Immer mehr Kanäle, kürzere Aufmerksamkeitsspannen, weniger Zeit, mehr Aufgaben. Es gab schon entspanntere und einfachere Zeiten für PR-Verantwortliche. Und Corona ist lediglich ein Turbo für viele Entwicklungen, die uns 2021 beschäftigen werden.

Keine Angst, ihr müsst Pressemitteilungen auch 2021 nicht auf TikTok vortanzen. Aber dem nächsten CEO, der einen flotten Move dort auf die Platte legt, ist jede Menge Öffentlichkeit gewiss. Kann man machen, werden jedoch die wenigsten tun. Unabhängig davon, wie viel Mut Unternehmen und Unternehmer für PR-Stunts haben: Es wird zunehmend härter, in der Vielfalt der Kanäle und der anschwellenden Lautstärke von Meinungsäußerungen mit eigenen Botschaften noch durchzudringen. Hier kommen ein paar Entwicklungen in der PR-Welt, auf die sich Unternehmen und Marken einstellen sollten. Weiterlesen

cocodibu-Geschäftsführer Christian Faltin war bisher eigentlich gerne bei LinkedIn. Das hat sich geändert. Warum das so ist, beschreibt er in seinem offenen Brief an das Business-Netzwerk. 

Liebes LinkedIn,

vorweg: Eigentlich mag ich Dich. Als ich Dich zum ersten Mal gesehen habe, hab ich kurz darauf mit Facebook Schluss gemacht. Du warst einfach die bessere Partie. Ich fühlte mich in Deiner Gesellschaft ganz wohl. Und Du hast mich lange Zeit mit wirklich inspririerenden Menschen bekannt gemacht – und das auch auf der ganzen Welt. Deine Freunde hatten ein vernünftiges Bild. Man hatte das Gefühl, das man sich mit tatsächlichen Menschen virtuell gut unterhält und nicht mit Mausi4711 und holgerthehorse. Und Deine Posts haben lange Zeit ein gewissen Niveau nur selten unterschritten.

Aber, LinkedIn, wir müssen reden. Ich habe das Gefühl, dass unsere Beziehung gerade in einer echten Krise steckt. Und ich weiss, das sehen ein paar Menschen in meiner Umgebung – mit denen ich schon über Dich gesprochen habe – ähnlich. Als Du mich kennengelernt hast, weil ich Dir viel über mich als Person erzählt habe, hast Du mich noch nett behandelt. Das änderte sich in den vergangenen Monaten. Das Niveau unseres Bekanntenkreises hat echt abgenommen. Weil ich eine Firma habe und nicht Kleidergröße XS trage (was man im Profilbild sieht), wollen mir haufenweise Fitnesstrainer und Body Coaches an die Wäsche. Sie wollen mir beibringen, wie ich nachhaltig mein Gewicht reduziere. Das haben schon viele versucht, gewirkt hats noch nie.

Viel schlimmer aber sind die ganzen Sales-Helden, Performance-Profis und Personal Branding-Flachpfeifen. Deine Verwandtschaft will mir mühelose Leads zu fantastischen Kunden verkaufen, die nur darauf warten, wann sie mich anrufen dürfen. Und wie machen das die Verakufsprofis? Mit einer Wundersoftware, die schon tausendfach bewiesen hat, dass sie Außergewöhnliches leistet. Hey, LinkedIn, für wie blöd hälst Du mich eigentlich? Und ich will auch von ungewöhnlich hübschen New- Business-Damen keine Developer aus Osteuropa kennenlernen, die den Tagessatz eines Paketboten verlangen. Echt schade, ich hätte mir nie gedacht, dass Du mich mal auf eine digitale Kaffeefahrt schleifst. Fehlen nur noch die Heizdecken.

Und Du hast Dir viele falsche Freunde angelacht. Fake Profile, die schwachsinnigen Quatsch, Hetze und rechte Propaganda verbreiten. Hey LinkedIn, Du bist doch auch für Dein Netzwerk verantwortlich, oder? Oder willst Du ähnlich enden wie Facebook?

Eigentlich hast Du das doch gar nicht nötig. Ich würde uns beiden gerne eine neue Chance geben. Aber dann schmeiss bitte die Hyperverkäufer raus, lösch die Fakeprofile und gibt den Hetzern keine weitere Plattform. Wie gesagt: Eigentlich mag ich Dich doch, aber so kann es nicht weitergehen. Oder was meinst Du, LinkedIn?

Foto: Adobe

Das Beispiel DMEXCO @home

Die erste DMEXCO @home ist Geschichte. Zum allergrößten Teil eine Erfolgsgeschichte. cocodibu hatte das Vergnügen, auch in diesem Jahr wieder für die PR der DMEXCO verantwortlich zu sein. Was haben wir rund um die PR beim größten digitalen Tech, Media & Marketing-Event dieses Jahr in Europa gelernt? Eine ganze Menge. Ist das auf andere Events übertragbar? Möglicherweise, deshalb lassen wir unsere Learnings mal kurz Revue passieren:

Das Interesse an einem Digitalevent…

…ist normalerweise auf Seiten der Journalisten extrem überschaubar. Warum? Egal ob DLD, Bits & Pretzels oder Re Publica ein digitales Event scheint für Medien weniger berichtenswert zu sein als ein physisches. Warum? Eine Vermutung: Journalisten, die anreisen und sich vor Ort längere Zeit aufhalten, berichten eher, als wenn sie sich aus dem (Home) Office lediglich kurz digital dazuschalten. Und: Es gab in der Vergangenheit schon zu viele schlechte Live-Streams ohne Eventfeeling oder Katastrophen-Webinare, die von Medien nur als Zeitfresser wahrgenommen wurde. Da sind also jede Menge Zweifel im Markt, was die Attraktivität von Digitalevents für Journalisten betrifft.

Wir hatten das Glück, dass die DMEXCO im Jahr der Pandemie mit der DMEXCO @home eine völlig neue Plattform gebaut hat, die weltweit ihresgleichen sucht. Sie kombinierte technische Features und Funktionalitäten von Netflix, Zoom und LinkedIn und hat mit Dominik Matyka außerdem einen Chief Advisor, der für Thema dieses sicht- und hörbar  brennt. Es ging also im Vorfeld weniger um die Inhalte und Speaker der (weit über 800 Speakern wohl größten digitalen) europäischen Conference in diesem Jahr, als vielmehr um die Plattform an sich. Hält sie technisch stand? Funktioniert das Networking? Bleiben die Streams stabil? Und, als Frage über allen: Wird der Markt eine solche Lösung akzeptieren? Fast alle nationalen B2B-Medien interessierte das. Da viele unserer Zielmedien und Medienpartner selbst auch digitale Events veranstalten, widmeten sie sich ausführlich und auch in der Tiefe der DMEXCO @home. Horizont und Meedia sind nur zwei Beispiele. 

Wie bei anderen Digitalevents war das Anfangsinteresse der Leit- und Wirtschaftsmedien an der DMEXCO @home, trotz mehrfacher Ansprache, eher verhalten. Erstaunlich, da es ja nicht so häufig vorkommt, dass jemand in Deutschland bzw. Europa Plattformen baut, die weltweit Benchmark sind.

Learning: Digitalevents haben noch mit Skepsis zu kämpfen und müssen daher den Medien mehr denn je besondere Geschichten erzählen, wenn sie nicht mit Donald Trump, Barack Obama oder Greta Thunberg als Keynote-SpeakerIn aufwarten können.

Das Opening der DMEXCO @home: Diesmal aus einem Studio und auf Abstand. Foto @Koelnmesse

Das Onboarding der Journalisten auf die Plattform

Die DMEXCO als Kongressmesse war aus dem vergangenen elf Jahren für die Medien gelernt. Von der Akkreditierung bis zum Catering im Pressezentrum des CCN. Wie sieht das bei einer digitalen Version aus? Erstes Learning: Weil keine Reise und Hotelbuchungen nötig sind, akkreditieren sich die Medien deutlich kurzfristiger. Gut die Hälfte kommt erst in den letzten beiden Wochen vor dem Event. Das verkürzt die Möglichkeit, den Medien die Besonderheiten der Plattform zu zeigen. Und weil das per Text zu mühsam ist, haben wir es über Videocalls mit den wichtigsten Medienvertretern gelöst. Mit sehr gutem Ergebnis:Die Qualität der akkreditierten Journalisten blieb gleich hoch, die meisten wichtigen Zielmedien waren online.

Learning: Mehr Zeit für das Onboarding einplanen, wenn Neuerungen in dieser Größenordnung eingeführt werden. Das war dieses Jahr bedingt durch die Kurzfristigkeit nicht möglich, sollte aber Standard werden.

 Von der Pressekonferenz zum DMEXCO Media Briefing

Bisher hatten wir am ersten Messetag immer eine Eröffnungs-PK und am zweiten Messetag vor Ort ein Abschlussgespräch. Die Eröffnungs-PK war meist sehr früh (meist um halb 9), deshalb nur für MedienvertreterInnen möglich, die schon am Vorabend angereist waren oder kurze Wege hatten. Bei der digitalen Version haben wir uns bewusst gegen eine PK an Tag 1 entschieden. Das zentrale Interesse der Medien würde auf den Zahlen liegen und die waren erst am zweiten Messetag großteils verfügbar. Deshalb fand am Nachmittag im virtuellen Press Café der DMEXCO @home ein DMEXCO Media Briefing als Videokonferenz mit dem Präsidenten des BVDW, dem COO der Koelnmesse und dem Chief Advisor der DMEXCO statt. Das Ergebnis: Fast doppelt so viele anwesende Medienvertreter wie beim Abschlussgespräch der „normalen“ DMEXCO und eine rege inhaltliche Diskussion.

Learning: Die Möglichkeit einer virtuellen Teilnahme sollte auch gegeben sein, falls wieder PKs mit physischer Anwesenheit stattfinden.

Hands Up: Das Team der DMEXCO war großteils vor Ort in Köln, um die diesjährige rein digitale Variante zu produzieren.  Kollegin Alex (1. Reihe rechts, zweite von vorne) saß – wie gehabt – im Pressezentrum. Foto: @Koelnmesse

Ansonsten hat sich DMEXCO 2020 natürlich in vielem von den Vorgängerveranstaltungen unterschieden. In einem allerdings nicht: Wer erfolgreiche Pressearbeit rund um ein digitales Event betreiben will, muss mindestens denselben inhaltlichen und zeitlichen Aufwand betreiben, wie für ein physisches Event. Eigentlich sogar mehr, weil man die Skepsis der Medien zusätzlich mitbedenken muss. Je mehr Service für die Medienvertreter, umso besser das Ergebnis. 

Auch in der B2B-Kommunikation spielen Audio- und Video-Interviews eine zunehmend wichtigere Rolle. Ohne dass der klassische Text (Pressemitteilungen, Facts Sheets etc.) dadurch obsolet wird. Und: Erst die Vernetzung und enge Zusammenarbeit von Marketing Social und PR, das Zusammenspiel von Earned und Owned Media, garantiert ein optimales Ergebnis ohne Kommunikationsbrüche und eine mediale Präsenz, die sich (nicht nur, aber) auch positiv auf die Ticketverkäufe auswirkt. 

Der Abschluss der DMEXCO @home 2020: Dominik Matyka spricht mit Mousse T. über die Herausforderungen der Musikbranche – kurz vor dem Abschlusskonzert. Foto: @Koelnmesse

In diesem Jahr verschenken wir an unsere Kunden und Geschäftspartner Bäume, die auch nach dem 24. Dezember noch Freude machen. Genauer gesagt: Grevillea- und Bananen-Bäume zu Weihnachten. Was das soll? Es ist ein kleiner Teil unseres Bestrebens als Agentur, uns möglichst klimaneutral zu verhalten. Wir haben das Projekt „cocos little farm“ genannt. Natürlich gehört uns kein Land in Kenia, aber wir wollen weiter verfolgen, was mit den insgesamt 50 Bäumen in den nächsten Monaten und Jahren passiert. Farmer unseres Partners treedom werden die Bäume in den nächsten Tagen pflanzen.  

Wo genau liegt cocos little farm?

Unser Projekt ist Teil des DMEXCO Forest und cocos little farm liegt in Murang’a County in Kenia. Der Bezirk liegt nordöstlich von Nairobi, rund anderthalb Autostunden (85 km) von Nairobi entfernt und unweit des Mount Kenya Nationalparks.

Warum haben wir, gemeinsam mit unserem Partner treedom, gerade Kenia ausgewählt?

Während in Deutschland knapp ein Drittel der Fläche mit Wald bedeckt ist, sind es in Kenia nur rund 7,5 Prozent. Zudem leben knapp 36 Prozent der Kenianer unter der Armutsgrenze. Mit unserem Projekt wollen wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, durch Aufforstung die Erderwärmung zu begrenzen und die Menschen in Kenia zu unterstützen.

Was wollen wir damit erreichen?

Auf cocos little farm wollen wir gemeinsam mit treedom beide Herausforderungen gleichzeitig anpacken: Einerseits dem CO2-Ausstoß entgegenwirken sowie die Wiederaufforstung und den Kampf gegen Bodenerosion unterstützen. Andererseits sollen kleine Agroforstsysteme mit vorwiegend produktiven Bäumen eine positive soziale und ökonomische Auswirkung für die lokalen Gemeinden haben. Die Bäume auf cocos little farm werden von Kleinbauern und Agrargenossenschaften gepflanzt. Diese erhalten eine Initial-Finanzierung und werden professionell begleitet. So wird sichergestellt, dass die Bäume in ökologisch-wertvoller Weise gepflanzt werden. Der Großteil der Bäume sind produktive Bäume, die in nachhaltigen Agroforstprojekten angepflanzt werden. Die resultierenden Erträge kommen den Kleinbauern und ihren Familien zugute.

Riccardo (li.), Wiederaufforstungsmanager
bei treedom, zeigt vor Ort, wie man Bäume
pflanzt und veredelt

Das Schöne bei diesem Projekt: treedom ermöglicht es, einen Baum auf Distanz zu pflanzen und online sein Wachstum zu verfolgen. Jeder gepflanzte Baum wird fotografiert, geo-lokalisiert und auf einer eigenen Profilseite dargestellt – denn jede Pflanze hat ihre eigene Geschichte. Durch regelmäßige Updates bleibt man auf dem Laufenden. So können wir Weihnachten 2020 hoffentlich sehen, wie groß die 50 Bäume in unserem gemeinsamen kleinen Wald geworden sind.

So sieht beispielweise der Bananenbaum aus,
den wir im September als Agentur
im DMEXCO-Forest gepflanzt haben.

 

LinkedIn ist derzeit einer der spannendsten Kanäle für die Kommunikation von Entscheidern und Führungskräften. Deswegen widmen wir uns dem Thema mit einer kleinen Serie und beginnen mit ein paar Basisfragen rund ums Thema.

Telekom-CEO Tim Höttges ist einer der deutschen Vorstandsvorsitzenden, der LinkedIn aktiv für seine Kommunikation nutzt

Während in den USA, aber auch in anderen europäischen Ländern, LinkedIn für die Unternehmens- und Führungskräfte als eigenständiger Kommunikationskanal gesetzt ist, entwickelt es sich in Deutschland, dem Heimatmarkt von Xing, noch. Allerdings mit Macht, wie die jüngste Zahlen zeigen: In der D-A-CH-Region kommt Xing im dritten Quartal 2019 auf 18 Mio. Nutzer, LinkedIn rangiert im August 2019 bereits bei 13 Mio. Global allerdings kommt das Microsoft-Tochterunternehmen auf über 660 Millionen Mitglieder. Und noch einen großen Unterschied gibt es: LinkedIn-Mitglieder können innerhalb des Netzwerkes selbst auch umfangreiche Artikel publizieren. LinkedIn ist damit auf dem Weg nicht nur ein Netzwerk, sondern auch ein Fach- bzw. Wirtschaftsmedium zu werden (verfügt deshalb z.B. auch über eine eigene Redaktion). Es gibt viele gute Gründe, sich intensiver mit LinkedIn zu beschäftigen. Hier ein paar kurze Antworten auf die wohl häufigsten Fragen:

Warum soll ich als Entscheider bzw. Führungskraft auf LinkedIn präsent sein?

LinkedIn lässt sich kommunikativ sowohl als Broadcast-Kanal (für eigene Artikel und Beiträge) als auch als Dialogmedium (für die One-to-One oder One-to-Many-Kommunikation) nutzen. Es ist, je nach Sichtweise, das „sozialste“ Business-Netzwerk oder das business-lastigste Social-Network. Damit repräsentiert es das zunehmende Aufweichen der harten Trennung zwischen Job einerseits und Privatleben andererseits. Hate Speech und Spam à la Facebook sind hier eher die absolute Ausnahme. Die Kommunikation erfolgt in einem erwachsenen und vernünftigen Umfeld. Über die Reichweite und die Größe des eigenen Netzwerkes entscheidet jeder selbst.

Was macht LinkedIn so besonders?

Die Möglichkeit zu teilen, zu liken, zu kommentieren, aber auch selbst umfangreicher zu publizieren. Gerade CEOs großer Unternehmen wie der neue Daimler-Chef Ola Källenius, Experten und Consultants jeglicher Fachrichtung nutzen LinkedIn als Basis, um eigene Artikel und Themen zu platzieren und cleveres Content Marketing zu betreiben. Social Selling über Inhalte kann auf LinkedIn gerade für B2B-Unternehmen sehr gut funktionieren.

Dieter Zetsche hatte den Anfang gemacht, der neue Daimler-Chef Ola Källenius tritt auf LinkedIn in seine Fußstapfen

Was kostet mich LinkedIn?

Ein Basisprofil ist kostenlos, ein Premium Essential-Mitgliedschaft, die wir als Minimum empfehlen würden, kostet jährlich 99 Euro. Vor allem aber kostet die Beschäftigung mit LinkedIn Zeit und Ressourcen. Deshalb sollte man sich vorher intensiv mit der Frage beschäftigen, welche Strategie und welches Ziel man als Führungskraft mit dem eigenen LinkedIn-Profil verbindet. Will man sich beispielsweise als Thought Leader in einem Bereich profilieren (eines der häufigsten Ziele), wird die meiste Zeit für das Verfassen von Inhalten und den Aufbau des eigenen Netzwerks benötigt. In der Regel lässt sich die Führungskraft dabei von der hausinternen Kommunikation oder einer externen Agentur unterstützen.

Wie oft soll ich posten?

Wie oft würden Sie ihrer/Ihrem Liebsten Nachrichten schicken? Auch Kommunikation auf LinkedIn ist nichts anderes als Beziehungsarbeit. Wer wegweisende Artikel publiziert, wird die Frequenz maximal monatlich wählen. Wer hauptsächlich kürzere Beiträge teilt und oder bei anderen kommentiert, kann dies mehrmals pro Woche tun. Denken Sie nicht zu viel an den Algorithmus! Der Inhalt sollte im Vordergrund stehen. Etwas Nichtiges posten, nur um die Frequenz aufrecht zu erhalten, mag den Algorithmus erfreuen, aber nervt die eigene Community. Meine Empfehlung: Mischen Sie die Formate, so langweilen Sie weniger.

Und in welcher Sprache?

Das ergibt sich aus den Zielen, die man mit dem eigenen Profil verfolgt. Wer global unterwegs ist, postet sinnvollerweise auf englisch. Wer im D-A-CH-Raum Kunden und/oder Kontakte finden möchte, schreibt in deutscher Sprache. Wer sich in beiden Sprachräumen bewegt, sollte antesten, ob sich die Übersetzung (ins Deutsche oder Englische) lohnt und dann abwägen, ob das Mehr an Sichtbarkeit den Aufwand rentiert.

Und was ist mit Video, Bildern und der Live-Funktion?

LinkedIn und seine Community tickt da ähnlich wie andere soziale Netzwerke. Bilder lohnen sich (fast) immer zu den Beiträgen und auch Videos erhalten großen Zuspruch. Auch ein Livestream via LinkedIn ist möglich. Derzeit wird er vor allem von Influencern genutzt. Um Zugriff zur Livestream-Funktion zu haben, muss man sich registrieren. Nachdem der Bestätigung hat man 30 Tage Zeit um ein Livestream-Event abzuhalten. Streaming auf LinkedIn ist aber nur mit Broadcast-Tools von Drittanbietern möglich.

Und wie messe ich, ob ich auf LinkedIn erfolgreich unterwegs bin? Gibt es da verbindliche KPIs?

Das hängt davon ab, welche Ziele man mit seinem LinkedIn-Profil verfolgt. Vorschlag: Messen Sie einmal die Woche folgende Werte: Die Zahl der Kontakte, Follower und Profilbesucher. Außerdem die folgenden Durchschnittswerte für die jeweils letzten 10 Beiträge: Views, Likes & Co. sowie Kommentare. Plus alle Ansichten der letzten drei bis fünf Artikel und die Zahl der über LinkedIn erhaltenen Businessanfragen. Als Ergänzung können Sie auch den LinkedIn Social Selling Index nutzen. Er ist zwar ursprünglich als Instrument hauptsächlich für Vertriebler gedacht, gibt aber einen ganz zuverlässigen Anhaltspunkt, wie gut sie auf LinkedIn vernetzt sind (so etwas wie der Klout-Score von LinkedIn). Alles zusammengenommen und über einen längeren Zeitraum notiert, sollte Ihnen diese KPIs einen ersten Eindruck geben.

Und welche KPI-Werte sind eigentlich „gut“?

Das wissen Sie eigentlich nur beim Social Selling Index von LinkedIn (hier ein paar Tipps, wie Sie ihn verbessern können), der Ihnen sagt, wie Sie im Vergleich in ihrer jeweiligen Branche liegen. Ansonsten müssen Sie sich Ihre Benchmarks selber suchen. Als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens sollten Sie sich eher weniger mit dem CEO der Telekom, Timotheus Höttges (59.320 Follower), und schon gar nicht mit dem CEO von Microsoft, Satya Nadella (6,6 Mio. Follower), vergleichen. Mein Tipp: Was Views, Likes und Kommentare betrifft, orientieren Sie sich doch an einem Menschen Ihrer Branche, der es aus Ihrer Sicht gut macht und mit Ihnen vergleichbar ist (Ich z.B. habe diese Woche einen SSI-Wert von 68 (von 100) und liege damit unter den Top 15 im Netzwerk). Sollten in Ihrem Unternehmen mehrere Menschen auf LinkedIn aktiv sein, empfehle ich ein übergreifendes Benchmarking einzurichten. So können alle von den Lerneffekten aller profitieren.

Heute, am 11. September 2019, hat die DMEXCO, die internationale Leitmesse für digitales Marketing, bekanntgegeben, dass sie ein Wiederaufforstungsprogramm starten will, um einen Teil der CO2-Belastung, die durch die Anreise der Besucher und Aussteller entsteht, zu kompensieren. Productsup als Sponsor der Aktion und DMEXCO Chief Advisor Dominik Matyka pflanzen für jeweils 10.000 € Bäume im DMEXCO Forest – zum Start insgesamt 2.000 Stück in Kenia. Umgesetzt wird die Aktion von Treedom, einem Social Business, das bereits mehr als eine halbe Million Bäume in unterschiedlichsten Projekte auf vier Kontinenten gepflanzt hat.

Wir von cocodibu finden das Projekt DMEXCO Forest eine richtig gute Idee und wollen es unterstützen. Deswegen werden wir selbst weitere 50 Bäume im DMEXCO Forest pflanzen. Wer heute schnell ist, kann sich mit dem Code DMEXCO19 eine kostenfreie digitale Baumpatenschaft der gepflanzten Bäume sichern. Einzulösen ist der Code in der DMEXCO App oder unter www.treedom.net/yourtree.

Wer keinen Baum mehr ergattert, kann selbst über die DMEXCO App oder über www.dmexco.com/forest aktiv werden und Bäume pflanzen. Hier lässt sich auch verfolgen, wie der DMEXCO Forest wächst und sich weiterentwickelt.

Wie das Projekt umgesetzt wird, darüber haben wir mit Jaron Pazi gesprochen, dem Country Manager von Treedom für die deutschsprachigen Länder:

Jaron Pazi, country Manager DACH von Treedom

Jaron, wo genau wird der DMEXCO Forest gepflanzt?

Jaron Pazi: Das von der DMEXCO unterstützte Projekt liegt in Murang’a County in Kenia. Der Bezirk liegt nordöstlich von Nairobi, rund anderthalb bis zwei Autostunden (85 km) entfernt.

Warum genau dort?

Die mit Wald bedeckte Fläche liegt in Kenia bei nur rund 7,5 Prozent, das liegt im Vergleich weit unter dem globalen Durchschnitt von ca. 31 Prozent. Zudem leben knapp 36 Prozent der Kenianer unter der Armutsgrenze. Ein Projekt dort packt beide Herausforderungen gleichzeitig an. Einerseits entfalten die Agroforstprojekte diverse ökologische Wirkung: zum Beispiel eine hohe CO2-Kompensation, den Schutz und das Stärken der Biodiversität, die Aufforstung und den damit verbundenen Kampf gegen die Bodenerosion. Wenn wir andererseits kleine Agroforstsysteme mit vorwiegend produktiven Bäumen betreiben, schaffen wir einen großen sozialen und ökonomischen Impact für die lokalen Gemeinden: u.a. nachhaltige Einnahmequellen für Kleinbauern und Agrargenossenschaften sowie Weiterbildungsmöglichkeiten und neue Arbeitsplätze durch das Einbinden der lokalen Communities.  Wir fördern damit Ernährungssicherheit und auch Mikrounternehmertum.

Die DMEXCO findet in Deutschland statt, warum werden die Bäume nicht hier gepflanzt?

Deutschland gehört zu den waldreichen Ländern in der EU, knapp ein Drittel der Gesamtfläche ist mit Wald bedeckt. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht wichtig wäre, auch in Deutschland Bäume zu pflanzen. Im globalen Süden kommt zum ökologischen Impact der Bäume aber eben auch ein bedeutender sozialer und ökonomischer Impact hinzu. Daher haben wir uns ganz bewusst für die ökologische UND soziale Wirkung entschieden.

Wer wird sich um die Bäume des DMEXCO Forest vor Ort kümmern?

Die Bäume werden von Kleinbauern und Agrargenossenschaften gepflanzt. Sie erhalten eine Initial-Finanzierung und werden professionell begleitet. So wird sichergestellt, dass die Bäume in ökologisch-wertvoller Weise gepflanzt werden und gleichzeitig soziale und ökonomische Wirkung für die lokalen Communities erzielen. Der Großteil der Bäume sind produktive Bäume, die in nachhaltigen Agroforstprojekten angepflanzt werden. Die daraus resultierenden Erträge kommen den Kleinbauern und ihren Familien zugute. 

Um was für Bäume handelt es sich?

Die Auswahl der Pflanzenarten erfolgt unter strikter Berücksichtigung der Umweltaspekte, der Projektzielsetzung und der Bedürfnisse der lokalen Communities. Hierbei werden einheimische Pflanzenarten klar bevorzugt, um keine Bedrohung für die lokale Flora und Fauna darzustellen. Die von der DMEXCO finanzierten Bäume sind Mango, Avocado, Macadamia, Grevilleen und Bananen. Zudem werden in den Treedom-Agroforstsystemen in Muranga County folgende Baumarten gepflanzt: Calliandra, Moringa, Tephrosia, Sesbania, Tamarillo, Papaya und Kaffee. 

Die Veredelung einer Mango in der Baumschule von Treedom in Kenia

Wie viele Bäume wird die DMEXCO insgesamt anpflanzen lassen?

Mit der Initialspende von Productsup und mit derselben Summe von Dominik on top können wir zum Start 2.000 Bäume pflanzen. Wir hoffen natürlich, dass die Community der DMEXCO die Aktion gut findet und mit weiteren Bäumen unterstützt.

Wie hoch ist die CO2-Kompensation durch 2000 Bäume?

Die von der DMEXCO gepflanzten Bäume werden, über einen Zeitraum von zehn Jahren, ca. 1.007 Tonnen CO2 der Atmosphäre abscheiden und speichern. Das ist in etwa das Äquivalent des CO2-Ausstosses von über 6.000 Economy-Class Flügen von London nach Köln (Hin- & Rückflug). 

Kann man den Wald später irgendwo sehen, via Webcam beispielsweise?

Treedom ist die erste Plattform weltweit, die es ermöglicht, einen Baum auf Distanz zu pflanzen und ihm online zu folgen. Um Partizipation, Transparenz und Sichtbarkeit zu gewährleisten, wird jeder gepflanzte Baum fotografiert, geo-lokalisiert und auf einer eigenen Profilseite dargestellt – denn jeder Baum hat seine eigene Story. Durch regelmäßige Updates bleibt man auf dem Laufenden und erfährt, wie das Baumpflanzen vor Ort funktioniert. Für diese digitale Innovation ist Treedom mehrfach ausgezeichnet worden. Zuletzt wurde Treedom, im November 2018, von der Financial Times zu den 100 digitalen Champions Europas gezählt – und zwar in der Kategorie „using technology for social challenges“.

Und wenn Leser unseres Blogs mithelfen wollen, dass der DMEXCO Forest weiter wächst?

Dann können sie über die offizielle Webseite aktiv werden. Hier lässt sich auch verfolgen, wie der DMEXCO Forest wächst und sich weiterentwickelt.

 

 

 

 

cocodibu freut sich über einen neuen Kunden: Hinter Zwopr verbirgt sich ein Startup, das hilft anderen zu helfen.

Und so funktioniert Zwopr: München-Giesing, Samstag Abend, es klingelt an der Tür: Harry ist da. Er wohnt zwei Straßen weiter und hat eine alte Playstation unter dem Arm, denn er wird heute Abend mit dem Sohnemann von Gina und Frank Playstation spielen. Die Eltern haben Date-Night beim Italiener nebenan. Nächstes Wochenende helfen sie Harry dann beim Kisten schleppen.

Locationwechsel, Maxvorstadt: Lena ist neu in der Stadt und sucht jemanden, der ihr beim Aufbau des Kleiderschranks hilft. Salvatore aus ihrer Nachbarschaft möchte für zwei Wochen in den Urlaub fahren und braucht jemand, der seine Blumen gießt. Bei Meike – eine Straße weiter – ist hingegen die Waschmaschine kaputt und der Installateur braucht noch zwei Wochen, bis er Zeit für die Reparatur hat. Was tun? Ganz einfach: Salvatore wird Lena beim Aufbau des Schranks helfen, dafür wäscht Lena zwei Wochen lang für Meike und diese wiederum wird die Blumen von Salvatore gießen. Das hört sich nach einem kooperativen Miteinander an und gar nicht nach der schlechten Stimmung, die in Deutschland derzeit so häufig aus den sozialen „Hate-Werken“ ins wahre Leben schwappt. Doch wie kamen Lena, Meike, Harry, Salvatore und alle anderen zusammen? Bei zwopr, der neuen Plattform für unentgeltliche Nachbarschaftshilfe.

Bereits 3000 Zwopr-Mitglieder helfen in München

Seit Zwopr reicht ein Blick ins Internet, um sich spontan Hilfe bei Umzug, Urlaub oder Tiersitting zu holen. Die Tausch-Wirtschaft ist online und mobil in vollem Gange. Dabei ist das Prinzip nicht neu: Weit über 300 Tauschringe und Zeitkonto-Verbünde gibt es alleine in Deutschland. Allerdings bisher ohne sinnvolle digitale Anbindung und mit jeweils kaum mehr als 100 Mitgliedern. Bares Geld zahlt hier keiner – gegenseitige Hilfe auf Zeit ist die Währung bei Zwopr. Und wer weiß, ob Lena nicht in Meike eine erste Freundin in der fremden Stadt findet? Zwopr hilft nicht nur dabei, Geld zu sparen, sondern schafft auch die Möglichkeit für neue Freundschaften.

Hinter Zwopr stecken die beiden Gründer Bernhard Koller und Christian Ebert aus Traunstein im Chiemgau mit zwei Mitgründern und zwei weiteren freien Mitarbeitern.Wie sie auf die Idee für Zwopr kamen, erklären sie in diesem kurzen Video:

Ich kenne Jochen Kalka seit 1992. Was uns verbindet? Der erste gemeinsame Arbeitstag (im wunderschön gelegenen Neuperlach – beim Fachmagazin w&v, dass damals noch wöchentlich und in deutlich größerem Umfang erschien), eine gemeinsame Kollegin (Jessica – beste Grüße auf diesem Weg), der deutsche Mediapreis und der Hang zu starken Headlines. Deshalb hat es mich auch nicht gewundert, dass Jochen, im Hauptberuf seit über zwei Jahrzehnten Chefredakteur der w&v, sein neuestes Werk als Buchautor mit „Die StartUp-Lüge“ betitelt hat (Gewundert hat mich eher, dass Chefredakteure nebenher noch Bücher schreiben können). „Wie die Existenzgründungseuphorie missbraucht wird – und wer davon profitiert“, verspricht das Cover. Ein spannendes Thema, mit maximalem Trommelwirbel eingeleitet und Anlass genug, mit dem Autor zu sprechen: 

Dr. Jochen Kalka, Chefredakteur w&v und Autor der „Startup-Lüge“ – Foto: Stefan König

Lieber Jochen, wenn der Chefredakteur eines Marketing-Magazins ein kritisches Buch mit dem Titel „Die StartUp-Lüge“ schreibt, klingt das, als würden die Werber schwer daran knabbern, dass Startups derzeit irgendwie cooler sind. Oder?

Jochen Kalka: Lieber Christian, das Buch habe ich als Privatmensch geschrieben, natürlich mit scharfem Auge, Salz und Pfeffer. Und, merkwürdig, aber mir sind die Parallelen zwischen Werbern der Mad-Men-Ära und den heutigen Startups beim Schreiben nicht aufgefallen. Irgendwie hast du recht, Werber sind ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, sich so cool zu geben, als wären sie selbst ein Startup. Das nagt sicher an des Werbers Seele, so er eine hat.

Wir hoffen mal, dass er sie noch nicht verkauft hat. Aber erklär mir doch bitte zum Start, wo genau Startups so lügen, dass es sich lohnt, darüber ein Buch zu verfassen.

Jochen Kalka: Hast du gehört, wie tief ich gerade Luft geholt habe? Also, ganz kurz in Schlagzeilen: Wenn Gründer beim Businessplan mit goldgeilen Augen vor allem über ihre Exit-Strategie philosophieren, lügen sie sich in die eigene Tasche und in die ihrer Investoren. Wenn Gründer nicht einmal Zielgruppen definieren, keine Märkte analysieren, keinen USP fabulieren, dann beginnt das große Wettlügen. Dass Mitarbeiter ausgebeutet werden, Frauen noch mieser behandelt werden als in biederen alten Firmen, macht die Sache nicht besser. Ja, und dann kommen die altehrwürdigen Konzerne daher, deren Chefs plötzlich ein hierarchiefreies Du zelebrieren, sich die Krawatten vom Leibe reißen und Sneakers anziehen, dann in ihrem frisch eingerichteten Kreativzimmer ein Selfie posten und sagen: Startup, c´est moi! Lüge, Lüge, Lüge!

Ok, das waren jetzt eine ganze Menge Headlines, fast ein bißchen Lügenpresse 😉 Lass uns mal mit dem ersten Vorwurf anfangen: Ich dachte immer, Investoren und Business Angels sind so abgezockt und versiert im Gründergrillen, dass da kein Möchtegern-Exit-Experte Kohle bekommt, dessen Businessidee mit zugehörigem Plan sich nicht sinnvoll anhört?

Jochen Kalka: Das habe ich auch gedacht. Als ich im Silicon Valley mal einen Investor gesprochen habe, nach welchen Kriterien er seine Investments selektieren würde, sagte er ziemlich wörtlich: Mir ist die Geschäftsidee völlig schnuppe. Ich schaue den Gründern nur in die Augen. Wenn die strahlen, investiere ich. Ach ja, erwähnte ich schon, dass nur elf Prozent der Investoren weiblich sind?

Gegenfrage: Gibt’s den Investor noch? Leidenschaft und Begeisterung sind ja unentbehrlich für Gründer, aber leider kein Garant für Erfolg. Und kommst Du nicht ein bißchen früh mit der Gender-Keule? Woran machst Du denn fest, dass Frauen in Startups „noch mieser behandelt werden als in biederen alten Firmen“?

Jochen Kalka: Mit der Gender-Keule kann man nie zu früh kommen. Und, klar gibt es den Investor noch. So wie es auch tolle Startups und sensationell kreative Gründerinnen und Gründer gibt. Zurück zu den Frauen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es in Startups auch ein Gender Pay Gap gibt. Europaweit liegt es bei 16 Prozent, in Deutschland bei 22 und in Berlin gar bei 25 Prozent. Auch dass Alltagssexismus in Startups noch dramatischer ausgeprägt ist, als etwa bei der Bundeswehr. Jede dritte Frau erfährt in Startups unerwünschte Berührungen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Liegt das an den langen Arbeitszeiten, den vielen Kickertischen oder an den etwa 85 Prozent Männern, die Startups gründen? Dann würde ich aber gerne wieder zu Deiner Kernthese zurückkommen 😉

Jochen Kalka: In Startups herrscht zuweilen eine Stimmung wie auf einem Abenteuerspielplatz. Das kann durchaus positiv sein, doch manche interpretieren das als grenzenlose Narrenfreiheit und verlieren dabei den Respekt eines Gegenüber. Ok, dann lass uns wieder zu den Lügen kommen, darin bin ich inzwischen Profi ;-).

Das hinterfrage ich an dieser Stelle mal lieber nicht. Aber ganz ernsthaft: Ist es nicht völlig normal, dass in der Gründungsphase von Unternehmen härter geklotzt werden muss als später? Oder meinst Du, dass Firmen ein Startup-Flair bewusst kultivieren, um die damit verbundene Mehrarbeit oder schlechtere Entlohnung ansprechender zu verpacken? Und weit über 90 Prozent der Startups scheitern. Man arbeitet doch nicht dort, weil man gerne scheitert?

Jochen Kalka: Dass härter geklotzt wird, ist völlig in Ordnung. Solange man nicht bewusst im großen Stil lügt, wie etwa das Startup Theranos, das mit einem Wunderstift Bluttests versprach und 9 Milliarden Dollar verbrannte. Andere Firmen kultivieren, wie du sagst, Startup-Flair bewusst, um mehr junge Menschen anlocken zu können. Zum einen ist das sicher keine dumme Employer-Branding-Maßnahme, zum anderen muss ein Siemens-Startup weniger Lohn zahlen, als es Siemens selbst täte. Kicker und Palettenmöbel sparen am Ende Knete. Und, ja, das Scheitern. Solange man mit einer Idee in einem Konzern scheitert, so what. Aber wenn man als Gründerin oder Gründer scheitert, eigenes Geld verliert, ausgebrannt ist, keine Kreditkarte und keinen Handyvertrag mehr bekommt, weil einen die Schufa nicht mehr mag, dann leidet die Psyche, die eigene Beziehung, dann ist das ein persönliches Drama. Ich habe solch ein Beispiel aus Berlin gefunden. Von wegen: Wir feiern das Scheitern in Fuckup-Nights.

Apropos Fuckup: Heißt das, Startups sind auch nur Unternehmen? Und was, wenn junge Menschen die „Lüge“ durchschauen und Startups nicht mehr cool finden? Rettest Du dann als Ü50er den Wirtschaftsstandort? Oder können wir uns darauf einigen, dass Pauschalurteile generell eher schwierig sind, aber Bücher mit provokantem Titel sich besser verkaufen?

Jochen Kalka: Startups sind definitiv auch nur Unternehmen. Im Prinzip gründete doch auch Werner Siemens ein Startup. Oder Carl Benz. Oder der Bäcker an der Ecke. Und jetzt merkst Du schon einen entscheidenden Unterschied der persönlich überzeugten Gründer im Gegensatz zu Startup-Pinocchios: Siemens, Benz und auch dein Bäcker stehen mit ihrem eigenen Namen hinter ihrer Geschäftsidee. Nenne mir ein Startup, wo das auch der Fall ist. Und so wird die Lüge auch von jungen Menschen mehr und mehr durchschaut. Dazu gibt es ein geniales Buch von der Französin Mathilde Ramadier, die von ihrer persönlichen Ausbeutungstour in diversen Berliner Startups berichtet.

Vielleicht tragen ja Startups dazu bei, dass auch in anderen Unternehmen moderner gedacht wird. Dass Frauen endlich gleichberechtigt sind, in jeder Hinsicht, dass Berufsanfänger nicht mehr ausgebeutet werden, dass Raum für neue Ideen entstehen darf, dass auch mal in schräge Innovationen investiert wird. Dann retten Startups jeden Wirtschaftsstandort. Aber leider gibt es in der Herde der Startups noch zu viele schwarze Schafe. Pauschal darf hier definitiv nicht verurteilt werden, da hast du recht. Am liebsten würde ich kein einziges Buch verkaufen, wenn es diesen Missbrauch von der Startup-Idee nicht geben würde.

Danke Dir, Jochen, für unser Mail-Ping-Pong. Jetzt bin ich allerdings ratlos, was ich Dir wünschen soll. Das Buch jedenfalls gibt es im Buchhandel (erschienen im Econ-Verlag) oder bei einem großen, in Seattle beheimateten Online-Kaufhaus. Für Leser dieses Beitrags, die einen Kommentar mit einer vernünftigen Mailadresse unter diesem Artikel hinterlassen, hat uns der Autor freundlicherweise drei Gratisexemplare spendiert. Wir verlosen sie unter allen Teilnehmenden.     

Mountain View, wir haben ein Problem! Genauer gesagt haben unsere Medien, mit denen wir als Agentur für die digitale Wirtschaft zusammenarbeiten, ein Problem: Viele Wirtschafts- und Fachmedien verdienen nicht mehr genug mit Werbung, um ihren bestehenden Apparat zu finanzieren. Ein paar Beispiele aus den vergangenen Wochen: Horizont kommt bei 32 Seiten Umfang in der gedruckten Ausgabe auf 3,2 Anzeigenseiten, w&v (2/19) bei 124 Seiten auf max 8 Seiten, Impulse bei 90 Seiten Umfang auf 3,3 Seiten, die Wirtschaftswoche (10/19) bei 100 Seiten immerhin auf etwa 14 Seiten. Die Zahl der Eigenanzeigen in den Blättern liegt meist deutlich höher. Auch das Handelsblatt muss als Reaktion auf diese Entwicklung sparen.

Ein Sinnbild für den Zustand vieler Medien: Es bleibt weniger übrig als früher. Der Condé Nast-Verlag hat in München neue Räumlichkeiten bezogen. Der Schriftzug am alten Gebäude wird gerade demontiert. Foto: C.Faltin

Man braucht keine Ausbildung als Verlagskaufmann um zu erkennen, dass viele unserer Wirtschafts- und Fachmedien von Werbung in gedruckten Medien nicht mehr (lange) leben können. Parallel erwirtschaften nur die wenigsten Onlineauftritte der gleichen Marken ausreichend Geld, um die Verluste annähernd auszugleichen. Als Reaktion wird häufig die Redaktion verkleinert. Oder man entlässt die festangestellte Redaktion komplett und vergibt den Auftrag zu niedrigeren Kosten an ein freies Büro. Oder man verzichtet auf Reichweitenvermarktung wie jüngst Impulse.

Der Leser als wiederentdeckter Erlöser

Weil Sparen alleine aber keine Erlösstrategie darstellt, drehen die Verlage an der anderen Stellschraube, die ihnen bleibt: den Heft- oder Abopreisen bzw. der Paywall. Und zwar mit Macht: eine Ausgabe Brand Eins kostet 10 €, Impulse verlangt pro Heft 19,90 €, der PR-Report 27 € und die neue monatliche w&v mittlerweile 28 €. Man muss kein Prophet sein: Bei diesen Heftpreisen werden die Leser künftig deutlich öfter und schärfer fragen: Ist mir der Inhalt diese Summe wert? Ich fürchte, die Antwort flattert den Verlagen in nächster Zeit zunehmend häufiger als Kündigung des Abos ins Haus. Teure Coffee-Table-Magazine kann man- bei Bedarf – auch im Einzelkauf erwerben. Wenn die redaktionellen Kosten künftig vor allem der Leser tragen soll, wird härter kalkuliert.

Neue Aggregatoren und Wettbewerber

Weil sich das Informationsverhalten in unserer Branche komplett gewandelt, sprich weitgehend digitalisiert – hat, können mit vergleichsweise geringen Mitteln sehr schnell neue Wettbewerber entstehen. Häufig in einer Kombination aus Event, Webseite , Podcast und Newsletter (z.B. die Online Marketing Rockstars oder Gabor Steingarts Morning Briefing). Kleinere Themennischen lassen sich mit ein bis zwei festen Journalisten stemmen und inhaltlich gut abdecken (z.B. etailment zum Thema Digital Commerce oder paymentandbanking zum Thema Fintech). Gute Firmenblogs liefern inhaltlich detaillierteren Service als es Fachmedien können. Auch Xing und LinkedIn entwickeln sich in Teilen zunehmend zu Fach- und Wirtschaftsmedien ähnlichen Plattformen, die für Owned Media eine interessante Reichweite bieten. Bei LinkedIn ist das Publizieren für jeden möglich, der Weg zum Xing-Insider führt noch über eine Redaktion. Beide Plattformen bieten viele fachspezifische Newsletter, die in den Nischen ein breites Informationsangebot bereitstellen – auch indem sie Artikel aus Fach- und Wirtschaftsmedien bündeln bzw. neu sortieren.

Alternative Erlösquellen

Die klassischen Medienmarken reagieren mit neuen Community-Ansätzen, die neue Erlösströme liefern sollen. Zwei Beispiele aus der Praxis: Brandeins bringt in seiner „Safari“ eine Gruppe von maximal 12 Personen zusammen, die etwas voranbringen wollen und sich gegenseitig inspirieren sollen. 6 Workshoptage verteilt auf vier Treffen kosten 6000 €. Die Wirtschaftswoche interpretiert die gute alte Leserreise neu und fährt mit einer exklusiven Reisegruppe von Entscheider*Innen diese Woche zur SXSW nach Austin. Täglich führen die Redakteur*innen in das Konferenzgeschehen ein und am Abend wird beim gemeinsamen Dinner das Erlebte des Tages diskutiert (Kostenpunkt der Reise: 5100 €). Was davon funktioniert und dauerhaft Erlöse bringt, müssen die Medienhäuser immer wieder neu testen.

Was bedeuten diese Entwicklungen für uns als Kommunikatoren?

1.             Die Gewichte zwischen den Kommunikationskanälen verschieben sich: Earned Media bleibt wichtig, Platzierungen in klassischen Medien auch. Aber schon heute hat sich das Verhältnis zwischen Print und Online verschoben. Vier kleine Erwähnungen in Newslettern erzeugen in der Regel eine größere Aufmerksamkeit und Wirkung als die Doppelseite in der gedruckten Ausgabe. Da ausgedünnte Redaktionen noch weniger Zeit zur Recherche haben, wird gutes PR-Handwerk und seriöse Zuarbeit – die den Medien Zeit spart – noch wichtiger.

2.             Weil die klassischen Medien aber tendenziell Reichweite verlieren, muss Owned Media parallel aufgebaut werden. Das kann ein Blog, eine gute Xing- oder LinkedIn-Präsenz sein, Soziale Netzwerke, ein Newsletter, eine Aktions-Webseite oder vieles mehr. Unternehmen – gleich welcher Größe – sollten heute ihre eigenen Kanäle frühzeitig mitdenken und in einen gezielten Reichweitenaufbau investieren. Auch mit Paid Media.

3.             Owned Media ist aber erst mal nur ein Buzzword, dass mit relevanten Inhalten gefüllt werden will. Wenn die Contentflut die Werbeflut ablöst, bleibt der Effekt der gleiche: Reaktanz. PR muss gute Geschichten erzählen, um relevant zu bleiben. Die Kunst dabei ist, dass diese sowohl auf Earned, Owned und Paid-Kanälen und im Idealfall vernetzt funktionieren. Gute PR ist Handwerk, erfolgreiche PR ist Kunsthandwerk.

4.             Paid Media und Native Ads: Medienhäuser versuchen zunehmend aggressiver Berichterstattung mit Anzeigenschaltung zu verknüpfen. Kein neues Phänomen, aber eines, das in wirtschaftlich harten Zeiten härter interpretiert wird. Den Native Ads kommen in einer digitaleren Infowelt dabei eine wichtigere Rolle zu. Ohne flankierende Paid Media wird es auch in der PR zunehmend enger.

5.             Je digitaler unser Informationsverhalten, desto mehr wollen wir wieder persönlich mit Menschen sprechen. Deshalb gewinnen Events jeder Couleur an Attraktivität – vorausgesetzt sie bieten der Community entweder Unterhaltung, Vernetzung oder Wissen.

6.             Wenn teure, gedruckte Medien Mehrwert liefern sollen, müssen ihnen die Unternehmen auch Mehrwert zuliefern: Qualitativ saubere Analysen, repräsentative Studien, gute Infografiken und vieles mehr. Und wenn die Medien Meinung nachfragen, sollten sie den Mut dazu haben, diese auch zu äußern (Stichwort: Haltung).

7.             Die Schnelligkeit sozialer Netzwerke ist Chance und Herausforderung zugleich. Für Firmen, die Echtzeit-Monitoring und Themen-Highjacking betreiben wollen, sind sie Spielwiese und Reichweitenturbo gleichermaßen. Firmen, die nicht mitspielen wollen, können selber zum Spielball werden.

Diese Liste ließe sich noch fortsetzen und weiter vertiefen. Aber es ist Aschermittwoch und die Lesezeit im Web wird tendenziell sowieso immer kürzer. Die beschriebene Entwicklung trifft Fach- und Wirtschaftsmedien keineswegs exklusiv. Amazon, Google und Facebook vereinen derzeit schon drei Viertel aller Werbeeinnahmen im Digitalen, da bleibt für nationale Publisher immer weniger übrig. Unsere Medienlandschaft wird also schrumpfen.

Noch etwas Persönliches zum Schluss: Meine ersten beruflichen Schritte absolvierte ich als Journalist Ende der 80er-Jahre bei einem Medium, dass sich damals hauptsächlich um neue private Radiosender in Deutschland drehte (Kabel&Satellit). Seitdem kamen immer neue Kanäle dazu: Privates Fernsehen, das stationäre Internet, das mobile Internet, das Internet der Dinge. So spannend und so vielfältig, so unübersichtlich und disruptiv wie heute war die Medienlandschaft und Gerätevielfalt noch nie. Medien, Journalisten und Kommunikatoren stellt sie vor große Aufgaben. Die Komfortzone ist endgültig geschlossen. Jetzt ist die Zeit vieles neu zu denken und zu machen.

Nachdem die erste DSGVO-Welle vorbeigerauscht ist, hat euer Mail-Postfach hoffentlich wieder Kapazität für ein paar neue Newsletter. Diesmal geht es um Wissenwertes zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) bzw. Artificial Intelligence (AI). Wir haben für Euch sechs Newsletter rausgesucht, die man unseres Erachtens als Marketing- bzw. Media-Entscheider abonnieren kann:

1. KI im Marketing

Der Fachjournalist Helmut van Rinsum kuratiert seit Juni 2018 einen deutschsprachigen wöchentlichen Newsletter, der immer mittwochs spannende Nachrichten aus der Welt der Künstlichen Intelligenz sammelt. Dabei geht es insbesondere um die Anwendung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen im Marketing: Von neuen Biersorten mit KI  bis zum Strategiepapier der Bundesregierung für den Standort Deutschland. Unseres Erachtens müßte das bisher der einzige deutschsprachige Newsletter sein, der sich auf das Thema KI und Marketing spezialisiert hat.Besonders hilfreich: Die Übersicht zu aktuellen Studien rund um das Thema.

2. AI Weekly

Schon seit 2015 informiert Unternehmer David Lissmyr in AI Weekly über Wissenswertes rund um Künstliche Intelligenz. Der englischsprachige, wöchentliche Newsletter kuratiert News aus der Welt von Artificial Intelligence – von der Medizin über Games und Politik bis hin zu wichtigen Personalien und Events. Das Besondere an AI Weekly: Interessante Stellenzeigen aus dem Bereich. Ein prima Zusatzservice: Alte Ausgaben des Newsletters sind weiter online verfügbar.

3. The Algorithm

„Artificial intelligence, demystified“ verspricht The Algorithm, ein englischsprachiger Newsletter des MIT. Zweimal wöchentlich verfassen die Autoren längere eigene Geschichten,die zur besseren Einordnung des Themas in Wirtschaft und Politik helfen. Unser Fazit: Eine gute Ergänzung zu den kuratierten Newssammlungen.   

4. VRODO

Eigentlich beschäftigt sich VRODO, das Online-Magazin für Mixed Reality, schwerpunktmäßig mit Virtual (VR) und Augmented Reality (AR). Da aber auch immer wieder interessante KI-Geschichten Teil des VRODO-Newsletters sind, ist er uns auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Die Redaktion um Carolin Albrand, Matthias Bastian und Tomislav Bezmalinovic publiziert auch einen eigenen Podcast.

5. KI-Briefing

Seit Ende September 2018 gibt der ehemalige Chefredakteur von Wired-Deutschland, Nikolaus Röttger, das deutschsprachige KI-Briefing heraus. Die wöchentliche Presseschau fasst in mehreren  Bereichen von Gesellschaft und Wirtschaft lesenswerte Artikel zur Künstlichen Intelligenz zusammen und verlinkt auch auf längere Lesestücke. Ältere Ausgaben des Newsletters stehen auf der Website zur Verfügung.   

6. Emerj

Das Beratungsunternehmen Emerj bietet deutlich mehr als einen wöchentlichen Newsletter an. Da sich das Unternehmen von Gründer Daniel Faggella auf C-Level-Beratung spezialisiert hat, stehen vor allem Studien und Praxis-Cases für Entscheider im Mittelpunkt des Angebots. Der eigene Anspruch lautet: „We help leaders survive and thrive in an era of artificial intelligence disruption.“ Und zum Angebot gehört auch ein Podcast, für den Daniel Fagella Entscheider, Investoren und Kenner der Branche interviewt.

Euch fehlen spannende KI/AI-Newsletter, die es verdient hätten, in dieser Auflistung zu stehen? Dann hinterlasst uns Euren Tipp und wir schauen uns den  Newsletter gerne an.