Anzeigen und Sponsored Content, damit ich Druck und Vertrieb finanzieren kann.

Dann erst mal viel Spaß. Wird es eine zweite gedruckte Ausgabe geben? Und welche drei Menschen würden Dich als nächste Gesprächspartner für Blog oder Magazin interessieren?

Christian Clawien: Ja, ich plane für Ende Juni Ausgabe Nummer 2. Ich habe schon etliche Namen auf der Liste, aber wer interessante Gesprächspartner vorschlagen möchte oder das nächste Heft unterstützen will, kann sich gerne bei mir melden: http://new-d.de/kontakt/ Als nächste Interviewpartner interessieren mich ein Taxifahrer, ein Betreiber eines Internetcafés und Giovanni di Lorenzo. Und natürlich freue ich mich über neue Leser auf Facebook, Twitter oder im Blog.

Foto: NewD

New-D-Herausgeber Christian Clawien – Foto: NewD

Dann wünschen wir Dir viel Erfolg und gutes Gelingen!

Das Banking der Zukunft ist eigentlich keine Bank mehr. Zumindest nicht in dem Sinne, wie wir sie heute verstehen. Sie ist ein Café mit angeschlossenem Finanzvertrieb oder eine Lounge mit Screens, auf denen Aktien oder Versicherungen erklärt, analysiert und verkauft werden können. Sie ist unterteilt in einen öffentlichen Showroom und abgetrennte Bereiche für Kundengespräche, die Privatsphäre benötigen. Und am digitalen POS der Zukunft werden alle Arten von Finanzdienstleistungen verkauft: Anleihen, Aktien, Sparpläne, Immobilienfinanzierungen,Versicherungen uvm. Möglich ist das, weil Experten für die jeweiligen Produkte per Video-Call in die Beratung mit eingebunden werden können. Alle Daten (auch die persönlichen der Kunden) liegen im System vor und können über Touchscreens unterschiedlicher Größe im Rahmen der Beratung herangezogen werden.

Noch sieht die Bankfiliale der Gegenwart natürlich ganz anders aus. Was Serviceplan gemeinsam mit seinen Partner (u.a. Cisco, EY, Vitra, Tangible Display und weshop.one) in seinem als Labor konzipierten Showroom „wefinance“ zeigt, ist aber als Vision beeindruckend. Physische Gegenstände wie z.B. ein adidas Sneaker sind so mit den Screens verknüpft, das haptische Gegenstände automatisiert digitale Information aufrufen (siehe Bild).

Quelle: Serviceplan

Foto: Serviceplan

Besonders beeindruckt hat bei der Live-Demo von wefinance die persönliche Analyse der Kundendaten, die – umgesetzt von Tangible Display – nicht nur Einkommen und Ausgaben en Detail aufschlüsseln, sondern über Grafiken, Chart und andere einfache Visualisierungen am Screen die persönlichen Finanzen anfassbar machen. Das Zuschalten von Experten im Bluescreen-Modus (der/die Experte/in kann vor jedem Hintergrund eingeblendet werden) kennt der ein oder andere Bankkunde in Ansätzen ja bereits von der Videoberatung.

Netter Gag bei Präsentation: Börsenexperte Markus Koch berichtete live von der Wall-Street über die  Auswirkungen der Trumpf-Wahl auf die Aktienmärkte.

Lauschen den Ausführungen von Markus Koch: Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken (re.) und Christian Rößler (Mi.), Managing Partner, weshop.one. Foto: cocodibu

Lauschen den Ausführungen des Börsenexperten Markus Koch: Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken (re.) und Christian Rößler (Mi.), Managing Partner, weshop.one. Foto: cocodibu

In diesen Genuss wird sicher nicht jeder Gast des wefinance-Shops kommen, aber ein Besuch lohnt für Banker, Finanz- und Versicherungsfirmen allemal. Wer vorerst keine Zeit findet, erhält im folgenden Video einen kleinen Rundgang:

Letzte Woche tauschte ich meinen Arbeitsplatz bei cocodibu gegen einen Arbeitsplatz bei humedica in Kaufbeuren im schönen Allgäu: Denn für mich stand im Rahmen meines Volontariats ein Praktikum bei der internationalen Hilfsorganisation an.

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ 🙂

Montagmorgen, 06:00 Uhr – ich kann mich nicht erinnern, wann mein Wecker mich zuletzt so früh aus dem Bett klingelte, denn ein Frühaufsteher bin ich keineswegs. Nach einer entspannten, aber doch längeren Fahrt Richtung Kaufbeuren, erreichte ich die humedica Zentrale im Stadtteil Neugablonz. Nach einer herzlichen Begrüßung durch das Kommunikationsteam Steffen, Lina, Heinke, Cecilia und Bea lernte ich beim ersten Meeting gleich den Geschäftsführer von humedica, Wolfgang Groß, kennen. Wolfgang Groß gründete gemeinsam mit seinem Bruder 1979 die Hilfsorganisation, die seither in über 90 Ländern weltweit medizinische Not- und Katastrophenhilfe leistet sowie mittel- bis langfristige Hilfsprojekte und Entwicklungszusammenarbeit durchführt.

Nach kurzer Besprechung der Woche und Kennenlernrunde durch die humedica Zentrale, textete ich gleich zum Relaunch der Website.  Seit Monaten arbeitet das Team nämlich an einer Überarbeitung der Website und wie es bei Deadlines so ist – die müssen eingehalten werden. Seid gespannt! Auch die restlichen Tage warteten Textverfassungen und -überarbeitungen für Newsletter und Blog auf meinem Schreibtisch – als Kommunikationsexpertin und coco-Volontärin (Danke dafür :)) für mich eine tolle Herausforderung – wenn auch die Thematik eine völlig andere ist als bei coco.

Ein dominierendes  Thema in der Woche bei humedica war  der Hurrikan „Matthew“, der kurz zuvor mit Geschwindigkeiten von über 200 km/h über die Karibik fegte und eine Schneise der Zerstörung hinterließ. Vor allem Haiti traf der Wirbelsturm schwer. Als eine der ersten Hilfsorganisationen reagierte humedica extrem schnell und entsandte ein Erkundungsteam in das bitterarme Land, um den Menschen dort nach der Katastrophe zu helfen. Mittlerweile ist die Unterstützung auf ein zweites Team aus Medizinern, Pflegern und Koordinatoren angewachsen, die vor Ort die medizinische Versorgung der Betroffenen gewährleisten. Aufgrund dieses Ereignisses hatte ich die Möglichkeit einen Einblick in die Kommunikationsarbeit in Katastrophenfällen zu erhalten und zu sehen, wie das Team hinter humedica solch einen Einsatz kommunikativ begleitet.

Ein Packerl für jedes Kind

Die Woche stand außerdem ganz im Zeichen des Projekts „Geschenk mit Herz“. Seit 2003 gibt es die Weihnachtspäckchen-Aktion, die jedes Jahr durch hunderte engagierte Privatpersonen, Unternehmen, Kindergärten und Schulen bayernweit ermöglicht wird und so zehntausenden Kindern eine besondere Weihnachtsüberraschung bringt. Dieses Jahr ist Bad Reichenhall „Weihnachtspäckchen-Stadt“ – am 10. November wird dort die Aktion mit einem bunten Programm begleitet und viele „Geschenke mit Herz“ eingesammelt, die anschließend von Kaufbeuren aus in die Zielländer wie beispielsweise Kosovo, Litauen, Albanien und Ukraine etc. gebracht werden und ein Lächeln auf das Gesicht von in Armut lebenden Kinder zaubern. Auch cocodibu packt dieses Jahr einige Packerl – das Ergebnis zeigen wir euch dann gerne auf Social Media!

Geschenk mit herz

An meinem letzten Tag durfte ich Lina zu ihrem Vortrag „Rolle der Medien“ bei einem von humedica organisierten Einsatztraining für angehende ehrenamtliche Helfer begleiten. Meine Kollegin Esther gehörte zu der Gruppe der mutigen Helfer, die sich tatsächlich sechs Tage unter Einsatzbedingungen eines Katastrophen- oder Auslandseinsatz durch die Woche in Kaufbeuren schlugen – Respekt! Weitere Infos folgen demnächst dazu in einem Beitrag von Esther 🙂

Alles in allem war die Woche eine spannende Erfahrung. Ein super nettes Team, interessante Einblicke in die Kommunikationsarbeit einer humanitären Hilfsorganisation, viele neue Kontakte sowie spannende Einblicke in humanitäre Hilfsprojekte. Der Unterschied in der Kommunikationsarbeit von humedica und cocodibu? Bei einer humanitären Hilfsorganisation ist die Öffentlichkeitsarbeit wesentlich schwerer von anderen Kommunikationsmaßnahmen zu trennen –  da humedica zum Beispiel auf Spenden angewiesen ist, steht Fundraising hier an erster Stelle. Vor allem emotionale, hautnahe Beiträge und Geschichten  vor Ort bei Katastropheneinsätzen und Hilfsprojekten verkörpern das Wesen und die Zielsetzung einer NGO. Dadurch wird per se auch der Kommunikation einer Hilfsorganisation von den Medien ein großes Vertrauen entgegengebracht. In unserer Agentur  versuchen wir den Kunden und sein Produkt durch unsere Kommunikationsarbeit  in den Medien ins Gespräch zu bringen. Mögliche Ziele sind hier die Ansprache neuer Zielgruppen, Aufbau und/oder Veränderung des Images sowie das Erschließen weiterer Märkte. Hier funktioniert die Kommunikation vor allem durch sachliche und meist nüchterne Inhalte, die gerne mit Zahlen belegt werden sollen.

Danke humedica für die spannende Zeit!

Mal angenommen, Sie wären Chef eines traditionsreichen Fahrradverleihs in einer europäischen Metropole und all ihre Räder wären in einer Farbe lackiert, sagen wir mal gelb, und überall in der Stadt gut sichtbar. Dummerweise kopiert mit der Zeit die Konkurrenz die Idee, so dass neben gelben auch grüne, rote oder blaue Räder durch die City fahren. Was nun, um sich von der Konkurrenz zu differenzieren?

 

Das Amsterdamer Kreativteam Wilmar Versprille und Matthijs Groos fand für den lokalen Fahrradverleih yellowbike eine witzige Lösung: Yellowbackie, den gelben Fahrradträger, der Touristen der Stadt zum Mitfahren einlädt. Jeder Amsterdamer, der Fahrrad-Taxi für Touris spielen möchte, um ihnen seine Stadt persönlich zu zeigen, bekommt umsonst einen gelb lackierten Radlträger, auf dem er Beifahrer mitnehmen kann. Die Aktion erzielte ein Riesen-Medienecho. Ich finde: Clevere PR und eine sympathische Idee für eine Fahrrad-Metropole wie Amsterdam, um international Gastfreundschaft auszustrahlen. In Deutschland wäre die Idee, so meine Vermutung, nach einer Minute Diskussion mit der Rechtsabteilung gescheitert und eine Diskussion über die Fahrerhaftung und das Maximalgewicht des Beifahrers entstanden.

Nach ihrer gelungenen Premiere im vergangenen Jahr schaffte es die ubx, die von der Münchner Agentur Virtual Identity organisierte Konferenz für useful brand experience, auch in diesem Jahr neben Yellowbackie mit vielen plastischen Beispielen zu zeigen, dass Marken Kommunikation auch anders interpretieren können. Aber sie zeigte auch, dass der Anspruch, Marken sollen die Welt dauerhaft zum Besseren verändern, für die allerwenigsten Brands einlösbar sein wird.

Besonders deutlich wurde das einem Beispiel: Für die Einführung des neuen 7ers, des Flaggschiffs von BMW, wählte die österreichische Agentur Demner Merlicek und Bergmann ein Feature des neuen Wagens für die Kommunikation aus: Night Vision, ein System, das Fahrer vor unbeleuchteten Fußgängern und größeren Tieren warnt. Dabei nimmt eine Infrarotkamera den Bereich vor dem Fahrzeug auf, erkennt Menschen und größere Tiere und markiert diese im Wärmebild dementsprechend in einem helleren (Personen) und einem dunkleren (größere Tiere) Gelb. An Straßenpassagen in Österreich, die besonders von Unfällen durch Wildwechsel betroffen waren, wurden digitale Plakate montiert, die für Fahrer aller Marken das Bild zeigten, dass der 7er Fahrer mit Night Vision sehen würde – also auch die Tiere im angrenzenden Wald. Die Folge: Nach Angaben von BMW ereigneten sich im Aktionszeitraum auf den Strecken mit Billboards keine Unfälle.

 

Eigentlich ein schöner Erfolg. Dumm nur, dass BMW die Billboards am Ende der Cannes-prämierten Kampagne (ein silberner Löwe) wieder abmontieren ließ. „Das Mediabudget war ausgeschöpft“, begründete BMW-Marketer Michael Bachmaier auf der ubx. Finanziell durchaus verständlich, aber vielleicht hätten sich ja auch Co-Sponsoren gefunden, die diese Maßnahme zur Verkehrssicherheit dauerhaft mitgetragen hätten. Bei etlichen ubx-Besuchern hinterließ das Entfernen der digitalen Plakate einen schalen Nachgeschmack. Wie glaubwürdig sind Marken, die sich nur innerhalb des eines Kampagnen-Zeitraums nützlich machen? Konterkariert das nicht den eigentlichen Zweck der Aktion? Oder ist es im Gegenteil aus Markensicht sogar gewollt, dass nur 7er-bzw. BMW-Fahrer das Feature einsetzen können? Und ein bißchen arg idealistisch, von Marken und Wirtschaftsunternehmen zu verlangen, dass sie sich altruistisch engagieren?

Useful Brand Experience, das zeigt die ubx16 deutlich, steht immer unter dem Finanzierungsvorbehalt. Nur Marken, die dauerhaft Geld verdienen, können sich nachhaltig nützlich machen. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung von immer mehr Menschen in einer weitgehend satten Konsumgesellschaft an Marken: Sie sollen etwas bieten, was über den reinen Produktnutzen hinausgeht. Es liegt an den Produkt- und Markenverantwortlichen sowie den Kreativen, diesen Widerspruch dauerhaft auf- und einzulösen. Der Weg dahin ist eigentlich ganz einfach: „Sei interessiert, sei interessant!“, forderte ubx-Keynote-Speaker Gunter Dueck von den Teilnehmern. Die ubx selbst hat diesen Anspruch als Konferenz für nützliche Werbung jedenfalls auch in ihrem zweiten Jahr eingelöst.

Wer in Köln auf der großen dmexco-Bühne steht, bekommt das wohl größte Auditorium einer deutschen Fachkonferenz. Foto: dmexco

Wer in Köln auf der großen dmexco-Bühne steht, bekommt das wohl bestbesetzte Auditorium einer deutschen Fachkonferenz. Foto: dmexco

Diese Woche steigt in Köln der ultragalaktische Höhepunkt der Digitalszene, die dmexco. In diesem Jahr erwartet die Kongressmesse bei  ihrer achten Auflage fast vier mal so viel Besucher wie bei der Premiere im Jahr 2009. Auch wir sind natürlich mit einem Team vor Ort. Als kleine Vorbereitung und weil es nicht einfach ist, die immer neuen Rekordzahlen der Kongressmesse im Kopf zu behalten, haben wir gemeinsam mit unserem Kunden intelliAd, den Experten für Data Insights, ein paar Fun Facts zusammengestellt.  Und weil die dmexco auch international gerade schwer in Mode ist, gibt es ein paar brandaktuelle Zahlen aus der Fashionbranche (erhoben von intelliAd und Deloitte in der Studie „Spotlight Fashion“) als Äquivalent.

2             mal jährlich veröffentlicht der Online-Vermarkterkreis OVK aktuelle Marktzahlen (zu AdBlocker-Raten, Werbeinvestitionen, Werbeformen u.a.). Ausgabe 2 wird traditionell zur dmexco veröffentlicht. Zwei Prozentpunkte Unterschied (und das ist an der Stelle eine Menge) beträgt die  Conversion Rate in der Fashionbranche, wenn man  Mono-Brand Stores (3,2 %) mit Multi-Brand Stores (1,2 %) vergleicht.

5             Hallen belegt die dmexco in diesem Jahr auf der Kölnmesse (Hallen 5-9). Neu ist in diesem Jahr der Eingang über Halle 6, was den Fußweg zur Haltestelle Messe/Deutz deutlich verkürzt. Übrigens kamen nur 4 Prozent aller Besucher im 1. Halbjahr 2016 über Displaywerbung und Retargeting auf die Webseiten der Fashionshops.

8             Bewertungen hat die offizielle App zur dmexco 2015 in iTunes bekommen. Zu wenig für einen Durchschnittswert. Auch dieses Jahr gibt es wieder eine App für die Besucher. 8 € gibt die Modebranche im Durchschnitt pro Kauf für Suchmaschinenwerbung aus.

45        % der erstmals über 1.000 Aussteller auf der dmexco sind internationale Firmen. Das entspricht genau dem aktuellen Anteil von Mobile Traffic (Smartphone und Tablet) in der Modebranche (44%).

70        € kostet regulär (laut Taxirechner.de) die Taxifahrt vom Flughafen Köln/Bonn zur dmexco und zurück (vorausgesetzt man bekommt ein Taxi). Im Segment Herrenbekleidung bekommt man für diese Summe gerade einmal 100 SEA-Klicks (CPC 0,71 €), bei Damenmode dagegen über 350 (CPC 0,19€).

100     € zahlt jeder dmexco Aussteller zusätzlich zum regulären Quadratmeterpreis (385 € wenn er nach dem 1.2.2016 gebucht hat) für das Marketing-Package der dmexco. Das entspricht dem durchschnittlichen Warenkorb im Segment Mode allgemein (99€).

588     € kosteten im Schnitt laut HRS die letzten sieben verbliebenen Einzelzimmer vom 14. auf 15.September in Kölner Hotels (Abfrage vom 12.8.2016). Diese Summe ist vergleichbar mit dem durchschnittlichen Warenkorb von Luxusmodehändlern am Desktop (576 €). Mit den 472 €, die die Premium-Modeshops von den Handykäufern einnehmen, fände man dagegen kein Zimmer mehr für die dmexco 2016.

8416     € müssen Aussteller für den kleinsten Stand auf der dmexco (16 qm in modularer Standbauweise) hinblättern – dafür könnte man z.B. als Modehändler auch 26.300 User über SEA auf seine Seite bringen (Durchschnitts-CPC in der Modebranche: 0,32€).

50.000   und mehr Besucher erwartet die dmexco 2016. Aus 50.000 Besuchern machen Luxusmodeshops gerade einmal 190 Käufer (Conversion Rate 0,38%).

365 Tage hat das Team der dmexco wieder gearbeitet, um die weltgrößte Digital-Kongressmesse in Köln auf die Beine zu stellen

365 Tage hat das Team der dmexco wieder gearbeitet, um die weltgrößte Digital-Kongressmesse in Köln auf die Beine zu stellen. Foto: dmexco

 

Die EM 2016 haben nicht nur Fußballfreunde fett im Kalender angestrichen – auch für Werbetreibende bietet das Event in Frankreich Grund zum Jubeln. Sport-Großereignisse eignen sich schließlich hervorragend, die eigene Marke emotional aufzuladen. Wer es nicht allzu plump anstellt, kann die Identifikation der Fans mit ihrem Team für sich nutzen.

Auch dieses Jahr haben wieder zahlreiche Marken und Agenturen tief in die Kreativitäts-Kiste gegriffen, um mit großartigen Spots etwas von der EM-Euphorie für sich abzuzweigen. Allerdings überzeugen bei weitem nicht alle EM-Kampagnen – viele Spots bieten höchstens das Unterhaltungslevel eines 0:0 im Test-Länderspiel gegen die Färöer-Inseln.

cocodibu präsentiert die Tops und Flops der Werbespots zur Euro 2016.

Volltreffer – diese Spots begeistern selbst Sportmuffel

Bilder in Spielfilmqualität, mitreißende Musik und Gänsehaut-Atmosphäre von der ersten Sekunde. Dazu mit #vivelamanschaft ein viraler Hashtag – Mercedes Benz zeigt, wie man die Emotionen des Stadions in einem Werbespot bündelt. Auffällig: Autos sucht man beinahe über die gesamte Dauer des Spots vergebens. Hier ist Content definitiv King! Umgesetzt wurde der Spot von der Agentur Antoni.

Wer nicht die Emotionskeule auspacken will, nimmt die EM 2016 mit Humor. Lufthansa und Kolle Rebbe stecken einen englischen Fußballfan in ein deutsches Flugzeug nach Paris. Was folgt, ist schlichtweg zum brüllen: Blaskapelle, Kuckucksuhr und Würstchen mit Sauerkraut – dem Passagier von der Insel bleibt kein deutsches Klischee erspart. Unbedingt bis zum Ende schauen, die Pointe ist göttlich.

Über 37 Millionen Klicks sprechen eine klare Sprache: Die beste Kampagne zur Europameisterschaft liefern Nike und die Agentur Wieden + Kennedy Portland mit „The Switch“. Nach einem Zusammenstoß wachen Cristiano Ronaldo und ein junger Fan im Körper des jeweils anderen auf – es folgt ein Kurzfilm auf Kinoniveau, der die Emotionen des Sports nutzt und gleichzeitig mit einem Augenzwinkern versieht.

Im Abseits – wie man es besser nicht machen sollte

Wettanbieter Tipico zerrt mal wieder Lieblings-Testimonial Oliver Kahn vor die Kamera. Dieser ist im 30-Sekünder mit Michael Konsel und Geert De Vlieger, Ex-Nationaltorhüter Österreichs und Belgiens, zum Fußball-Golf verabredet. Peter Schmeichel, der viele Jahre das dänische Tor hütete, möchte ebenfalls mitspielen – die flache Pointe: Er darf nicht, weil Dänemark nicht zur Euro qualifiziert ist. Kann man so machen, wenn nur die Dialoge nicht so unfassbar hölzern ausfielen. Ebenfalls rätselhaft: Warum fliegt am Anfang des Spots ein Heißluftballon durchs Bild? Tipico hat die Kampagne inhouse kreiert. Eine externe Agentur hätte das sicher besser hinbekommen – darauf würde ich sogar wetten.

Persil ist das offizielle „Waschmittel der Nationalmannschaft“. Die DFB-Partnerschaft hat sicher eine Stange Geld gekostet, logisch, dass der Waschmittelherteller dann auch zur EM damit wirbt. Schade nur, dass das Ergebnis so gezwungen wirkt. „Bei der Europameisterschaft in Frankreich erwarten uns tausend verschiedene Flecken“, kommentiert eine Sprecher aus dem Off, nachdem sich der „Persil-Waschexperte“ sein Trikot mit einem Marmeladen-Crossaint und Champagner versaut. Mein Vorschlag an Henkel und DBB Düsseldorf fürs nächste Turnier: Eine Helden-Story rund um den Zeugwart der Nationalelf, der die weißen Trikots nach einem umkämpften Spiel nur sauber bekommt, weil er auf Persil vertraut.

Eigentlich ist es fies, Nivea Men in diese Liste aufzunehmen. Denn mit dem modebewussten Jogi Löw, hat das Unternehmen im Grunde den perfekten Markenbotschafter – ein echter Kerl, dem ein gepflegtes Äußeres offenbar genauso wichtig ist wie gepflegtes Kurzpassspiel. Alles prima also, würde der Nationaltrainer nicht öfter von TV-Kameras beim Nasebohren erwischt werden. Noch schlimmer: Beim deutschen Auftakt zur EM 2016 war zu sehen, wie Löw sich erst in den Genitalbereich greift, um wenige Augenblicke später an seiner Hand zu riechen. Klar, dass ein solcher Faupax im Netz mit reichlich Spott bedacht wird. Nivea Spots mit Jogi Löw kann man aktuell also nur noch bedingt ernst nehmen. Da kann das Unternehmen nichts für, ein klassischer Fall von „dumm gelaufen“.

Dass Nutzerorientierung das A und O von Facebook ist, das liegt auf der Hand. Dass angemeldete Nutzer vor diesem Hintergrund analysiert werden, ebenso.

So interessiert nicht nur, bei welchen Bildern und Seiten der Nutzer den weltbekannten „Daumen hoch“ vergibt, sondern auch, welche News und Werbung den Nutzer anhand seines Surf- und Klickverhaltens interessieren könnten. All das und vieles mehr fragt der Social-Media-Riese und versucht sein Angebot sukzessive an die Verhaltensweisen und Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Reinen Altruismus kann man dem Unternehmen aber nicht unterstellen. So dient ein interessantes Angebot vielmehr der Attraktivität des Netzwerks, um größtmögliche Datenmengen sammeln und sie für Werbungtreibende nutzen zu können. Doch was sagen die Nutzer dazu?

Daniela Annaberger, Studentin der Hochschule Augsburg, hat die Social-Media-Nutzung ihrer Altersgruppe im Rahmen eines Seminars einmal genauer unter die Lupe genommen. Dafür hat sie 97 Mitstudenten befragt. Unter den Personen waren 53 Prozent Frauen und 47 Prozent Männer – das Altersmittel betrug 22 Jahre. Die Befragung zielte darauf ab, die Studenten nach ihren meist genutzten und weniger genutzten Social-Media-Kanälen zu befragen: Das Ergebnis ist ein ziemlich interessanter Trend, der Facebooks großen Aufwand in Sachen Nutzerorientierung und Nutzergewinnung in Frage stellen könnte.

Aber zuerst einmal eine gute – wenn auch wenig überraschende – Nachricht für Herrn Zuckerberg: Facebook ist mit 97,5% vor YouTube (82,7 Prozent) und Instagram (40,7 Prozent) das am meisten verbreitete Social Medium für die Twens. Weniger gut sieht es dann schon aus, wenn es darum geht, welcher Kanal vermehrt genutzt wird: Mit 34,6 Prozent bieten sich Instagram und Facebook ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für den Marktführer sprechen die gute Verfügbarkeit über das Smartphone und die hohe Reichweite („alle haben es“).  Sieht ja trotz des Aufkommens neuer Kanäle gar nicht so schlecht aus für Facebook,  möchte man da meinen. Wäre da nicht die Frage nach der verminderten Nutzung gewesen: 48,1 Prozent der Studenten geben an, Facebook mittlerweile weniger zu nutzen, 22 Prozent haben YouTube durchgesurft (geht das?) und jeweils 4,8 Prozent finden Twitter, Xing und Instagram immer weniger reizvoll. Fragt man nach einer Begründung für den Fall des Riesen, so werden uninteressante Inhalte und zu viel Werbung angeführt.

Auch die cocodibu-Jury hat ihr Urteil gefällt: So nutzen wir alle Facebook, YouTube, Instagram und Xing (FYI – bei den Studenten sind es 18,5 Prozent). Müssten wir uns aber für einen Favoriten entscheiden, so geht bei vier von sechs Befragten die Stimme an YouTube, drei Personen zählen Instagram zu ihren Favoriten und Facebook erhält genau wie Snapchat zwei unserer Stimmen. Warum das so ist? Auch hier geben vier aus unserem Team den eintönigen und uninteressanten Facebook-Stream als Grund dafür an, warum Facebooks Alleinherrschaft zu bröckeln beginnt. Eine Kollegin ging sogar so weit zu sagen, Facebook nur noch als Veranstaltungskalender zu nutzen – oops.

Hat Facebook also an seinen Nutzern vorbeianalysiert? Meiner Meinung nach lautet die Antwort – wie sagten Fanta Vier so schön – jein! Nein, da ich seit Monaten bemerke, dass Facebook meine Inhalte filtert und nur noch News ausgewählter Freunde und Pages in meinem Newsfeed anzeigt. Ja, schon, da die bisherige Analyse-Methode insgesamt nicht wirklich zu Gunsten meiner Bedürfnisse ausfällt und es definitiv weiteren Analysebedarf gibt: Es werden News und Statusaktualisierungen meiner „Freunde“ angezeigt, von denen ich nicht einmal wusste, dass wir befreundet sind (eindeutig schuldig!). Verlobt sich eine gute Bekannte mit ihrem Partner, erfahre ich das eher durch  Rauchzeichen als durch Facebook. Der Versuch, das Medium interessanter und ansprechender für die Nutzer zu gestalten, ist, was mich betrifft, eindeutig nach hinten losgegangen. Öffne ich Facebook, so erwartet mich inzwischen eine unüberschaubare Menge an kurzen und langen Videos, sei es von YouTube oder von Werbungtreibenden (bitte keine Eiweiß-Shakes mehr!). Ich sehe unzählige Nachrichten darüber, welcher Bekannte einen „Daumen hoch“ auf irgendeine Spaß-Seite setzt und bin dabei tatsächlich dankbar, dass die obszönen Likes einer meiner „Freunde“ nach ein paar Monaten nun nicht mehr meinen Feed dominieren.

Es bleibt offen, ob Facebook in Sachen Nutzerzufriedenheit noch die Kurve kriegt. Ich für meinen Teil habe unter diesen Bedingungen aber keine Lust, meine Datenspuren zu hinterlassen und schau lieber schöne Bilder auf Instagram.

Anlässlich einer Pressekonferenz zu den neuen DriveSafe Brillengläsern aus dem Hause ZEISS organisierte cocodibu am 4. November in der Nähe von Stuttgart einen kleinen Fahrspaß für Journalisten mit dem ehemaligen Automobilrennfahrer Christian Danner. Danner, der nicht nur Formel 1-Experte und Fahrsicherheits-Profi ist,  sondern auch Testimonial für die neuen Brillengläser von ZEISS, nutzte den Verkehrsübungsplatz in Birkhau für ein spannendes Fahrsicherheitstraining mit den geladenen Gästen.

Location des Events: Der ADAC Verkehrsübungsplatzes Birkhau

„Besonders die richtige Sitzposition sowie die Lenkradhaltung sind wichtige, aber oft vergessene Bestandteile der Fahrsicherheit“, so Christian Danner, der die Sitzhaltung der Gäste ganz genau unter die Lupe nahm.

Die richtige Sitzposition ist ein entscheidender Faktor für das sichere Fahren.

So lernten wir auch, dass es sich bei der „Häschenhaltung“ nicht um eine Position im Yoga, sondern um ein Umklammern der oberen Lenkradmitte mit beiden Händen handelt, welches das starke Einschlagen des Lenkrads in Gefahrensituationen behindern kann.no_rabbits

Nachdem jeder Fahrer seine richtige Position für Gurt, Sitz- und Lenkhaltung gefunden hatte, ging es auf die Strecke. Es galt eine Kreisbahn zu befahren sowie seine Lenk- und Bremskünste im sportlichen Slalom zu demonstrieren. Im Anschluss an  jede Runde gab es Feedback und neue Instruktionen vom Experten, der die Tipps mit einer großen Portion Charme, Humor und Interaktivität an die Fahrer weitergab.

Nach jeder Runde gab es Feedback durch den Experten

Nachdem alle Gäste in den Genuss einer Individualbetreuung durch Christian Danner gekommen waren, wurden die Sonnenstrahlen des letzten goldenen Herbsttages (gut, es folgten dann doch noch einige) sowie leckere italienischen Nachspeisen genossen.

Und dann wurde die Gunst der Stunde für zahlreiche Bilder mit Christian Danner und Fragen rund um den Formel1-Sport genutzt. Da wollte ich natürlich auch nicht vor bleiben.

 

Unsere Volontärin Nadine mit Christian Danner

 

 

 

 

Erinnern Sie sich noch an Edmund Stoiber, den ehemaligen Ministerpräsidenten des weißblauen Freistaats? Das war der Ex-Staatskanzleichef von Franz-Josef Strauss. Bei dem hatte er unter anderem gelernt, dass Medien und Medienpolitik nicht ganz unwichtig sind – Spieglein, Spieglein an der Wand….Deswegen machte der spätere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber die Medientage zur Chefsache und nutzte sie als Plattform und zentrale Veranstaltung rege und häufig für medienpolitische Botschaften und intensives Networking. Ganz anders übrigens als heute Horst Seehofer, dem die Medientage schnurz sind und der meist Wirtschafts- und Medienministerin Ilse Aigner als Vertretung schickt – oder jemanden noch weiter unten in der bayerischen Regierungshierarchie. In der Stoiberschen Phase waren die Medientage Schauplatz für die unendlichen (manchmal auch unendlich langweiligen) Duelle zwischen Vertretern von privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern. VPRT-Ritter Jürgen Dötz gegen wechselnde Intendanten von ARD, ZDF und BR. Wesentlich mehr Unterhaltungswert hatten die Medientage in den 90ern, wenn die Privat-TV-Urgesteine Helmut Thoma (damals RTL) und Georg Kofler (damals ProSieben) direkt aufeinandertrafen. Bei der Wortschlacht zwischen Österreicher und Südtiroler war die Pointendichte deutlich höher als dieses Jahr beim erstmals als Moderator verpflichteten Thomas Gottschalk. Gelegentlich schalteten sich in das intramediale Rededuell auch noch die Verleger ein, die um ihre Pfründe fürchteten.

Show-Urgestein statt Elefantenrunde: Thomas Gottschalk führte am ersten Vormittag der Medientage 2015 durch das Programm

Show-Urgestein statt Elefantenrunde: Thomas Gottschalk führte am ersten Vormittag der Medientage 2015 durch das Programm

Lange Jahre ging das gut. Auch für die meisten Mediengattungen, die zwar auf den Medientagen immer wieder über diverse Benachteiligungen klagten, aber eigentlich noch gut verdienten. Dann kam das Internet. Am Anfang langsam, später mit Macht, aber so richtig Ernst nahmen das nur wenige Vertreter der Medienzunft (Hubert Burda vorneweg), zumal 2001 die Internetblase platzte und die Skeptiker zu bestätigen schien. Doch im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends mussten manche Medien lernen, dass Wachstum kein Grundgesetz und Werbeeinnahmen keine Selbstverständlichkeit sind. Da wurde auf den Medientagen mit Vorliebe und jahrelang ein Trauerspiel aufgeführt: „Die Leiden der alten Medien“ – verursacht durch „dieses Internet“. So mancher Regionalzeitungsverleger ging ab anno 2005 mit einem spöttischen Lächeln aus Vorträgen zu Online-Themen, um dann mit einem befreundeten Verleger über diese Jungspunde zu lästern, die keine Ahnung vom Geschäft hätten. Leider machten sie ihm da gerade mit Online-Plattformen sein Kleinanzeigengeschäft abspenstig.

In dieser Zeit waren die Medientage für viele Onliner zu altbacken, für Medienvertreter der alten Generation zu abgehoben und visionär, für Medienpolitiker nicht mehr die alte Glamour-Plattform  und für andere weder Fisch noch Fleisch. Im Lauf der Zeit des ersten Jahrzehnts wurde die OMD und spätere dmexco als zentrale Veranstaltung für Online/Digitalmarketing groß und kleinere, spezialisiertere Veranstaltungen besetzten erfolgreich Wachstums- und Nischenthemen, die auf Elefantenrunden nicht spannend und kontrovers genug diskutiert werden konnten oder wollten.  In dieser Zeit verlor übrigens auch das Medienforum NRW als zweite große Medienveranstaltung jegliche Präsenzpflicht.

In einer Periode, in der die GAFA begann, die Medienindustrie zu global dominieren, wirkten die Scharmützel zwischen deutschen Verlegern und Sendern sowie der Sender untereinander  (im übrigen auch so manche Debatte zur nationalen Medienkonzentration) wie Relikte aus einer fernen Galaxie (aus einem anderen Jahrtausend sind sie übrigens auch). Mit dem Quartalsgewinn von Google ließen sich ganze nationale Medienimperien aufkaufen. Nur vonnöten ist das nicht mehr, da Google bereits jetzt eine ganz andere Dominanz ausüben kann.

Die Herausforderer für deutsche Medienunternehmen spielen heute international. Netflix, YouTube oder Facebook Instant Articles bestimmen die Diskussionen und redaktionelle Inhalte heißen Content – auch auf den Medientagen. Aus der Phase der German Medienunternehmer-Angst sind viele Unternehmen mittlerweile raus, stattdessen domniert zunehmend der Wille zur Mitgestaltung. Und auch die Medientage selbst scheinen ihre Bestimmung neu gefunden. Als zentrale Veranstaltung, auf denen die Medienbranche – und ihr anverwandte Segmente – die Zukunft ihrer Geschäftsmodelle ernsthaft debattiert, in Frage stellt und vielleicht auch neue Allianzen knüpft. Aus den Medientagen sind die Medientransformationstage geworden. Eine Positionierung, die auch die nächsten Jahre tragen sollte und mit der die Medientage neben der dmexco, der RePublica oder der Internet World ihren Platz haben. Und ob dann 25 Prozent Frauen auf den Medientage-Podien sitzen oder 15 oder 50, wird wahrscheinlich nicht Sissi Pitzer entscheiden, sondern der Arbeitsmarkt. Die Keynote von Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel war jedenfalls wesentlich gehaltvoller als der Content, den Thomas Gottschalk auf den Medientagen 2015 beisteuerte. Außerdem hat gerade Microsoft in Deutschland erstmals eine Chefin bekommen. Wenn das kein Signal ist. Könnte sein, dass die Medien ihre Tage bekommen.

P.S.: Der Autor hat etwa 25 Medientage hinter sich – vielleicht auch seine besten 😉