Category: Wissenswertes

Reddit, die selbsternannte „Frontpage of the Internet“, lockt täglich Millionen Nutzer auf ihre Startseite. Ich bin einer davon und war deshalb umso überraschter heraus zu finden, dass viele meiner Kollegen die Seite überhaupt nicht kennen, geschweige denn selber nutzen. Dabei erfreut sich der Social-News-Aggregator bereits seit 2005 immer größerer Beliebtheit – auch hier in Deutschland. Hunderttausende Communities mit jeweils tausenden Mitgliedern kommunizieren heute auf der Seite mit Posts, eigenem Content und in den Kommentarbereichen – Tendenz steigend. So hatte das Reddit vor zwei Jahren noch einen geschätzten Wert von rund 500 Millionen Dollar. Dank der Unterstützung mehrerer Investoren in 2016 und 2017 wird der Wert der Webseite heute auf 1,8 Milliarden Dollar geschätzt. Obwohl die exakten Operationskosten für reddit.com nicht bekanntgegeben werden, lassen sich die jährlichen Kosten für die über 400 betriebenen Server der Seite alleine auf circa 3,8 Millionen Dollar schätzen. Hinzu kommen natürlich die über 70 Mitarbeiter des Unternehmens sowie weitere fixe Ausgaben. Die Finanzierung dieser Betriebskosten jedoch wirkt auf so manchen Beobachter rätselhaft. Wie funktioniert also die Geldbeschaffung im Reddit, das immerhin auf Platz 36 der meistbesuchten Webseiten weltweit steht? Die Antwort ist einfach: Investoren, Werbung und Reddit Gold.

Mit Investoren fing alles an

Das Reddit wurde 2005 von Steve Huffman und Alexis Ohanian mit einem Budget von 100.000 Dollar ins Leben gerufen und sieht optisch noch immer so aus als sei sie in den Anfängen des Internets stecken geblieben. Vergleicht man zehn Jahre alte Screenshots mit Bildern der Seite von heute, lassen sich kaum Unterschiede erkennen. Anfangs nur als ein weiteres Nischen-Diskussionsforum für Computernerds abgestempelt, überschritten die täglichen Seitenbesuche schnell die 500.000er Marke, weshalb die Seite nur ein Jahr später für 20 Millionen Dollar vom Condé-Nast-Verlag gekauft wurde. Im Februar 2011 erreichte die Website erstmals 1 Milliarde Aufrufe in einem einzigen Monat und im September desselben Jahres sogar 1,6 Milliarden. Das Reddit wurde daraufhin wieder aus dem Condé-Nast-Verlag ausgegliedert und als reddit.inc weitergeführt. In den darauffolgenden Jahren erhielt die Seite zahlreiche Investments von Unternehmen und Privatpersonen – darunter zum Beispiel vom US-Gründerzentrum Y Combinator, PayPal-Gründer Peter Thiel, Schauspieler und Musiker Jared Leto oder Hip-Hop-Legende Snoop Dogg.

Onlinewerbung muss sein

Nach vier Jahren der kompletten Werbefreiheit entschied sich Reddit Ende 2009 dazu, auch Werbeplätze auf der Seite zu verkaufen. Werbetreibende können seitdem „Self-Served-Ads“ bei einem Tausend-Kontakt-Preis von 5 Dollar bei Reddit kaufen. Kontrolle über die Präsentation und Darstellung der Werbung behält Reddit seinen Werbekunden allerdings vor. Die Anzeigen sind eindeutig als Werbung oder Sponsored Content gekennzeichnet, passen sich aber nahtlos als Posts in das Design der Seite ein. Werbeanzeigen können, wie auch jeder andere Beitrag auf der Seite, up- und downgevoted werden. Sogar die Kommentarfunktion bleibt für Werbung und Sponsored Content meistens aktiviert. Der Verzicht auf auffällige Werbeanzeigen in hoher Zahl führt dazu, dass reddit.com bei den meisten populären Ad-Blockern ge-whitelisted ist. Das bedeutet, dass selbst Nutzer die einen Werbeblocker im Browser aktiviert haben, die unauffälligen Werbeanzeigen auf reddit sehen können. Banner und bewegliche Flash-Werbung waren lange ein absolutes No-Go auf Reddit, mittlerweile bietet der rechte Rand der Startseite aber Platz für zwei bunte Flash-Banner.

Zwei Banner und ein Sponsored Post auf der Reddit-Startseite.

Wie für viele Webseiten sind Werbeanzeigen besonders für das Reddit ein zweischneidiges Schwert. Obwohl sie zur Generierung von Umsätzen essentiell sind, bringen sie zwei spezifische Probleme mit sich. Wie kein anderes soziales Medium ist reddit.com auf die Aktivität und das Wohlwollen der Nutzer – Redditors genannt – angewiesen. Bereits mehrmals gab es, als Reaktion auf die Erweiterung des Werbeangebotes auf der Seite, kleinere Proteste unter vielen anti-kommerziell eingestellten Redditors. Um die Community nicht abzuschrecken oder zu einer Alternative zu treiben, muss die Art und Anzahl der Werbung von Reddit selbst also streng moderiert werden. Das zweite Problem das sich bei Werbeanzeigen im Reddit ergibt, steht in Verbindung mit dem ältesten und wichtigsten Grundsatz der Community: alles und jeder ist anonym. Um einen Nutzer-Account zu erstellen, wird nicht einmal eine E-Mail-Adresse benötigt und es gibt keinerlei Aktivierungsprozesse oder Prüfverfahren um die Echtheit eines Accounts zu überprüfen. Das bedeutet, dass keine Nutzerdaten aufgezeichnet und für personalisierte Werbeanzeigen verwendet werden können. Durch den Verzicht auf Nutzerdatensammlung sowie Banner- und Pop-Up-Werbung mit hohen Tausendkontaktpreisen, ist es für das Unternehmen nahezu unmöglich sich nur durch Werbeeinnahmen zu finanzieren. Die Einnahmen durch mehr Anzeigen zu erhöhen, birgt hingegen die Gefahr langjährige Nutzer abzuschrecken. Es muss also ein Mittelweg gefunden werden, wie Mitarbeiter und Serverkosten bezahlt werden ohne die Grundprinzipien der Seite zu vernachlässigen.

Gold für mehr Geld

Als weitere Maßnahme zur Finanzierung der Seite wurde 2010 das Reddit Gold Feature eingeführt. Eine Premiummitgliedschaft kann für 3,99 Dollar im Monat oder 29,99 Dollar im Jahr erworben und zusätzlich unter den Nutzern für gute Posts und Kommentare verschenkt werden. Das Premiumfeature beinhaltet neben diversen Individualisierungsmöglichkeiten zum Beispiel auch die Möglichkeit alle Werbeanzeigen auf der Seite auszublenden. Das Gold Modell wird außerdem von Unternehmen zum Influencer-Marketing auf Reddit genutzt. Produkte und Services werden Gold Nutzern vergünstigt oder kostenlos angeboten, um die Markenbekanntheit innerhalb der Reddit-Community zu steigern. Es lässt sich vermuten, dass die Seite das Reddit Gold zukünftig gerne als alleinige Finanzierungsmethode positionieren möchte. Ob das funktioniert, muss sich erst noch zeigen.

Ideen die kommen und gehen

In der zehnjährigen Laufbahn des Reddit wurden diverse weitere Konzepte ins Leben gerufen, wie die Einnahmen der Webseite vorangetrieben werden können. So sind beispielsweise offizielle Reddit-Apps auf Android und iOS verfügbar, die wiederum In-App-Advertising und kostenpflichtige Premium-Varianten anbieten. Bis 2015 gab es einen Reddit Marketplace, der Merchandising-Produkte mit dem Logo oder Maskottchen des Unternehmens verkaufte. Die Unterseite Redditgifts veranstaltet Geschenkaktionen zu den unterschiedlichsten Themen und Anlässen – unter anderem findet hier jährlich das größte Weihnachtswichteln der Welt mit über 200.000 Teilnehmern statt. Mittlerweile werden auf Redditgifts aber keine eigenen Geschenkideen mehr angeboten, weshalb auch diese Unterseite nur noch durch Werbeanzeigen und Premiummitgliedschaften finanziert wird.

Fazit

Obwohl das Reddit längst nicht mehr nur eine Nischen-Webseite für Computernerds ist, ist das Management des Unternehmens nicht gerade eifrig dabei, die Monetarisierung der Seite zu maximieren. Mit einer Community, die so essenziell für die Existenz des Reddit ist aber sich gleichzeitig nur sehr zögerlich für große Veränderungen begeistern lässt, scheint es fast so, als wäre mit der Kombination aus Werbung und Reddit Gold bereits die ideale Finanzierungslösung gefunden. Doch der Eindruck täuscht darüber hinweg, dass bei Reddit gerade einiges in Bewegung ist: So ist die Webseite seit dem 1. September 2017 keine Open-Source-Plattform mehr und bietet den Nutzern keine vollständige Transparenz mehr, sich an der Entwicklung der Seite zu beteiligen oder eigene Software mit Reddit-Implementierungen zu programmieren. Bis zum Ende des Jahres soll außerdem ein umfassendes Re-Design des Reddit stattfinden, welches sich sicherlich auch stark mit den Fragen rund um Werbeanzeigen und Sponsored Content beschäftigen wird. Die Zukunft der „FrontPage of the Interenet“ bleibt also ungewiss und die nächsten zehn Jahre der Entwicklung einer der heute beliebtesten Seiten im World Wide Web werden ohne Zweifel mindestens so aufregend wie die letzten zehn Jahre.

Ist sie tot? Untot? Oder lebendiger denn je? Dieser Tage wurden wir von den Kollegen der iBusiness überraschend mit der Frage konfrontiert, ob Pressemitteilungen in der heutigen Zeit überhaupt noch zeitgemäß sind. Überraschend deshalb, weil wir nicht ernsthaft gedacht hatte. dass jemand die Pressemitteilung grundsätzlich in Frage stellt. Denn aus unserer Sicht sind PMs auch heute noch ein wichtiges Element in der Unternehmenskommunikation und haben nichts an Relevanz verloren. Allerdings werden sie mittlerweile eingebettet in eine deutlich umfangreichere Klaviatur an Kommunikationstools (Blogs, Social und Owned Media uvm.).

Aber: Weit über 90 Prozent aller PMs, so unsere Schätzung, landen im digitalen Papierkorb der Redaktionen. Grund genug, sich in der dritten Folge unseres PR-Lexikons „Der Pressemitteilung“ etwas ausführlicher zu widmen:

Wer, was, wann, wie, wo und vor allem warum und wozu?

In der journalistischen Ausbildung lernt man in der Regel früh, dass nachrichtliche Texte die berühmten W-Fragen sehr schnell beantworten müssen. Weil wir idealistischerweise davon ausgehen, dass Pressemitteilungen Nachrichtenwert haben, sollten sie denselben Regeln folgen, sonst sind sie für Journalisten nicht relevant. Tun sie das nicht, sinken ihre Chancen rapide, von den Medien in der Berichterstattung berücksichtigt zu werden. Wer in Betreffzeile und/oder Headline nicht überzeugt, fällt sofort durchs Raster. Und je höher die Adjektivdichte im Text, umso niedriger die Chancen, Abdruck zu finden.

Gute PMs haben auch in der Generation Smartphone weiter Chancen: 60 Prozent der Jungredakteure, so eine aktuelle Umfrage der dpa-Tochter newsaktuell zusammen mit Faktenkontor, bezeichnen PMs als „eines der wichtigsten Informationsmittel, die Unternehmen und Organisationen liefern müssen“.  Immerhin 44 Prozent der Journalisten aller Altersgruppen, sind derselben Ansicht.

Und das sind klassische Themen, die im Format Pressemitteilung gut aufgehoben sind:

  • Personalien
  • Unternehmensbeteiligungen, Fusionen, Zukäufe etc. 
  • Analysen, Studien und Zahlen, sofern sie einen klaren Nachrichtenwert haben
  • ein offizielles Statement zu einer falschen Behauptung, die in der Öffentlichkeit kursiert

Wenig Aussicht auf Erfolg haben:

  • Produktpressemitteilungen (Es sei denn sie kommen von Apple, Tesla & Co. oder von wirklichen Innovatoren oder sie erreichen spezialisierte Redaktionen im Vorfeld einer großen Messe wie der IFA, der IAA oder ähnlichen Großveranstaltungen für Konsumgüter)
  • Messe-PMs (Unternehmen A stellt auf Stand 04 in Halle X aus) 
  • Wir sind ein wahnsinnig cooles Unternehmen-PMs (Unternehmen B setzt konsequent auf Nachhaltigkeit)
  • Award-PMs (meist hat nämlich das Award-verleihende Gremium eine PM bereits verschickt. Wenn nicht, ist es der Award nicht wert)

Natürlich gibt es auch gelegentlich Anlässe, Pressemitteilungen bewusst NICHT mit dem klassischen W-Fragen-Einstieg zu beginnen. Verwendbare PMs zitieren dann Marktzahlen oder aktuelle Geschehnisse als Einstieg:

Generell gilt: Bevor man sich an den PM-Entwurf setzt, den Newswert für die Medien selbstkritisch hinterfragen. Und überlegen, ob die Pressemitteilung wirklich das beste Format für das jeweilige Thema ist.

Für gedruckte Wochen- und Monatsmedien, die in der Berichterstattung zunehmend eigene Akzente setzen müssen, sind Informationen aus Pressemittlungen allenfalls als Impuls für weiterführende Geschichten interessant. Für Onlinemedien und Tageszeitungen sind PMs ein wichtiger Baustein. Würden sich alle Pressestellen dieser Republik ohne Vorwarnung auf einen „pressemitteilungsfreien Tag“ verständigen, würden einige Online-Redaktionen schwer ins Schwimmen kommen.  

Die Masse machts – ganz und gar nicht!

Normale Fachredaktionen und Wirtschaftsmedien erhalten heute in der Regel mehrere hundert Pressemitteilungen pro Tag. Bei w&v gehen nach eigenen Angaben rund 400 PMs täglich ein, bei iBusiness im Vorfeld der diesjährigen dmexco 325. D.h. mindestens jede zweite Minute ploppt eine PM in den Redaktionsmails auf. Mehr als ein kurzer Blick auf die Betreffzeile und den Einstieg der PM ist da für den Redakteur nicht drin. Wer an dieser Schwelle weiterkommen will, muss mit Inhalten und einer interessant klingenden Headline überzeugen. Und wer wirklich Berücksichtigung finden will UND spannende Sachen zu erzählen hat, sollte vor dem Versand der PM lieber zum Telefonhörer greifen. 

Schlechte, weil irrelevante Pressemitteilungen gibt es viel zu viele. Ganz besonders unbeliebt macht sich aber in Redaktionen, wer nach dem Versand anruft und fragt: „Haben Sie unsere Pressemitteilung bekommen?“ Könnte man Stromschläge durch Telefonhörer schicken, würden diese Mitarbeiter von PR-Agenturen und Unternehmen wochenlang mit einer Dauerwelle durchs Büro laufen. Zum wechselseitigen Respekt im Alltag gehört es nämlich auch, dass die PR den Medien keine Zeit stiehlt.   

 

Vor einer Woche startete „Emoji – Der Film“ in den deutschen Kinos. Den kann man jetzt gut finden, muss man aber nicht. Was aber richtig gut läuft, sind Emojis. Das beweist nicht nur gefühlt jede Mama mit täglichen Smiley-gespickten WhatsApp-Nachrichten. Lustige Zeichenkombinationen, die Gesichtern ähneln gibt es schon seit Ewigkeiten: das früheste Emoticon ist übrigens 🙂 – 1982 tauchte es zum ersten Mal auf. Emojis sind sozusagen die Emoticons 2.0. Sie gibt es schon seit Ende der 90er Jahre – aber sie stellen im Gegensatz zu ihren Vorläufern eben richtige Bildchen dar. Heute sind sie aus unserer alltäglichen Kommunikation nicht mehr wegzudenken, oder? 🤓 Sogar der Duden hat das Wort „Emoji“ jetzt offiziell aufgenommen.

Und wenn man die Zahlen betrachtet, kann man davon ausgehen, dass Emojis das nächste Trend-Thema in der Werbung werden 🙈. Laut einer Studie sind die Interaktionsraten auf Instagram-Posts 17 Prozent höher, wenn Emojis genutzt werden. Mittlerweile nutzen über 90 Prozent aller Internetuser Emojis für ihre Kommunikation im Netz.

Vorsicht bei Gemüse

Angesichts solcher Zahlen sollte es für Marken und Unternehmen eigentlich auf der Hand liegen, sich die bunten Bildchen mal ein bisschen näher anzusehen. Allerdings gibt es wie bei allen neuen Marketingformen natürlich auch beim Emoji Marketing einige Stolperfallen, die es zu meiden gilt.

So ist es zum Beispiel nicht wirklich cool, einen gesamten Post mit möglichst vielen Emojis vollzuknallen. Ja, wir haben verstanden, dass Emojis gut sind – aber bitte nicht übertreiben. Und bitte setzt die Emojis nicht nur aus dem Grund ein, dass sie bei den jungen Leuten gerade angesagt sind. Denn das ist ungefähr genauso gekonnt, wie Waschmittel von Influencern in Federbetten bewerben zu lassen.

Aus der Kategorie überflüssig, unpassend und verwirrend: eine Pressemitteilung von Chevrolet.

chevrolet-pressemitteilung

Ist total klar, was gemeint ist, oder? Wer den Code jetzt auf die Schnelle nicht ganz knacken konnte, bekommt hier  die Übersetzung. In diesem Fall wäre weniger aber definitiv mehr gewesen.

In die gleiche Falle tappte auch Goldman Sachs. Die spickten einen Tweet zur Veröffentlichung einer Studie zu Millenials einfach mal mit ein paar total sinnvollen Emojis. Schließlich bewegen sich diese Millenials ja den ganzen Tag im Netz und kommunizieren ausschließlich über Nachrichten mit kleinen Bildchen. Diese Einstellung ging aber ziemlich nach hinten los – und sorgte für viel Hohn und Spott bei Twitter.

goldmansachs-tweet

 

Gerade global tätige Unternehmen tun gut damit, Emoji-Kampagnen möglichst national auszuspielen. Denn viele Emojis haben in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedliche Bedeutungen. Das Emoji, das wir normalerweise als trauriges Emoji 😪 kennen, bedeutet in Japan „schlafen“. Und wo wir gerade bei unterschiedlichen Bedeutungen sind: Vorsicht, bei der Verwendung von Gemüse-Emojis! Denn sagen wir es mal so: wirbt ein Bioladen mit einem Auberginen-Emoji 🍆, wird sich möglicherweise die falsche Zielgruppe angesprochen fühlen.

Emoji Marketing: So geht’s richtig

Ein Beispiel für gelungenes Emoji Marketing kommt von Domino’s Pizza. Die machten ihr Lieblings-Emoji nämlich kurzerhand zum Gegenstand einer interaktiven Werbekampagne. Schickte man auf Twitter ein Pizzastück-Emoji 🍕 an die US-amerikanische Kette, bestellt man automatisch eine Pizza (natürlich vorausgesetzt, man hatte einen Domino‘s Account, in dem der eigene Twitter-Handle hinterlegt war). Für die Kampagne gab es 2015 sogar den Sieg im Titanium Grand Prix in Cannes. Für die faulen Couchpotatoes unter uns ist das eine ziemlich geniale Idee.

Auch ziemlich erfolgreich im Emoji Marketing ist Coca Cola. Das Unternehmen macht immer mal wieder mit eigens kreierten Emoji-Hashtag Kombinationen von sich reden. 2015 waren sie die erste Marke, die auf Twitter einen eigenen Emoji bekam. Posteten User den Hashtag „#ShareaCoke“, erschienen dahinter zwei Glasflaschen im bekannten Cola-Look. Mit Erfolg: Die Kampagne generierte 170,500 Erwähnungen auf Twitter – innerhalb eines Tages.

share-a-coke-tweet

 

Meine Lieblings-Emoji-Kampagne kam zum Filmstart von Deadpool raus. Auf großen Billboards in Städten und an Highways in den USA wurde nämlich folgendermaßen für den Film getrommelt:

deadpool-billboard

Screenshot: Adweek.com

Zugegeben, es hat ein bisschen gedauert, die Botschaft zu entschlüsseln – aber der Lacher danach war umso größer. Für alle, die keine Lust auf entschlüsseln haben: Die Kombination liest sich auf englisch Dead+Poo+L. Und die frechen Emojis passen perfekt zum Film – denn der ist schließlich alles andere als brav und angepasst.

Generell sind Emojis also eine gute Sache im Marketing. Und sie haben einen riesigen Vorteil gegenüber unserer Schriftsprache: sie werden fast überall verstanden. Außerdem sind sie wunderbare Eyecatcher – und steigern so nachweislich die Interaktion mit Social Media Posts des Unternehmens.
Für diese lohnt sich der Einsatz von Emojis genau dann, wenn ein bestimmtes Emoji mit der eigenen Marke assoziiert wird. Dann fungiert nämlich jeder Nutzer als Markenbotschafter. Das ist vor allem bei großen Marken der Fall – kleine Marken müssen da schon ein bisschen mehr Hirnschmalz in die Kampagnen stecken.

Storytelling ist im Marketing ja gerade in aller Munde. Dass sich Botschaften in Geschichten verpackt besser aufnehmen und erinnern lassen, haben mittlerweile viele werbetreibende Unternehmen verstanden. Doch es gibt immer noch Zweifler, Skeptiker und Gegner der bunten Geschichten.

Ich habe mich in der Akademie der bayrischen Presse gemeinsam mit neun anderen Teilnehmern drei Tage lang ausgiebig mit den Zielen, Methoden und Möglichkeiten von Storytelling befasst und fünf Gründe zusammengetragen, die dafür sprechen und gutes Storytelling ausmachen.

1. Menschen lieben Geschichten

Angefangen mit der Gute-Nacht-Geschichte von Mama oder Papa über Opas Märchenstunde bis zum Heldenepos im Kino: Menschen lieben Geschichten. Ist die Geschichte spannend genug, kann der Leser, Hörer oder Zuschauer oft gar nicht abwarten, wie sie endet. Diesen Effekt sollte man auch für seine Unternehmenskommunikation nutzen.

2. Authentizität

„Das Leben bietet die besten Geschichten, aber aufschreiben müssen wir sie selber.“ Dieses Zitat ist mir vom Seminar am besten in Erinnerung geblieben. In Zeiten von vielen vermeintlich „echten“ Einblicken in den Alltag von Freunden, Prominenten oder auch Unternehmen in sozialen Netzwerken wirken glattgebügelte Werbebotschaften nur noch platt. Wer dagegen ungeschönt aus seinem Unternehmens- beziehungsweise Arbeitsalltag erzählt, wirkt echt und greifbar.

3. Unterhaltung

Mal ehrlich, warum greifen wir zur Zeitschrift, Fernbedienung oder zum Smartphone? Weil es in erster Linie unterhaltsam ist. Natürlich möchte man sich auch informieren, etwas lernen und sich in einer unübersichtlichen Welt zurechtfinden, aber Unterhaltung ist immer noch der stärkste Anreiz für Mediennutzung. Wer als Unternehmen seine Zielgruppen nicht nur mit Werbung bombardiert, sondern spannende Geschichten in Form von Kunden- und Mitarbeitermagazinen, Corporate Blogs oder auch Videos anbietet, kann gezielt Aufmerksamkeit wecken, ohne plump und werblich mit der Tür ins Haus zu fallen.

4. Im Kopf bleiben

Ich habe mir früher in der Schulzeit Vokabeln und Grammatikregeln immer am besten mit Eselsbrücken – also kleinen Geschichten – merken können. Genauso ist es auch mit den Werten und Zielen von Unternehmen. Eingebettet in nachvollziehbare Geschichten, bleiben sie in der täglichen Informationsflut, die auf uns einströmt, viel besser im Kopf.

5. Kundenbindung stärken

Kundenmagazine oder andere Storytelling-Maßnahmen können die Kontaktzeit, die ein Kunde mit Ihrem Unternehmen hat, deutlich verlängern. Während von Werbung eher ein kurzfristiger Impuls ausgeht, wirkt das Lesen in Magazinen, das Stöbern in Blogs oder das Schauen mehrminütiger Videos langfristig. Auch wenn keine plumpen Calls to Action wie „Kauf mich“ den Leser zum Kauf anreizen, kann allein die Beschäftigung mit dem Unternehmen das Image positiv beeinflussen.

Chatbot ZeichnungZum 1. April haben wir ja unseren eigenen Chatbot „Chad Bott“ gelauncht.  Das ist ein guter Anlass einmal den Blick auf das vielseitige Chat-Bot-Angebot der Konkurrenz zu werfen und die Tasten glühen zu lassen. Die letzten Tage habe ich mir Tipps geben lassen, gequizzt, Rezepte vorschlagen lassen, mich über aktuelle Nachrichten informiert, anderen Menschen beim Treffen von Entscheidungen geholfen, mir Flüge und Outfits vorschlagen lassen, immer wieder „Los geht’s“ geklickt oder „Hallo“ geschrieben und bin mir dabei irgendwie immer vorgekommen wie im Gespräch mit meinem Freund während ein Bundesliga-Spiel im Fernsehen läuft. Die Antworten kamen entweder gar nicht,  stark verzögert oder beantworteten meistens gar nicht die gestellte Frage. Natürlich gibt es einige Ausnahmen, die wirklich Spaß machen oder hinter denen Idee und Umsetzung nicht nur stimmen, sondern auch einen Mehrwert bieten. Für den Großteil der Chatbots trifft das aber nicht zu.

Besonders im letzten Jahr haben immer mehr Unternehmen ihre eigenen virtuellen Assistenten präsentiert. Chatbots sind aber keine Erfindung des Jahres 2016. Der erste Chatbot erblickte schon 1966 die Welt, Name: Eliza. In ihrem Können ist Eliza sehr eingeschränkt, Spaß macht eine Therapiestunde mit ihr aber trotzdem. Die Mutter aller Chatbots ist nämlich Psychotherapeutin. Namensgeberin ist die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle, aus dem Stück „Pygmalion“ von George Bernard Shaw, die nur durch sprachliche „Erziehung“ durch den Professor Henry Higgins zu einer Herzogin gemacht wird. Joseph Weizenbaum, Elizas Erfinder, wollte Mensch und Computer erstmals in natürlicher Art und Weise kommunizieren lassen – aus der elektronischen Datenverarbeitungsanlage eine Therapeutin machen.

Heute können Chatbots schon mehr: Sie spielen in Echtzeit Informationen aus, schicken personalisierte Bewegtbilder oder leiten den Kunden durch den Einkauf im Webshop. Hier sind drei Beispiele für Messenger-Bots, bei denen sich eine Nachricht durchaus lohnt:

  1. Der Bote der Sparkasse alias Der Rüpel unter den Boten
Screenshot Facebook Sparkassen-Bot

Screenshot Facebook

Um die Bezahl-App Kwitt zur bewerben, schickte die Sparkasse Anfang Februar ein äußerst sympathisches Kerlchen los. Der muskelbepackte, tätowierte Riese mit der Türen-Allergie soll Freunde daran erinnern, Schulden zu begleichen oder sich einfach mal wieder zu melden. Anhand von festen Auswahlmöglichkeiten wird man durch das virtuelle Auftragsgespräch geleitet. Besonders lustig dabei: Der Chatbot macht auch Autokorrektur-Fehler, regt sich dann über das Ergebnis auf („Alles klar, Schulden eintreiben is mein Spekulatius. F*** Autokorrektur Spekulatius = Spezialgebiet“) und hat das ein oder andere derbe Schimpfwort in petto. Diese nonchalante Art ist einfach sympathisch, zumal der Chatbot von einer Sparkasse kommt und die ja nicht gerade bekannt dafür sind besonders lässig zu sein.

Nachdem der Chatbot die Summe der Schulden und den Vornamen des Sünders erfragt hat, klopft er noch schnell einen Spruch über genau diesen („HAHA!!! Ich hatte mal n Schmusekätzchen, das hieß auch so.“) und erstellt ein personalisiertes Video, bei dem man als Schuldeneintreib-Auftraggeber auch noch die Möglichkeit hat, eine persönliche Nachricht zu hinterlassen. Schließlich gibt es noch ein GIF vom Boten und dann ist das Video auch schon fertig. Im Video wütet der Koloss durch ein Haus, bricht durch die Wand und fordert den Schuldner mittels passendem Tattoo auf, das Geld endlich zurückzugeben, natürlich über die Sparkassen-App. Als der Bote dann das Handy mit geöffneter App in die Kamera hält, ruft Mutti an und der Muskelprotz wird ganz kleinlaut. Das Video kann ich dann an denjenigen schicken und teilen.

Das ist selbstironisches, gelungenes Storytelling und macht einfach Spaß! Im Gegensatz zu anderen Bots hatte ich hier das Gefühl mit einem echten Schuldeinetreiber-Hulk zu chatten – auch wenn die Konversation von meiner Seite hauptsächlich aus der Auswahl von Antwortmöglichkeiten bestand. Das nehme ich aber gerne in Kauf, wenn das Ergebnis so gut ist.

  1. Lufthansa Best Price Mildred alias Die nette, aber ein bisschen verpeilte Reisebüro-Angestellte
Screenshot Facebook Lufthansa Chatbot

Screenshot Facebook

Bei diesem Chatbot hat mir die Idee besser gefallen als die tatsächliche Umsetzung. Mildred, die Assistentin mit den lila Haaren, hilft per Facebook-Messenger passende Lufthansa-Flüge zu finden. Zum Test habe ich nach Flügen von München nach London und zurück gesucht. Allerdings scheint Mildred ein bisschen verplant zu sein und umgeht dann gerne wichtige Fragen, wie „Wann möchtest du nach London fliegen?“. Mildred sucht nämlich einfach nach dem einen, billigsten Flug in den nächsten 12 Monaten mit einer Aufenthaltsdauer von einer Woche. Das ist zwar nett, aber in der Wirklichkeit oft schlecht umsetzbar. Schließlich schwebt einem meistens schon ein konkretes Reisedatum mit Hin- und Rückflug vor, Städtetrips dauern auch gerne mal nur ein paar Tage statt einer ganzen Woche. Schlägt man Mildred dann einen anderen Monat für die Reise vor, hat sie auch schon wieder das Reiseziel vergessen und macht aus „London“ ganz fix – wieso auch immer – „Karlsruhe“.

Positiv war aber, dass sie mir nachdem ich noch einmal gesammelt „München – London Mai“ eingegeben habe, tatsächlich sehr günstige Hin- und Rückflüge ausgespielt hat – verkürzen von sieben auf 4 Tage, das hat sie allerdings nicht geschafft.

Bei diesem Bot finde ich die Idee toll und das Vorhaben sehr rühmlich den Fluggästen diesen Service zu bieten. Findet man den Flug passend, leitet sie einen sofort zur Buchungsseite weiter und wenn ich Glück habe, hat der ganze Prozess dann nur rund fünf Minuten gedauert. Natürlich kann ich das auch einfach über die Website machen, einen Flug über einen Chatbot zu buchen, ist aber trotzdem eine nette Abwechslung.

  1. Tommy Hilfiger alias Hipp, hipper, happy shopping!
Screenshot Facebook Tommy Hilfiger Facebook

Screenshot Facebook

Ein besonders gutes Beispiel für einen eCommerce-Chatbot ist der von Tommy Hilfiger. Wer keine Zeit hat, die neusten Teile im Laden zu bestaunen und genervt ist vom Durchklicken durch die Website, der ist hier richtig. Die drei Menü-Optionen „Shop Collection“, „Find your New Look“ und „Customer Service“ sind auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten. Besonders gut fand ich die Option „Find Your New Look“, hier werden anhand von fünf Fragen zum persönlichen Style und Anlass drei unterschiedliche Look-Vorschläge gemacht. Bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden oder habe unterschiedliche Anlässe, kann ich die Suche auch wieder modifizieren.

Der Chatbot ist zwar auch hier relativ beschränkt in seinen Fähigkeiten und mein Shopping-Verhalten wird er zwar nicht für immer verändern, eine coole Aktion für die User ist es aber trotzdem.

Spiel, Spaß und wenig Revolution

In den letzten Wochen habe ich ziemlich oft gelesen, dass Chatbots die Kommunikation mit dem Kunden  grundsätzlich verändern werden. Das mag in ferner Zukunft so sein, aktuell funktionieren die virtuellen Assistenten aber noch viel zu ungenau und ersetzen nicht den Besuch der jeweiligen Websites oder den Kontakt mit echten Menschen.

Aktionen wie virtuelle Steuereintreiber sind Gags, die den Büroalltag versüßen und Marken die Möglichkeit geben, eine andere Seite von sich zu zeigen. Eine Revolution sieht aber anders aus.

P.S.: Für alle, die noch mehr über Chatbots wissen wollen und Interesse an einem richtig guten Nachrichten-Bot haben, gibt es nächste Woche einen Blog-Beitrag über Resi von meiner Kollegin Esther.

von

Was für das digitale Marketing die dmexco ist, ist die Digital Insurance Agenda, kurz DIA, für die noch wesentlich jüngere InsurTech-Szene: Die globale Leitkonferenz, bei der sich die Entscheider aus aller Welt versammeln, um die heißesten Startups, die neuesten Businessmodelle und clevere Brückenschläge zwischen den etablierten Größen der Branche und den neuen InsurTechs kennenzulernen.

Im vergangen Jahr feierte die Digital Insurance Agenda ihre eindrucksvolle Premiere in Barcelona. Über 550 Teilnehmer von über 200 Firmen aus 36 Nationen machten die DIA zur wichtigsten globalen Konferenz, die InsurTechs und etablierte Versicherungs- und Finanzunternehmen auf C-Level zusammenbringt. Firmen wie AEGON, Ageas, Allianz, Anbang, Arag, Aviva, AXA, Baloise, Die Mobiliar, DKV, Generali, Munich Re, Nationale Nederlanden, Swiss Re, Topdanmark, VidaCaixa und Zurich Financial Services gehörten beispielsweise zu den Teilnehmern und Referenten. Hier ein paar Impressionen vom vergangenen Jahr:

Die zweite Auflage der DIA findet in diesem Jahr  am 10 und 11. Mai in Amsterdam statt. cocodibu unterstützt die Veranstalter mit PR und Social Media für den deutschsprachigen Raum. Für alle Interessenten aus der deutschsprachigen Versicherungs- und InsurTech-Branche, haben wir ein spezielles Partnerangebot: 200 € Ersparnis gegenüber dem jeweils regulären Ticketpreis, wenn Sie sich mit folgenden Code anmelden:

HIER geht’s zum Ticket!

Sind Sie an News rund um das Programm und die Konferenz der DIA interessiert? Dann empfehlen wir unsere Xing-Gruppe, in der wir Sie auf dem Laufenden halten werden.

Und natürlich werden wir selbst auch auf der DIA vor Ort sein. See you in Amsterdam!

Location mit Flair: Die Westergasfabriek in Amsterdam bildet 2017 den Rahmen für die DIA

Fotolia/alphaspirit

„Haben die eigentlich nicht gelernt, sich zu benehmen?“, habe ich mich schon häufig gefragt, wenn ich durch meinen privaten Newsfeed bei Facebook gescrollt habe. Menschen, die andere Menschen noch nicht einmal kennen, hauen dort teilweise unfaire und persönlich beleidigende Kommentare raus – das hat mit konstruktiver Kritik überhaupt nichts mehr zu tun. Ich frage mich, warum Menschen im Netz so häufig ihr gutes Benehmen verlieren und unter die Gürtellinie gehen. Im privaten Umfeld ist das die eine Sache, im beruflichen die andere – und für mich auch die weitaus unangenehmere und ein absolutes No Go.

Ich möchte an dieser Stelle keinen Knigge für das Verhalten im Netz verfassen, aber es gab einen Anlass, bei dem ich fand, dass das Verhalten einiger Facebook-User unterirdisch war. Ein Kunde wurde aufgrund eines Beitrags, den W&V auf Facebook veröffentlichte,  recht persönlich angegangen. Kurz zusammengefasst: Es ging um die Online-Marketing-Rockstars-Konferenz. Besagter Kunde schrieb einen Gastbeitrag dazu, warum die Bezeichnung Rockstar in der Digitalbranche eine gewisse Überhöhung der eigenen Tätigkeit suggeriert, die nicht notwendig ist. UNERHÖRT, wie kann denn jemand auf die Idee kommen, einfach so ungefragt Kritik an dem Event schlechthin zu üben? „Das geht gar nicht!“ dachten sich einige Facebook-User und machten ihrem Ärger unter dem Beitrag Luft. Was auffällig war: Die Kritik hatte mit dem Inhalt des Beitrags, abgesehen von einem einzigen Kommentar, rein gar nichts zu tun. Gestartet wurden hingegen persönliche Angriffe auf das Äußere des Kunden oder auf sein Unternehmen. Von Respekt überhaupt keine Spur. Scheinbar fühlten sich diese Facebook-User persönlich angegriffen. Das gibt aber, aus meiner Sicht, noch lange keinem das Recht, andere Menschen persönlich zu diffamieren. Was mich noch mehr verwundert hat, war, dass diese Leute sich keineswegs anonym geäußert haben, sondern  mit ihren privaten Profilen dort kommentierten. Wohlgemerkt nicht auf privater Ebene, sondern auf einem Facebook-Profil, das viel mehr im beruflichen Alltag genutzt wird. Nachdem ich gemeinsam mit meinem Kunden eine Antwort verfasst hatte, in der wir noch einmal respektvoll darauf hinwiesen, was die eigentliche Aussage des Textes sein sollte,  waren die Anfeindungen schnell vorbei.  Die Lust an einer inhaltlichen Auseinandersetzung war augenscheinlich nicht gegeben. Oder war allein die Tatsache, dass der Angegriffene in die Diskussion eingriff, der Grund dafür, dass diese augenblicklich verebbte? Das wäre mehr als schwach!

Was ist online anders?

Debatten entgleisen im Internet viel schneller als Face-to-Face. Im besagten Fall kann ich mir kaum vorstellen, dass einer derjenigen, die kommentiert haben, meinem Kunden ihre Meinung so deutlich  ins Gesicht gesagt hätte. Derartige Anfeindungen hätte ich auch eher im Kindergarten verortet, aber nicht unter Erwachsenen. Ich habe mich gefragt, warum Menschen so unfair reagieren: Neid, Unzufriedenheit, zu viel Zeit? Es geht wohl wieder mal um das Phänomen der „Unsichtbarkeit“. Ein Begriff aus der Fachsprache. Bedeutet nicht, dass sich Facebook-Nutzer anonym äußern, sondern vielmehr, dass etwas Entscheidendes fehlt: Der Augenkontakt, die Mimik, die Gestik, die Stimme des Gesprächspartners – einfach das gesamte physische Gegenüber.  Diese sogenannte „Unsichtbarkeit“ enthemmt uns, und die ein oder andere unangebrachte Bemerkung rutscht uns leichter über die Lippen oder besser gesagt: über die Tastatur.

Ein Schlag ins Gesicht

Kritisiert wird niemand gern. Erst recht nicht, wenn es keine konstruktive Kritik ist. Beleidigungen und Beschimpfungen gehen weder im Netz, noch persönlich. Besonders dann nicht, wenn es im beruflichen Umfeld ist. Dass mein Kunde mit einem Beitrag, der Leute zur Selbstreflexion zwingt, Gegenwind bekommen würde, war von Anfang an klar. Aber nicht auf diese Art und Weise. Für Betroffene ist das verletzend. Darüber hinaus entsteht schnell eine Gruppendynamik. Mobbt einer, springen andere auf den Zug auf und mobben mit.

#nohate

Also Leute, wo würden wir hinkommen, wenn wir alle einer Meinung wären? Das wäre ja sterbenslangweilig! Ich lese mir auch gerne Kritik durch, wenn ich etwas damit anfangen kann und sie nachvollziehbar ist. Wüste Beschimpfungen und persönliche Beleidigungen finde ich einfach nur lächerlich und zeugen für mich von einem schwachen Charakter. Manchmal hilft es auch sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und nachzudenken, bevor man tippt – das hilft sowieso immer ganz gut.

von

Der März ist innerhalb des Kalenderjahres zusammen mit dem September wohl der Monat mit der höchsten Dichte an Fachmessen und -konferenzen. Auch in unserer Branche. Und gerade in München. Da finden im März gleich sechs Veranstaltungen statt, die einen Besuch wert sind:

die Messe Internet World (7.-8.3.) für alle eCommerce-Profis
die Content Marketing Conference&Exposition (CMCX, ebenfalls 7.-8.3.)
Data Driven Marketing in eCommerce (DDME, 7.3.)
das SEO-Klassentreffen SMX (14.-15.3.)
die AFBMC für alle Facebook und Social Marketer (14.3.)
die Premiere der All Influencer Marketing Conference (15.3.)

Für alle Leser unseres Blogs haben wir von der Neuen Mediengesellschaft Ulm für die DDME und für den bereits am 13./14. Februar in München stattfindenden Performance Marketing Gipfel CPX ein spezielles Angebot: 140 € Rabatt auf sein Ticket (normalerweise 890 € für zwei Tage bei der CPX und 690 € für den DDME) erhält, wer bei der Anmeldung folgenden Code eingibt: DDME17coco oder CPX17coco.

Auch Rising Media, der Kongressveranstalter von SMX, AFBMC und All Influencer, hat ein spezielles Angebot für unserer Leser: einen 15 %-Rabatt auf das reguläre Ticket. Wie kommt Ihr an den Rabatt? Einfach auf das Banner der Veranstaltung klicken, die Euch interessiert.

afmc17mun_300x250

aimc_300x250_live

smxde17_300x250

Und noch ein Spartipp: 25 % des regulären Ticketpreises von 399 € (Summit & Workshop) kann noch bis 31.März 2017 sparen, wer jetzt das Ticket für den Performance Marketing Summit von intelliAd Media (28.6., ebenfalls in München) zum Early-Bird (299 €) erwirbt. Tickets für den Summit gibt es bereits ab 149 €.

iAd PMS Summit

Wir wünschen Euch viel Spass. Vielleicht treffen wir uns ja vor Ort. Oder auf bei den Online Marketing Rockstars, am 2. und 3 März in Hamburg, wo wir natürlich als Digital Groupies ebenfalls vertreten sind.

 

Das Banking der Zukunft ist eigentlich keine Bank mehr. Zumindest nicht in dem Sinne, wie wir sie heute verstehen. Sie ist ein Café mit angeschlossenem Finanzvertrieb oder eine Lounge mit Screens, auf denen Aktien oder Versicherungen erklärt, analysiert und verkauft werden können. Sie ist unterteilt in einen öffentlichen Showroom und abgetrennte Bereiche für Kundengespräche, die Privatsphäre benötigen. Und am digitalen POS der Zukunft werden alle Arten von Finanzdienstleistungen verkauft: Anleihen, Aktien, Sparpläne, Immobilienfinanzierungen,Versicherungen uvm. Möglich ist das, weil Experten für die jeweiligen Produkte per Video-Call in die Beratung mit eingebunden werden können. Alle Daten (auch die persönlichen der Kunden) liegen im System vor und können über Touchscreens unterschiedlicher Größe im Rahmen der Beratung herangezogen werden.

Noch sieht die Bankfiliale der Gegenwart natürlich ganz anders aus. Was Serviceplan gemeinsam mit seinen Partner (u.a. Cisco, EY, Vitra, Tangible Display und weshop.one) in seinem als Labor konzipierten Showroom „wefinance“ zeigt, ist aber als Vision beeindruckend. Physische Gegenstände wie z.B. ein adidas Sneaker sind so mit den Screens verknüpft, das haptische Gegenstände automatisiert digitale Information aufrufen (siehe Bild).

Quelle: Serviceplan

Foto: Serviceplan

Besonders beeindruckt hat bei der Live-Demo von wefinance die persönliche Analyse der Kundendaten, die – umgesetzt von Tangible Display – nicht nur Einkommen und Ausgaben en Detail aufschlüsseln, sondern über Grafiken, Chart und andere einfache Visualisierungen am Screen die persönlichen Finanzen anfassbar machen. Das Zuschalten von Experten im Bluescreen-Modus (der/die Experte/in kann vor jedem Hintergrund eingeblendet werden) kennt der ein oder andere Bankkunde in Ansätzen ja bereits von der Videoberatung.

Netter Gag bei Präsentation: Börsenexperte Markus Koch berichtete live von der Wall-Street über die  Auswirkungen der Trumpf-Wahl auf die Aktienmärkte.

Lauschen den Ausführungen von Markus Koch: Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken (re.) und Christian Rößler (Mi.), Managing Partner, weshop.one. Foto: cocodibu

Lauschen den Ausführungen des Börsenexperten Markus Koch: Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken (re.) und Christian Rößler (Mi.), Managing Partner, weshop.one. Foto: cocodibu

In diesen Genuss wird sicher nicht jeder Gast des wefinance-Shops kommen, aber ein Besuch lohnt für Banker, Finanz- und Versicherungsfirmen allemal. Wer vorerst keine Zeit findet, erhält im folgenden Video einen kleinen Rundgang:

In der ersten Folge unseres kleinen PRaxis-Lexikons „PR-Journalist, Journalist-PR“ hatten wir uns an der Übersetzung versucht, was es heißt, wenn beide Seiten sagen: „Ich melde mich!“. In Folge 2 widmen wir uns einem – angesichts der drohenden dmexco – absolut aktuellem Thema: dem Messegespräch. Oder, was passiert, wenn PR versucht Journalisten auf den Stand einzuladen, weil Kunden vor Ort mit wichtigen Journalisten sprechen wollen.

Lexikon

PR sagt:
Lieber Journalist, sind Sie auf der gamescom/dmexco oder Sonstwie-Messe? Wir würden Sie nämlich gerne an den Stand unseres Kunden X zu einem Gespräch mit dem Vorstand/Geschäftsführer/Entscheider Z einladen?“
und meint:
Hofffentlich stimmt die Akkreditierungsliste und er ist überhaupt auf der Messe. Und hoffentlich fragt er jetzt nicht nach, was die News sein soll, die er vom Kunden gerade am Stand erfahren soll.

Journalist sagt:
„Wenn nichts Dringendes dazwischenkommt, bin ich vor Ort. Allerdings nur einen Tag und ich bin schon  ziemlich dicht mit Terminen. Gibt es denn etwas Berichtenswertes, was mir ihr Kunde unbedingt am Messestand erzählen muss.“
und denkt sich:
Du bist jetzt der 30. PRler, der mich vor der Messe nervt. Und bisher hatten 29,5 KEINE relevante News. Ich fahr doch nicht dahin, um Smalltalk an Eurem Stand zu machen, wo ihr doch schon letztes Jahr nichts Vernünftiges zu Essen und Trinken hattet.

PR sagt:
„Der Vorstand/Entscheider würde Sie gerne mal persönlich kennenlernen und sich mit Ihnen über aktuelle Marktentwicklungen unterhalten. Eine spezielle News oder etwas Exklusives für Sie gibt es vor Ort zwar nicht, weil wir ja bereits vor der Messe über unsere Neuheiten informieren, aber wir haben etliche neue Produkte, die wir zur Messe vorstellen werden.
und denkt sich:
Hast ja recht mit Deiner Rückfrage, aber wäre doch trotzdem ganz nett, mal dem Vorstand die Hand zu schütteln und ihn persönlich kennenzulernen, oder?. Muss ja nicht lang sein. Ein Kaffee, ein Handshake würde doch auch reichen. Und außerdem will der Entscheider Journalistentermine auf der Messe. Sonst hat er doch das Gefühl, dass er nicht wichtig ist.

Journalist sagt:
„Schade, ich habe wirklich wenig Zeit. Vielleicht melde ich mich spontan vor Ort, wenn ich Luft habe. Ansonsten können wir das Gespräch ja mal in Ruhe bei Ihnen im Unternehmen nachholen.“
und denkt sich:
Ich bin doch nicht blöd. Wenn ihr eine ernsthafte News habt, dann streut ihr die doch möglichst breit und gebt sie mir nicht mal auf der Messe am Stand so nebenbei. Und Produktmeldungen machen wir grundsätzlich nicht. Den Vorstand kennenzulernen wär tatsächlich nicht schlecht, aber nicht zwingend in der Messehektik. Also maximal auf einen Kaffee.

PR sagt:
„Das wäre ja toll, wenn es vor Ort auf einen Kaffee klappt, aber ich kann Ihnen nicht garantieren, dass unser Vorstand dann auch wirklich Zeit hat.“
und ärgert sich:
Der glaubt doch nicht im Ernst, dass unsere Entscheider, den ganzen Tag am Stand rumhängen und auf ihn warten. Die sind doch zu mit Terminen im Halbstundentakt. Wie stellt er sich das vor?

Journalist sagt:
„Dann versuchen wir es doch spontan und wenn es nicht klappt, ist es auch kein Beinbruch“.
und denkt:
Die drei Minuten hätte ich echt sinnvoller nutzen können.

PR sagt:
„Dann freu ich mich auf Ihren Anruf und unser Treffen.“
und weiß:
Der ruft bestimmt nicht an. Aber garantiert nicht, weil er so viel Streß hat. Letztes Jahr ist er ganz entspannt über die Messe geschlendert und hat sich die Rest der Zeit im Pressezentrum bei Kaffee und Kuchen vergraben.

 

Und wie in Folge 1 legen unsere Protagonisten wechselseitig frustriert den Hörer auf. Hier drei Tipps, wie man diese Situation etwas entspannter gestalten kann:

  • Hektik haben Unternehmensentscheider auf einer Messe genug. Wenn es keine Mörder-News gibt, reicht ein kurzer Kaffee-Treff (am Stand) oder ein Handshake mit Journalisten (am Rande des Vortrags oder Panels) zum persönlichen Kennenlernen – aber OHNE beim Journalisten Druck zu machen.
  • Auch für Journalisten sind Messen super hektisch. Da hilft entzerren: Gerade bei großen Messen, wo gefühlte 50 Prozent aller Aussteller bei den Journalisten anklopfen, ist es sinnvoller, sich frühzeitig und weit im Vorfeld mit wichtigen Journalisten persönlich zu treffen.
  • Konzentrieren Sie Ihre PR-Aktivitäten nicht ausschließlich auf die Messe. Bei größeren Veranstaltungen (wie z.B. der dmexco)  hilft es nicht, wenn 1.000 Aussteller als News vermelden, dass sie einen Stand dort haben oder ein neues Produkt vorstellen. 1000mal gehört, 1000mal ist nichts passiert, wie Klaus Lage singen würde. Die Gefahr unterzugehen, ist sehr hoch. Verteilen Sie Ihre wertigen News lieber rechtzeitig (und nicht im Sommerloch) vor der Messe.