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Jeder will so relaxed wie Richard Branson, so smart wie Dietrich Mateschitz und so abgebrüht wie Bernie Ecclestone rüberkommen. Klappt selten – und wird oft zum Bumerang

CEO Spreadshirt Phil Rooke Welt am Sonntag

Nicht jeder CEO ist so cool wie Phil Rooke (CEO Spreadshirt) und lässt sich in seinem Schrebergarten ablichten

Früher war alles besser. Die Erde war eine Scheibe, und wir drehten uns nicht um uns selbst. Richtig schwindelig wurde einem erst  nach der Jahrtausendwende. Wer auch immer hatte in die Welt gesetzt, Menschen seien Marken.  Ein ganz schöner Quatsch, doch wer wollte das schon hören? Auf einmal begannen alle rasend schnell um die eigene Achse zu rotieren und an ihrem Selbstbild zu feilen. Nicht mehr nur Promis, sondern auch Politiker, Manager und Journalisten. Alles  in der Hoffnung so scharf konturiert wahrgenommen zu werden wie das Kinn von Dieter Bohlen.  Plötzlich ritten Agenturchefs auf dem Schimmel im silbernen Anzug und freiem Oberkörper zur eigenen Weihnachtsfeier, ließen sich Verteidigungs­minister von der Presse planschend im Pool mit der Geliebten ablichten, und Vorstandschefs posierten auf ihren Luxusyachten.

Die Zeiten von Protz sind vorbei. Distinguiertheit kommt heute subtiler daher. Doch spürbar bleibt sie. Unter Kommunikationsgesichtspunkten eigentlich schade, denn wer in seiner Außendarstellung Wert darauf legt, sich mit seiner Lebenswelt abzugrenzen,  verprellt schnell  seine Zielgruppe. Erst recht, wenn sich die Inszenierung in Stereotypen erschöpft. Man braucht am Wochenende nur den Wirtschaftsteil der Welt am Sonntag aufzuschlagen, Rubrik „Feierabend“. Eigentlich gibt’s dann doch nur drei Typen an der Spitze der Unternehmen: die fitnessverrückten Marathonläufer und Rennrad-Enthusiasten („Beim Sport kommen mir die besten Ideen“), die geselligen Ich-koch-gern-am-Wochenende-für alle-Entscheider (meist kombiniert mit dem morgendlichen Marktbesuch und dem Kauf garantiert regionaler Produkte) und den total unkonventionellen Lonely Cowboy (üblicherweise Harley-Fahrer).  Das ist auf Dauer etwas ermüdend, weil so recht kaum einer die Traute hat, aus diesem ebenso politisch- korrekten wie elitären Rahmen auszubrechen. Und wenn, dann gleich wieder eine Spur zu extravagant. Wie neulich bei dem CEO, der sich als Sternegucker outete. Aber warum muss das japanische Teleskop dann gleich den Gegenwert eines Kleinwagens haben? Man fragt sich unwillkürlich, ob es nicht für viele Mitarbeiter, Zulieferer und Endkunden  vielleicht identifikationsstiftender wäre, zu sehen, wie der Chef die Modelleisenbahn im Keller aufbaut satt in der Design-Küche, auf dem Edelbike oder vor dem neuesten sündhaft teuren Technik-Gadget zu posieren.

Das zehnjährige Jubiläum eines Magazins, das extra für Eitle und Schadenfreudige gegründet wurde, zeigt, dass auch in der Medienbranche ein gewisser Hang zur  Sebstinszenierung nicht ganz von der Hand zu weisen ist.  Manchmal erscheint der Ehrgeiz dabei so groß, dass sich der Wunsch nach der richtigen medialen Außendarstellung glatt vom beruflichen Profil entkoppelt. Da werden PR-Etats bereit gestellt, nur um eine Liasion mit einem ehemaligen Spiegel-Top-Manager unter der Decke zu halten, da werden Presseaktionen für die privaten Buch- und Band-Aktivitäten des Senderchefs initiiert und da lassen sich Medien-Manager von Fotografen mit Adelstiteln fotografieren als seien sie der direkte Nachkomme Napoleons. Doch wenn schon die Medientage München nicht mehr im Justizpalast feiern, dann kann die Devise auch hier nur lauten: künftig gern etwas bescheidener und geerdeter.

 

Der Text erschien zuerst in der Jubiläumsausgabe des Clap Magazins.

von

Na, schon in Wochenendlaune? Immer freitags erzählt uns ein Manager der Kommunikationsbranche, wie er seine hoffentlich arbeitsfreien Tage verbringt. Diese Woche berichtet Peter Böhling, Chefredakteur vom Clap Magazin, über seine geplanten Wochenend-Aktivitäten.

Wann beginnt heute für Sie der Feierabend?

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Clap-Chefredakteur Peter Böhling, der unter dem Namen „Bulo“ als Karikaturist bekannt ist

Feier was?

Was ist üblicherweise Ihre letzte Tätigkeit, bevor Sie den Computer runterfahren?

Ich verabschiede mich bei ihm und entschuldige mich dafür, dass ich ihn zwei Tage alleine lasse.

Nehmen Sie Arbeit mit ins Wochenende? Wenn ja: Was?

Ob ich es als Arbeit bezeichnen würde, weiß ich nicht. Aber gerade am Wochenende komme ich üblicherweise dazu, komische Männchen zu zeichnen, die ich dann unter der Woche für teuer Geld verkloppe. Etwa „Friendly Freaks“, Politiker mit langen Nasen und Gemächten, Japaner (die wie Chinesen aussehen) oder Hunde, die um die Ecke pupsen können.

Schalten Sie Ihr Handy am Wochenende ab oder sind Sie always on?

Hier werdet Ihr unterschiedliche Aussagen von meiner Familie und mir bekommen. Ich behaupte: offline.

Apropos abschalten: Wie können Sie am besten entspannen, wenn Sie heute Abend nach Hause kommen?

Bei einer Glücksrolle (mit Garnelenfüllung) von meinem vietnamesischen Lieblings-Lieferanten.

Mit wem werden Sie dieses Wochenende verbringen?

Mit Familie, guten Freunden und ein paar Italienern an einem Strand in der Toskana.

Reden Sie mit Ihrem Partner/Freundeskreis am Wochenende üblicherweise über Ihren Job?

Nein – aber im Job über meine Wochenenden.

Worauf freuen Sie sich dieses Wochenende am meisten?

Auf Antwort Nummer 6.

Gibt es ein Ritual, das Sie üblicherweise jedes Wochenende begehen (zum Beispiel das samstägliche Autowaschen)?

Ich schmeiß die Plastikverpackung der Glücksrolle vom Vortag weg. Ekelhaft!

Gibt es eine Marotte an Ihnen, die Ihren Partner/Ihre Familie am Wochenende regelmäßig auf die Palme bringt?

Dass ich immer behaupte, offline zu sein, während ich aufs Handy glotze.

Was machen Sie am Wochenende, von dem Ihre Kollegen/Ihr Team sagen, würde/n: Donnerwetter, das hätte ich jetzt nicht erwartet?

Ich telefoniere NICHT mit meinem Clap-Kollegen Daniel Häuser. Wahnsinn, oder?!

Jogginghose oder Designer-Klamotten: Was ist am Wochenende Ihr Lieblingskleidungsstück?

Wie kommt Ihr darauf, dass ich am Wochenende etwas anhabe?

Stichwort Indoor-Aktivitäten: Welche Musik werden Sie dieses Wochenende auf jeden Fall hören, welche TV-Sendung sehen und welches Buch bzw. welche Zeitung/Zeitschrift  werden Sie lesen?

Musik? Ich befürchte, dieses Yoga-Gesumsel meiner Frau. Die Frage nach der Lektüre hat sich damit erledigt, denn spätestens nach zwei Minuten bin ich deshalb sanft entschlummert.

Stichwort Outdoor-Aktivitäten: Welchen Berg werden Sie dieses Wochenende besteigen, welchen Marathon laufen und welches Theaterstück/Konzert bzw. welchen Kinofilm werden Sie besuchen?

Ich hätte ja gern den Mount Everest bestiegen. Aber nachdem ich faul am Strand liegen werde …

Freuen Sie sich schon auf Montag?

Ja klar! Da werd ich nämlich faul am Strand liegen!