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Der Banner wird 25! Seit einem Vierteljahrhundert begleitet er uns nun durch die Digitalbranche. Wohin wird die Reise in Zukunft gehen? Wir von cocodibu, haben uns mal unter unseren Kunden umgehört:

 

Wolfgang Bscheid, Geschäftsführer mediascale

Ich kann mich noch gut erinnern, dass die ersten Banner, die wir in Deutschland auf Spiegel online platziert haben, nichts anderes waren als statische Anzeigen im Internet. Sie waren NICHT klickable. Heute unvorstellbar, dass etwas in digitalen Medien nicht automatisch verknüpft ist. Vielleicht ist uns das eine Lehre, wenn wir über neue Werbeformen reden, beispielsweise bei Audio. Die Formen von Werbung ändern sich, manchmal genauso schnell wie das Verhalten von Menschen. Mögen wir uns heute mit Sprachsteuerung beispielsweise noch schwer tun, könnte es für uns morgen ganz normal sein. Oder was meint ihr, Alexa Siri Google?

 

Stefanie Wißmann, Vice President Digital and Growth bei tyntec

Cookie-Urteil, Ad Blocker, Banner Blindness: Die Banner Ad muss sich neu erfinden und ich finde, 25 ist dafür doch das beste Alter. Die Anforderungen an Werbung – egal ob online oder offline – haben sich geändert. Heute steht der Kunde mit seinen individuellen Bedürfnissen selbst im Zentrum. Ich sehe vor allem in dynamischen Personalisierungen oder Service-Buttons wie beispielsweise die Click-to-WhatsApp-Funktion großes Potenzial, um dem entgegen zu kommen und (potenziellen) Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Nützlich und wertvoll sind Banner Ads in Zukunft immer dann, wenn sie die spezifischen Anforderungen der Zielgruppe kennen und darauf situativ die richtige Antwort geben können – ähnlich wie früher Tante Emma, die die Probleme und Wünsche ihrer Kunden in jeder Lebenslage bestens verstanden hat. Die technischen Voraussetzungen dafür sind gegeben. In dem Sinne: Auf die nächsten 25 Jahre!

 

Sara Sihelnik, Country Director DACH bei Quantcast

25 Jahre Bannerwerbung – eine Zeit, in der enorm viel passiert ist. Auch wenn der klassische Banner heute kein Trendsetter mehr ist, hat er den Grundstein für unser digitales Ökosystem gelegt. Marken haben sich an die sich entwickelnde Onlinelandschaft und neue Mediennutzungsverhalten angepasst. Sie sehen sich stärker als Storyteller, die den Verbraucher involvieren wollen, statt einfach auf möglichst klickstarke Botschaften zu setzen (auch wenn es diese Fälle leider immer noch gibt). Für mich persönlich einer der größten Meilensteine: Die Anwendung von maschinellem Lernen im Digitalmarketing. Dank der Vielzahl an Daten können wir Nutzer heute über unterschiedlichste Formate präziser und involvierender ansprechen. Das alleine garantiert natürlich noch keinen Werbeerfolg. Denn auch 25 Jahre nach dem ersten Banner Ad ist entscheidend, welche Strategie ich mit meiner digitalen Kampagne verfolge und wie ich diese kreativ am besten gestalte.

Reddit, die selbsternannte „Frontpage of the Internet“, lockt täglich Millionen Nutzer auf ihre Startseite. Ich bin einer davon und war deshalb umso überraschter heraus zu finden, dass viele meiner Kollegen die Seite überhaupt nicht kennen, geschweige denn selber nutzen. Dabei erfreut sich der Social-News-Aggregator bereits seit 2005 immer größerer Beliebtheit – auch hier in Deutschland. Hunderttausende Communities mit jeweils tausenden Mitgliedern kommunizieren heute auf der Seite mit Posts, eigenem Content und in den Kommentarbereichen – Tendenz steigend. So hatte das Reddit vor zwei Jahren noch einen geschätzten Wert von rund 500 Millionen Dollar. Dank der Unterstützung mehrerer Investoren in 2016 und 2017 wird der Wert der Webseite heute auf 1,8 Milliarden Dollar geschätzt. Obwohl die exakten Operationskosten für reddit.com nicht bekanntgegeben werden, lassen sich die jährlichen Kosten für die über 400 betriebenen Server der Seite alleine auf circa 3,8 Millionen Dollar schätzen. Hinzu kommen natürlich die über 70 Mitarbeiter des Unternehmens sowie weitere fixe Ausgaben. Die Finanzierung dieser Betriebskosten jedoch wirkt auf so manchen Beobachter rätselhaft. Wie funktioniert also die Geldbeschaffung im Reddit, das immerhin auf Platz 36 der meistbesuchten Webseiten weltweit steht? Die Antwort ist einfach: Investoren, Werbung und Reddit Gold.

Mit Investoren fing alles an

Das Reddit wurde 2005 von Steve Huffman und Alexis Ohanian mit einem Budget von 100.000 Dollar ins Leben gerufen und sieht optisch noch immer so aus als sei sie in den Anfängen des Internets stecken geblieben. Vergleicht man zehn Jahre alte Screenshots mit Bildern der Seite von heute, lassen sich kaum Unterschiede erkennen. Anfangs nur als ein weiteres Nischen-Diskussionsforum für Computernerds abgestempelt, überschritten die täglichen Seitenbesuche schnell die 500.000er Marke, weshalb die Seite nur ein Jahr später für 20 Millionen Dollar vom Condé-Nast-Verlag gekauft wurde. Im Februar 2011 erreichte die Website erstmals 1 Milliarde Aufrufe in einem einzigen Monat und im September desselben Jahres sogar 1,6 Milliarden. Das Reddit wurde daraufhin wieder aus dem Condé-Nast-Verlag ausgegliedert und als reddit.inc weitergeführt. In den darauffolgenden Jahren erhielt die Seite zahlreiche Investments von Unternehmen und Privatpersonen – darunter zum Beispiel vom US-Gründerzentrum Y Combinator, PayPal-Gründer Peter Thiel, Schauspieler und Musiker Jared Leto oder Hip-Hop-Legende Snoop Dogg.

Onlinewerbung muss sein

Nach vier Jahren der kompletten Werbefreiheit entschied sich Reddit Ende 2009 dazu, auch Werbeplätze auf der Seite zu verkaufen. Werbetreibende können seitdem „Self-Served-Ads“ bei einem Tausend-Kontakt-Preis von 5 Dollar bei Reddit kaufen. Kontrolle über die Präsentation und Darstellung der Werbung behält Reddit seinen Werbekunden allerdings vor. Die Anzeigen sind eindeutig als Werbung oder Sponsored Content gekennzeichnet, passen sich aber nahtlos als Posts in das Design der Seite ein. Werbeanzeigen können, wie auch jeder andere Beitrag auf der Seite, up- und downgevoted werden. Sogar die Kommentarfunktion bleibt für Werbung und Sponsored Content meistens aktiviert. Der Verzicht auf auffällige Werbeanzeigen in hoher Zahl führt dazu, dass reddit.com bei den meisten populären Ad-Blockern ge-whitelisted ist. Das bedeutet, dass selbst Nutzer die einen Werbeblocker im Browser aktiviert haben, die unauffälligen Werbeanzeigen auf reddit sehen können. Banner und bewegliche Flash-Werbung waren lange ein absolutes No-Go auf Reddit, mittlerweile bietet der rechte Rand der Startseite aber Platz für zwei bunte Flash-Banner.

Zwei Banner und ein Sponsored Post auf der Reddit-Startseite.

Wie für viele Webseiten sind Werbeanzeigen besonders für das Reddit ein zweischneidiges Schwert. Obwohl sie zur Generierung von Umsätzen essentiell sind, bringen sie zwei spezifische Probleme mit sich. Wie kein anderes soziales Medium ist reddit.com auf die Aktivität und das Wohlwollen der Nutzer – Redditors genannt – angewiesen. Bereits mehrmals gab es, als Reaktion auf die Erweiterung des Werbeangebotes auf der Seite, kleinere Proteste unter vielen anti-kommerziell eingestellten Redditors. Um die Community nicht abzuschrecken oder zu einer Alternative zu treiben, muss die Art und Anzahl der Werbung von Reddit selbst also streng moderiert werden. Das zweite Problem das sich bei Werbeanzeigen im Reddit ergibt, steht in Verbindung mit dem ältesten und wichtigsten Grundsatz der Community: alles und jeder ist anonym. Um einen Nutzer-Account zu erstellen, wird nicht einmal eine E-Mail-Adresse benötigt und es gibt keinerlei Aktivierungsprozesse oder Prüfverfahren um die Echtheit eines Accounts zu überprüfen. Das bedeutet, dass keine Nutzerdaten aufgezeichnet und für personalisierte Werbeanzeigen verwendet werden können. Durch den Verzicht auf Nutzerdatensammlung sowie Banner- und Pop-Up-Werbung mit hohen Tausendkontaktpreisen, ist es für das Unternehmen nahezu unmöglich sich nur durch Werbeeinnahmen zu finanzieren. Die Einnahmen durch mehr Anzeigen zu erhöhen, birgt hingegen die Gefahr langjährige Nutzer abzuschrecken. Es muss also ein Mittelweg gefunden werden, wie Mitarbeiter und Serverkosten bezahlt werden ohne die Grundprinzipien der Seite zu vernachlässigen.

Gold für mehr Geld

Als weitere Maßnahme zur Finanzierung der Seite wurde 2010 das Reddit Gold Feature eingeführt. Eine Premiummitgliedschaft kann für 3,99 Dollar im Monat oder 29,99 Dollar im Jahr erworben und zusätzlich unter den Nutzern für gute Posts und Kommentare verschenkt werden. Das Premiumfeature beinhaltet neben diversen Individualisierungsmöglichkeiten zum Beispiel auch die Möglichkeit alle Werbeanzeigen auf der Seite auszublenden. Das Gold Modell wird außerdem von Unternehmen zum Influencer-Marketing auf Reddit genutzt. Produkte und Services werden Gold Nutzern vergünstigt oder kostenlos angeboten, um die Markenbekanntheit innerhalb der Reddit-Community zu steigern. Es lässt sich vermuten, dass die Seite das Reddit Gold zukünftig gerne als alleinige Finanzierungsmethode positionieren möchte. Ob das funktioniert, muss sich erst noch zeigen.

Ideen die kommen und gehen

In der zehnjährigen Laufbahn des Reddit wurden diverse weitere Konzepte ins Leben gerufen, wie die Einnahmen der Webseite vorangetrieben werden können. So sind beispielsweise offizielle Reddit-Apps auf Android und iOS verfügbar, die wiederum In-App-Advertising und kostenpflichtige Premium-Varianten anbieten. Bis 2015 gab es einen Reddit Marketplace, der Merchandising-Produkte mit dem Logo oder Maskottchen des Unternehmens verkaufte. Die Unterseite Redditgifts veranstaltet Geschenkaktionen zu den unterschiedlichsten Themen und Anlässen – unter anderem findet hier jährlich das größte Weihnachtswichteln der Welt mit über 200.000 Teilnehmern statt. Mittlerweile werden auf Redditgifts aber keine eigenen Geschenkideen mehr angeboten, weshalb auch diese Unterseite nur noch durch Werbeanzeigen und Premiummitgliedschaften finanziert wird.

Fazit

Obwohl das Reddit längst nicht mehr nur eine Nischen-Webseite für Computernerds ist, ist das Management des Unternehmens nicht gerade eifrig dabei, die Monetarisierung der Seite zu maximieren. Mit einer Community, die so essenziell für die Existenz des Reddit ist aber sich gleichzeitig nur sehr zögerlich für große Veränderungen begeistern lässt, scheint es fast so, als wäre mit der Kombination aus Werbung und Reddit Gold bereits die ideale Finanzierungslösung gefunden. Doch der Eindruck täuscht darüber hinweg, dass bei Reddit gerade einiges in Bewegung ist: So ist die Webseite seit dem 1. September 2017 keine Open-Source-Plattform mehr und bietet den Nutzern keine vollständige Transparenz mehr, sich an der Entwicklung der Seite zu beteiligen oder eigene Software mit Reddit-Implementierungen zu programmieren. Bis zum Ende des Jahres soll außerdem ein umfassendes Re-Design des Reddit stattfinden, welches sich sicherlich auch stark mit den Fragen rund um Werbeanzeigen und Sponsored Content beschäftigen wird. Die Zukunft der „FrontPage of the Interenet“ bleibt also ungewiss und die nächsten zehn Jahre der Entwicklung einer der heute beliebtesten Seiten im World Wide Web werden ohne Zweifel mindestens so aufregend wie die letzten zehn Jahre.

Na, schon alle Geschenke beisammen? Nein? Merken Sie schon, wie Ihnen der Weihnachtsstress in Hände und Füße kriecht und langsam beginnt zu kribbeln? Bald wird er sich wie eine fiebrige Grippe im ganzen Körper ausbreiten und auch Ihre Mitmenschen anstecken. Doch keine Panik, die großen Handelsketten haben da eine Lösung für Sie!

In ihren Werbespots, die teilweise nur online zu sehen sind, wollen sie uns erklären, dass es bei Weihnachten eben nicht um schnöden Konsum, sondern tatsächlich um Nächstenliebe, Familie und Geborgenheit geht. Angefangen mit dem „Heimkommen“-Spot von Edeka im letzten Jahr, springen in der Vorweihnachtszeit 2016 neben den internationalen Handelsketten nun auch viele deutsche Unternehmen auf den Trend auf und präsentieren stolz ihre Weihnachts-Virals mit großer Botschaft. Dabei haben sich gleich drei Produktionen – von Otto, Edeka und der britischen Supermarktkette Sainsburys – das Motto „Zeit schenken“ auf die Fahne geschrieben.

Die Botschaft mag etwas scheinheilig wirken, schließlich soll durch die Spots der Konsum angeregt werden. Würden sich die Konsumenten an den Rat halten und auf jegliche Geschenke verzichten, würde sicherlich unter vielen deutschen Weihnachtsbäumen Entsetzen herrschen und die ein oder andere Träne rollen. Einzige Lösung: Der Durchschnittsverbraucher soll schicke Geschenke besorgen UND Zeit schenken. Resultat: Noch mehr Weihnachtsstress.

Wir empfehlen: Schenken Sie sich selbst ein paar Minuten Ihrer Zeit, atmen Sie durch, lehnen Sie sich zurück und schauen Sie sich die von uns ausgewählten 5 besten Weihnachts-Virals an. Danach fühlen Sie sich schon richtig weihnachtlich und stürzen sich mit neuem Elan in überfüllte Innenstädte und lassen sich von den Chatbots der Online-Shops beraten. Besinnliche Vorweihnachtszeit!

Unsere Top 5 Weihnachts-Virals

Platz 5 – Otto: Schenke das Wertvollste, das Du hast. Zeit.

Der „Zeit schenken“-Spot von Otto landet bei uns auf dem fünften Platz. Ganz ohne kitschige Weihnachtsmusik, sondern mit einer ruhigen Chor-Version von Cyndi Laupers „Time after Time“ punktet der animierte Spot auch vor allem mit der Kampagnen-Microsite, die einem tatsächlich Tipps für Zeit-Geschenke für Familie, Freunde und Kollegen gibt, ohne auf Produktseiten zu verlinken.

 

Platz 4 – Bahlsen: Das ist Weihnachten

Was genau ist denn jetzt eigentlich Weihnachten? Geschenke? Plätzchen? Kitschige Dekoration im ganzen Haus? Klar, die Kekse sind wichtig, aber laut Bahlsen ist das wichtigste an Weihnachten viel einfacher. Sehen Sie selbst.

 

Platz 3 – H&M: Come Together – directed by Wes Anderson starring Adrien Brody

Kult-Regisseur Wes Anderson und Oscar-Preisträger Adrien Brody drehen gemeinsam einen Film. Soweit nichts Neues. Der Clou an der Sache: Es handelt sich um einen Werbefilm für die schwedische Modemarke H&M, die ihre aktuelle Weihnachtskollektion beinah unmerklich in das schräge Setting des liebevoll gestalteten Films einbindet. Wir finden: Zwar nicht Oscar-reif, aber dennoch eine gelungene Vorstellung!

 

Platz 2 – Marks & Spencer: Christmas with love from Mrs Claus

Kommen wir nun zu den Ursprüngen der großen Weihnachtsspots, die in Großbritannien liegen. Die Einzelhandelskette Marks & Spencer schickt ausnahmsweise mal nicht Santa Claus, sondern seine charmante Ehefrau Mrs Claus auf weihnachtliche Mission. Spot an für die wahre Weihnachts-Heldin!

 

Platz 1 – John Lewis: Buster The Boxer

Der erste Platz geht – Überraschung! –an die Meister der Weihnachtswerbung! Bereits seit 2007 bringt das britische Kaufhaus John Lewis jedes Jahr einen aufwändig produzierten TV-Spot mit oftmals tierischen Hauptdarstellern heraus. Dieses Jahr dürfen wir dabei zuschauen, wie der Boxer Buster ganz unfreiwillig von Frauchen und Herrchen einen Herzenswunsch erfüllt bekommt.

 

Quelle: Check24

Quelle: Check24

 

Befragt man Google nach einer Definition für den Begriff Werbung, dann findet der Suchende folgendes vor: Als Werbung wird die Verbreitung von Informationen in der Öffentlichkeit […], zwecks Bekanntmachung, Verkaufsförderung oder Image¬pflege von meist gewinnorientierten Unternehmen […] verstanden. Durch die kaufmännisch-enzyklopädische Brille betrachtet, wurde hier sicherlich der Nagel auf den Kopf getroffen. Ersetze ich sie aber wieder durch mein schwarzes, nerdiges Modell, dann greift die Definition schlichtweg zu kurz. Denn: Die Bedeutung von Werbung geht noch weit über den betriebswirtschaftlichen Aspekt hinaus. Sie ist immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Und obliegt damit – wie alle anderen gesellschaftlichen Strukturen – einer gewissen Dynamik.

Ausschlaggebend für diesen Beitrag war für mich die aktuelle Werbung des Vergleichsportals Check24. Statt auf den hysterisch singenden Paul in schrillen Badeklamotten setzt das Unternehmen fortan auf „2 unvergleichliche Familien“. Mit den Bergmanns und den Krugers flimmern seit September zwei skurrile, aber dennoch irgendwie normale Familien über unsere Mattscheibe. Skurril, weil sie mit ihrer Familienstruktur, ihrer Redensart und ihren alltäglichen Problemen zwischen den klassischen Familienbildern im deutschen Werbefernsehen herausstechen. Irgendwie normal – ja, weil sie eben genau das tun. Das war nämlich nicht immer so – wie eine kleine Zeitreise durch das Familienbild der deutschen Werbung zeigt:

Die 80er und 90er: Mutti weiß, was gut ist

1988 zeigt uns Hohes C eine bieder gekleidete Mutter mit Pagenschnitt, die – während undefinierbare Dudel-Musik im Hintergrund läuft – den Tisch für ihre Kinder eindeckt. Anstatt eines großen Festmahls erwartet die Sprösslinge aber nur ein Glas Hohes C, um sie mit den wertvollen Kräften des Fruchtfleischs zu versorgen. Viel mehr passiert hier auch die nächsten Jahre nicht: Auch in den 90ern folgt die tägliche Dosis Vitamin-C immer noch auf eine kleine, ausgelassene Spielrunde des Kindes – ausgehändigt durch die fürsorgliche Mutter. Eine ähnliche Rolle nimmt auch die Mutter im Fruchtzwerge-Spot von Danone ein. Die Eltern (er: stilecht in Hemd und Pullunder) sitzen schach-spielend am Esstisch. Das Kind kommt aus dem Off und freut sich über einen Fruchtzwerg von der Mutter. Ein Fruchtzwerg soll es sein – eben wie ein kleines Steak (Ein kleines Steak? Oh man! Was war da damals los?). Immer noch in der Beraterfunktion, aber immerhin raus aus den eigenen vier Wänden trauen sich die Damen aus der Milchschnitten- und Quenchwerbung (für alle U30: Quench ist ein Erfrischungsgetränk). Es kommt zu einem Treffen unter Nachbarinnen im Vorgarten. Gesprochen wird – wie soll es auch anders sein – über gesunde Snacks für die Kleinen.

Auf die Klischee-Spitze treibt es allerdings die Nutella-Werbung. Nicht, weil hier derselbe Panflöten-Spieler zu hören ist, wie in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, sondern weil Mutter und Tochter den unwissenden Vater über die elementaren Unterschiede zwischen normalem Schokoaufstrich und Nutella aufklären. Er, der Bürohengst schlechthin, griff beim Wocheneinkauf natürlich zur falschen Schokocreme (Experten wissen: Anfängerfehler!). Aber damit nicht genug: Nutella treibt die Klischees mit dem Schlusssatz auf die Spitze: „Mütter wissen: Nur wo Nutella drauf steht, ist auch wirklich Nutella drin“. Danke dafür, Nutella! Mein Fazit also aus den vergangenen Jahrzehnten: Mutti weiß, was gut ist. In ihrem natürlichen Lebensraum – dem Zuhause (inklusive Vorgarten) – brilliert sie als Haushalts-Hacker und Vorsorgekünstler in Personal-Union, und ist – ganz wichtig – immer völlig souverän. Damit nimmt die Mutti der 80er und 90er Jahre – von mir liebevoll Hilde getauft – eine ganz besondere Rolle ein: Sie ist der Motor einer gut funktionierenden und harmonischen Familie und damit eine elementare Voraussetzung für gesellschaftliche Anerkennung.
Irgendwie wirkt es sogar fast so, als hätte Hilde damals weder Sorge noch Stress empfunden (fernab eines Vitaminmangels des Kindes), aber wahrscheinlich war es genau das, was die Gesellschaft sehen wollte: eine weichgespülte Familie, bei der es einfach läuft.

2016: Mary – zwischen Büro, Familien- und Alltagsstress

Die Werbung von heute wirkt da wie ein Kulturschock. 2014 sehen wir bei Hohes C statt der Fruchtsaft-verteilenden Hausfrau eine berufstätige Mutter, die ihren liebesbedürftigen Sohn aufgrund eines wichtigen Telefongesprächs mit dem Büro vertröstet. Nanu? Eine schlechte Mutter oder einfach ein lebensnahes Beispiel für viele Mütter in der heutigen Zeit? Bei der Toffifee-Werbung trifft man zwar immer noch auf die mit Gardinen und Tisch-Zelten spielenden Kinder, allerdings sieht man heute auch Eltern, die den eingehenden Anruf vom Office wegdrücken. Die Message: Mehr Zeit mit der Familie verbringen. Einen ähnlichen Ton stimmt die aktuelle Aldi-Werbung an: Hier predigt eine Kinderstimme von der Notwendigkeit eines entschleunigten Lebens. Es geht darum, Momente mit der Familie zu genießen und lästigen Alltagsstress wegzuschieben. Zurück bei den Bergmanns und Krugers sehen wir statt artiger Kinder eine pubertierende Tochter, die ihren Vater ankeift „Papa! Was schreist Du denn so? Schreib mir doch einfach eine WhatsApp!“. Und in der IKEA-Werbung stolpert der Zuschauer neuerdings über ein Schlafsofa. Eines, das Vater und Mutter in weiser Voraussicht vorbereitet haben, da der Sohnemann sie bald anflunkern wird: „Mia hat den Bus verpasst und pennt heut‘ bei mir“.

Situationen und Bilder, die vor 20 Jahren in der Werbung noch undenkbar gewesen wären. Nicht, weil es sie nicht gab, sondern weil es dieses eine – ganz bestimmte – Bild einer gut funktionierenden Familie zu wahren und zu leben galt. 2016 sieht das bekanntlich etwas anders aus. Es geht um Themen wie Work-Life-Balance, Quality Time und Eltern, die trotz Alltagsstress ihr Familienleben wuppen müssen – eben völlig andere Lebenssituationen. Eine gut funktionierende Familie definiert sich daher längst nicht mehr über hausfrauliche Brillanz, sondern über ein gutes Familien-Management.

Werbung im Jahr 2016 ist damit aber auch ein Balance-Akt. Denn: Sie darf und soll alltägliche Probleme thematisieren – andernfalls läuft sie Gefahr, uns Zuschauer nicht zu erreichen. Trotzdem darf Werbung die Probleme aber weder bagatellisieren noch dramatisieren. Wie riskant diese Gratwanderung sein kann, zeigte uns letztes Jahr der Edeka-Spot. Der Clip „#heimkommen“ hielt den Zuschauern, pünktlich zum Weihnachtsfest, den ungeschönten Spiegel der Realität vor – und förderte damit zwangsläufig die Frage zu Tage: Wie viel Realität wollen wir in der Werbung wirklich sehen?

Frei, wild, kreativ: So ist das Agenturleben doch, oder? Manchmal bewegt sich die Gefühlslage jedoch häufig irgendwo zwischen „gegen-die-Wand-laufen“, „chinesisch-reden“ und „für-vollkommen-plemm-plemm-gehalten-werden“. Da hilft in der Praxis nur eine doppelte Portion Humor. Das dachten sich auch die Macher dieser drei Videos, die uns immer wieder vor Lachen die Tränen in die Augen treiben. Denn seien wir mal ehrlich: Genau so isses!

Das Kundenbriefing:
„Sie müssen das Unmögliche möglich machen.“, sagt der Kunde. „Ja natürlich, wir machen das schon – irgendwie“, sagt die Agentur – irgendwann.

Die Telefonkonferenz:
„Hallo, niemand da?“, „Wer sind Sie denn?“, „Wo ist denn jetzt Herr Müller hin?“

Die Budgetverhandlung:
„Wir hätten gerne das gesamte Ideenkonzept. Umsetzen werden wir es aber inhouse, das ist günstiger. Das ist doch für Sie ok?“

Zuerst war es nur eine fixe Idee unter Freunden: Flaschensammlern das Leben leichter machen. Doch dann entwickelten die Berliner daraus eine eigene Kampagne – mit Website, Plakaten und allem Drum und Dran. Mit ihrer Forderung „Pfand-gehört-daneben!“ gelang ihnen nun der große Aufschlag: Süddeutsche Zeitung, BR Zündfunk, RTL 2 News. Und das ist längst nicht alles. Allein die Facebook-Seite um Initiator Matthias Gomille zählt heute 12.775 „Gefällt mir!“. Grund genug, uns die Aktion mal genauer anzuschauen.

Bildquelle: Pfand gehört daneben

Die Sonne scheint, man trifft sich mit Freunden zum Grillen oder auf ein Feierabendbier im Park. Doch am Abend nimmt niemand seine klebrigen 8 Cent-Flaschen mit nach Hause. Während in München an der Isar die Flaschensammler bereits auf ihren Einsatz warten, wird das Leergut an anderer Stelle einfach liegen gelassen – oder bestenfalls im nächsten Mülleimer entsorgt. Darin zu wühlen ist nicht nur unästhetisch, sondern auch demütigend und gefährlich, sagt Matthias Gomille. Deshalb fordert er mit seiner Kampagne dazu auf, Flaschen künftig neben die Mülleimer zu stellen.

Unterstützung erhält er dabei von der Hamburger Limonadenmarke LemonAid. Deren „Pfandkiste“ hängt seit März an einigen großstädtischen Straßenlaternen. Aufmerksamkeitsstark und besser als jede Werbung. Auch wenn sich Firmengründer Jakob Bern immer wieder den Vorwurf von subtilem Guerilla-Marketing gefallen lassen muss, so hat die Kooperation doch einen entscheidenden Vorteil: Sie setzt für „Pfand-gehört-daneben!“ kräftig die PR-Maschinerie in Gang. Wir sagen: Gut gemacht!


Es gibt derzeit nicht allzuviel senkrechte Studien im Markt, die den Einsatz von Social Media in deutschen Unternehmen halbwegs repräsentativ ausleuchten. Der Bitkom hat jetzt die Ergebnisse einer nach seinen Angaben repräsentativen Telefonumfrage (332 befragte Unternehmen) veröffentlicht.

Die für uns wichtigsten Ergebnisse aus der Socia-Media-Studie des Bitkom:

– Knapp die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) setzt Social Media bereits ein. Ein weiteres Achtel (15 %) plant es.

– Ob Social Media zum Einsatz kommt, hängt weniger von der Größe der Firmen als von der Branche ab. Handel und Dienstleistungen sind Vorreiter, Industrie und Baugewerbe Nachzügler.

– Facebook und Xing sind bei den meisten Firmen im Einsatz. Jeweils ein gutes Viertel setzt auf YouTube, den externen Firmenblog und Twitter.

– getrieben wird das Thema Social Media mit großem Abstand von den Unternehmensbereichen Werbung, Markting und PR.

– nur ein Drittel der Firmen hat seine Ziele definiert und lediglich ein Fünftel versorgt seine Mitarbeiter mit Social Media Guidelines

– Monitoring betreibt nur jedes zehnte Unternehmen

– in 80 Prozent aller Firmen kümmern sich maximal ein bis zwei Mitarbeiter um Social Media (je kleiner das Unternehmen, desto weniger Ressourcen)

– entscheiden sich Firmen gegen den Einsatz von Social Media, dann begründen sie dies vor allem damit, dass sie ihre Zielgruppe nicht erreichen (62 %) oder sich von rechtlichen Unsicherheiten abschrecken lassen (50 %). 45 Prozent sagen, dass Social Media nicht zur Unternehmenskultur passt

Und wie sieht die nahe Zukunft aus?

– 62 Prozent sagen, dass die Bedeutung von Social Media für Unternehmen zunehmen wird
– und 41 Prozent wollen für Social Media-Aktivitäten künftig mehr Geld in die Hand nehmen

Deutschlands Unternehme scheinen akzeptiert zu haben, dass Social Media kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern ein neuer, langfristig zu bespielender  Kommunikationskanal.

Fast jeder träumt von einem eigenen Haus. Vor allem in den USA hat das Eigenheim einen hohen Stellenwert. Wenn da nur nicht die monatlichen Raten mit den hohen Zinsen wären. Im Land der unbegrenzten Werbemöglichkeiten löst eine amerikanische Werbeagentur nun auch dieses Problem: Sie übernimmt für jeden Hauseigentümer die Kreditabzahlungen, wenn dieser sein Haus als Werbefläche vermietet. Die Adzookie Inc. streicht die komplette Außenfassade außer Dach, Fenster und Türen in den bunten Farben einer Werbebotschaft. Mindestens drei Monate sollte die Villa Kunterbunt bleiben, bis zu einem Jahr ist der Vertrag verlängerbar. Danach streicht Adzookie das Haus wieder in der ursprünglichen Farbe an. Noch gibt es zwar keine realen Adzookie-Häuser, aber rund 1000 Bewerbungen hat die Agentur nach eigenen Angaben bereits erhalten – auch eine Kirche bietet sich als Litfaßsäule der etwas anderen Art an. Auf der eigenen Facebookseite bekommt die Agentur nur positive Rückmeldungen, sogar das Auto wird zusätzlich zum Bemalen freigegeben, und man preist seine Wohnlage als besten Werbeplatz an. Nach der Finanz- und Immobilienkrise sind die Amerikaner wohl zu allem bereit, um ihr „Home sweet home“ zu behalten – viele wollen nach Job und Sparanlagen nicht auch noch das Haus verlieren. Praktisch ist die Aktion allemal: Suchen muss man das Adzookie-Haus eines Freundes wohl nicht mehr. (Sabrina Maier)

AdzookiePaintHouse

Üblicherweise geht's an dieser Stelle um Display-Ads, Re-Targeting, Affiliate-Marketing. Nicht so heute. Unsere kleine Zeitreise führt uns diemal nicht geradewegs in die Zukunft, sondern ein Stück weit in die Vergangenheit. Genauer gesagt in die 50er und 60er Jahre.

Das Digital Media- und Technologie-Nachrichtenmagazin „OWNI.eu“ zeigt diese Woche 48 Printmotive, die mit größter Wahrscheinlichkeit heutzutage keinen Platz mehr in Zeitschriften und Magazinen finden würden – oder zumindest bei Veröffentlichung eine kräftige Rüge vom Werberat kassiert hätten.

Sicher gehört das – mehr oder weniger gekonnte – Spiel mit den Rollen-Klischees seit jeher zum Handwerk der Werber. Die Art und Weise, wie dies vor rund 50 Jahren praktiziert wurde, lässt einen  heute  allerdings – je nach Gemütsverfassung – lächeln oder erschaudern. Aber keineswegs kalt (wie es bei der modernen klassischen Werbung ja häufig der Fall ist).

Exemplarisch dafür alle Produkte rund um das Thema Haushalt. – also solche,  die es Frauen erleichtern sollten, die Arbeit im Haushalt zu erledigen. Fertigprodukte für die Küche, Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Mixer, Waschmaschinen und Bügeleisen. Alles sollte die Hausfrau bei ihrer Tätigkeit unterstützen, so dass sie mehr Zeit für die Familie und vor allem den Mann aufbringen konnte.

Bis weit über die 50er Jahre hinaus vermittelt die Werbung ein klares Rollenbild: der Haushalt ist einzig und allein die Sache der Frau – Männer bei der Hausarbeit erscheinen überwiegend als Fehlbesetzung. Gewiss ist letzteres auch heute noch für den oder anderen Haushalt zutreffend.

Hoffen wir allerdings, dass sich die folgenden Szenen -vorallem unterm Weihnachtsbaum- im Jahr 2010 so nicht abspielen.

 

Collagefrauwerbung
An dieser Stelle sei noch einmal betont:

Liebe Männer, beim Kauf der Weihnachtsgeschenke bitte nicht von der Werbung aus den 50er Jahren inspirieren lassen. Patricia Langen

Ganz vorweg: Es gibt keine Entwicklung, die sich nicht mit irgendeiner Studie belegen ließe. Glauben Sie deshalb niemals Studien, die sich nicht selbst in Auftrag gegeben haben. Aktuell freilich ist sich die aktuelle Studienlage bei einem Thema einig: Die Unternehmen werden Ihre Social Media Budgets in nächster Zeit aufstocken! Hier ein Beispiel der Kollegen von EuroCom und SchwartzPR und hier eine Erhebung von econsultancy und bigmouthmedia.

Diese positiven Prognosen freuen uns und alle Dienstleister, die sich mit Social Media schon länger beschäftigen. Und ruft all die Werbe-, Dialog- und Web-Agenturen auf den Plan, die ihre Umsatzeinbrüche in klassischen Disziplinen jetzt mit dem Hype-Thema Social Media auffangen wollen. Sie sehen die Dollarzeichen leuchten. Mein persönlicher Rat an Letztere: Überlegen Sie es sich nochmal. 

Hier die Begründung: Es ist absolut sinnvoll, dass spezialisierte Dienstleister MIT PRAKTISCHER ERFAHRUNG Unternehmen beim Einstieg ins Mitmachweb beraten. Dieser Prozess führt normalerweise über erste Präsentationen zu kleineren Projekten und mündet meist in die Schulung interner Mitarbeiter.

Weil Social Media aber u.a. bedeutet, schnell, authentisch und dauerhaft zu kommunizieren, werden viele Firmen meines Erachtens diese Aufgaben mittel- und langfristig insourcen. Dafür gibt es eine Reihe guter Gründe:

– den direkten Draht zu den wichtigen Schnittstellen im Unternehmen

– die wichtige Koordination von On- und Offline, Werbung, Marketing, PR, CRM u.a. innerhalb des Unternehmens. Ein Externer hat da auf Dauer einen schweren Stand!

– die Identifikation der User mit Menschen und Gesichtern aus dem Unternehmen

– der (möglicherweise) starke Einfluss von Social Media auf Prozesse und die Unternehmenskultur

Ja, Social Media wird wichtiger – und deshalb werden viele Firmen diese Aufgaben integrieren und in eine größere Kommunikationsstrategie einbetten. Meine ganz persönliche Weissagung an alle Neu-Social Media-Gurus:

"Erst wenn der letzte Tweet gesendet,
die letzte Fanpage gestaltet,
der letzte Blogeintrag getextet ist,
werdet Ihr feststellen,
dass man von Social Media allein nur schwer leben kann."

(cf)

Aktualisierung am 5.8.: BMW übernimmt seine Facebook-Seite selbst.