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Je nach charakterlicher Disposition kann man nach Lektüre des Manager Magazins zwei Gemütszustände erreichen: schlechte Laune oder unendliche Schadenfreude. So gesehen: das Blatt lässt einen nicht kalt. Mittelstand in Lebensgefahr, Systemabsturz bei BMW, Machtkampf bei der Telekom, Fehlschläge im Boxgeschäft bringen Constantin ins Wanken, heißt es etwa in der aktuellen Ausgabe. Soll heißen: Die Wirtschaftswelt da draußen bricht gerade mal wieder zusammen – wie eben jeden Monat aufs neue. Puh, denkt man sich da, während man in Wochenendlaune ein wenig vor sich hin tippt, in was für einer beschaulich-harmonischen B-to-B-Welt wir doch leben.

Wenn uns jede Neukundenpräsentation da nicht garantiert wieder rausreißen würde… Sei jede präsentierte PR-Idee, jedes Content Marketing-Konzept oder auch jede Social-Aktion noch so außergewöhnlich (also aus unserer Sicht zumindest), am Ende folgt mal selbstbewusst, mal ein wenig kleinlaut die Frage: Sagt mal, könnt Ihr uns auch ins Manager Magazin bringen?  Besser nicht, denkt man sich da, während der ProSieben-Top-Manager, der von dem Blatt martialisch als Gott des Gemetzels tituliert wurde und der Gruner + Jahr-Vorstand, dem die Durchschlagskraft einer Spielzeuglokomotive beschieden wurde, gerade im Geiste an einem vorbeiziehen.  Man muss schon ein übler Misanthrop sein, um Kunden hier guten Gewissens zu sagen: Ja, das ist in jedem Fall genau euer Umfeld. Und es erfordert ja ein schier unermessliches Talent zur Schönfärberei: Für viele kaum vorstellbar, aber es gibt da draußen tatsächlich auch Wirtschaftsjournalisten, die nicht bei jedem KI basierten, performance-getriebenen, prozessoptimierenden, garantiert innovativen Auswertungstool begeistert in die Hände klatschen.

Daran erkennen Sie garantiert eine gute PR-Agentur: Sie lässt sich immer eine Hintertür offen

Prinzipiell dem Ansinnen, mal einen Aufschlag im Manager Magazin zu bekommen, eine Abfuhr zu erteilen – das ist für PR-Agenturen natürlich die denkbar schlechteste Option. Und so lassen wir hier natürlich auch ein Hintertürchen offen: Wenn das Unternehmen eben noch nicht ganz den Bekanntheitsgrad von Siemens hat, die selbst entwickelte Technologie ganze Branchen noch nicht Tesla like auf links drehen kann, so bleibt nur das Management. Echte Charakterköpfe, die eben nicht mit Hoodie, Turnschuhen und Bällebad in der Firma zeitgemäße Berufsjugendlichkeit ausstrahlen wollen, sind selten geworden. Interessant sind Gegensätze und scheinbare Widersprüchlichkeiten. Der Vorstandschef einer auf T-Shirts spezialisierten Online-Plattform, der am liebsten ausgerechnet Hemden trägt und statt im Hotel in der Gartenlaube nächtigt, der CEO einer bedeutenden Mediaagentur, der eben nicht golft oder wie wild Marathon läuft, sondern am liebsten Street-Basketball spielt oder der Online-Pionier, der seit über 20 Jahren mit viel Start Up-Spirit unbeirrt an seiner Unternehmenskultur und seinem Geschäftsmodell festhält. So etwas kann bei Medien wie Manager Magazin oder auch Brand eins ziehen. Wahrscheinlich, weil solche Typen sich trotz aller Stakeholder-Erwartungen und ökonomischer Zwänge ein Höchstmaß an eigener Unabhängigkeit bewahrt haben. Und das ist selten geworden.

Und auch wenn es immer wieder heißt, gerade Manager müssten doch eine Marke sein, so lässt sich dies nur bedingt konzeptionell planen und entsprechend umsetzen. Vor allem, weil Journalisten meist ein untrügliches Gespür dafür haben, was nun Attitüde und was echt ist. Ein Beispiel: Wenn plötzlich alle Top-Manager auf Anzug und Krawatte verzichten und unternehmensweit zum vertraulichen „Du“ übergehen, so ist das nur auf den ersten Blick ein Bruch mit dem bisherigen System. Es zeigt vor allem, wie konform sich die Wirtschaftselite verhält. Zumal ja nie nachgewiesen wurde, was ein solcher Effekt je gebracht haben soll.  Den Autopionier Gottlieb Daimler jedenfalls sieht man auf Fotos überwiegend mit Anzug und Fliege. Inwieweit ihn das bei der Motorenentwicklung gestört hat, ist nicht überliefert.