Unsere PR-Kollegin erzählt von ihrem Weg aus Brasilien nach München, der Liebe zu Brezen und wie das Leben manchmal schöne Überraschungen bietet.
"Das Leben und seine Überraschungen": Von Brasilien zu cocodibu
Autor
Ella Brimmers
Datum
24.02.2026
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Bruna, seit ein paar Monaten bist Du bei cocodibu. Wenn Dein Freund Dich fragt: Wie war Dein Tag? Was antwortest Du ihm eigentlich?
Zum Glück bekommt er bei mir keine Kurzantwort. „Alles gut“ reicht bei mir selten aus. Ich erzähle ihm meistens ganz genau, was alles auf meiner To-do-Liste stand und was ich geschafft habe. Außerdem teile ich gern die Herausforderungen des Tages mit ihm, aber auch die kleinen täglichen Erfolge.
Seit wann stand fest, dass München Deine neue Heimat wird?
Während meines Studiums in Budapest im Jahr 2022 spielte ich bereits mit dem Gedanken, nach meinem Abschluss nach München zu ziehen.
Budapest war für zwei Jahre ein wunderbares Zuhause für mich – aber ich wusste von Anfang an, dass es nicht meine endgültige Heimat sein würde (auch wenn ich die Stadt bis heute als eine der schönsten bezeichne, die ich je gesehen habe).
Ende desselben Jahres habe ich München zum ersten Mal zwischen Weihnachten und Neujahr besucht. Da habe ich gespürt, dass diese Stadt – obwohl sie so groß ist – auch ein Gefühl der Ruhe vermittelt. Oben auf dem Olympiaberg im Olympiapark hatte ich dann diesen klaren Gedanken: „Das ist es.“ Und im Dezember 2024 bin ich dann endgültig hierhergezogen.
Schon mal gezögert, ob cocodibu der richtige Arbeitgeber für Dich ist?
Nein, daran habe ich eigentlich nie gezweifelt.
Ich habe mich eher gefragt, ob die Agentur mich als die richtige Person für das Team sehen würde. Als Immigrantin muss man oft zusätzliche Schritte gehen – und das in relativ kurzer Zeit. Dazu gehören das Erlernen der Sprache, das Ankommen in einer neuen Arbeitskultur und natürlich auch der Umgang mit der Bürokratie.
Gerade bürokratische Prozesse rund um Visa können zeitaufwendig sein – sowohl für Bewerber:innen als auch für Unternehmen. Umso mehr schätze ich es, wenn ein Arbeitgeber den Menschen und sein Potenzial in den Mittelpunkt stellt.
Wie war das Vorstellungsgespräch?
Mein erstes Gespräch bei cocodibu fand im Sommer statt – und wie bei jedem Vorstellungsgespräch war ich natürlich ein bisschen nervös.
Das Gespräch mit Stefan verlief jedoch sehr angenehm und offen. Er erzählte mir viel über die Agentur und über die Auszeichnung, die cocodibu 2021 für eine Kampagne erhalten hat, die sogar bis nach Brasilien ausgestrahlt wurde. Bei meiner Vorbereitung auf das Gespräch war ich bereits darauf gestoßen – und es war eine schöne Überraschung zu sehen, dass eine Kampagne der Agentur sogar mein Heimatland erreicht hatte.

UOL-Artikel über die Kampagne „The Purrfect Match”
Das zweite Gespräch mit dem Team war ebenfalls sehr interessant. Ich hatte die Möglichkeit, mehr über die aktuellen Projekte zu erfahren und das Team bei einem italienischen Mittagessen besser kennenzulernen.
Von Brasilien nach Deutschland - ein langer Weg. Was vermisst Du?
Meine Familie und meine Freunde vermisse ich natürlich am meisten. Das ist mit Abstand das, was am meisten fehlt. Aber neben den Menschen vermisse ich auch das Essen – vor allem Palmito und Açaí. Einige brasilianische Gerichte finde ich im Restaurant La Favela hier in München. Aber Palmito und Açaí sind oft schwer zu finden. Wenn ich sie irgendwo entdecke, freue ich mich wie ein Kind an Weihnachten.
Und weil wir gerade Februar haben, darf ich natürlich unseren Karneval nicht unerwähnt lassen. In Brasilien feiern wir Karneval im Sommer – das ist eine ganz andere Atmosphäre als hier. Wenn ich online die riesigen Straßenfeste in São Paulo sehe, mit Millionen von Menschen, oder die Paraden, werde ich immer ein bisschen wehmütig.

Karnevalsumzug in São Paulo
Die Frage ist überraschungsfrei, aber ohne sie geht es auch nicht: Wie kommst Du mit dem deutschen Essen klar?
Ich bin Vegetarierin, deshalb kann ich viele klassische Gerichte der deutschen Küche leider nicht genießen. Aber ich mag Käsespätzle, Kartoffelsalat, Kartoffelknödel und auch einen guten Döner mit Falafel sehr gern.
Bei den Desserts ist Apfelstrudel immer eine ausgezeichnete Wahl. Und ich liebe Krapfen! In Brasilien gibt es eine ähnliche Variante, die „Sonho“ (Traum) heißt – die habe ich mir früher immer gegönnt. Deshalb war es unmöglich, sie hier nicht auch zu mögen.
Eine besondere Erwähnung haben sich Brezen und Brot hier verdient. Ich finde die unglaubliche Vielfalt in den Bäckereien jedes Mal beeindruckend.
Und dem Wetter?
Durch meine Zeit in Budapest war ich auf das Klima hier schon etwas vorbereitet. Trotzdem: Wenn die Temperaturen hier noch weiter sinken, als ich es dort erlebt habe, sinkt auch meine Motivation, das Haus zu verlassen. Ich bin sehr dankbar für die Heizungen, die hier wirklich überall zuverlässig funktionieren.
Ich liebe es jedoch, den frischen Schnee auf dem Boden zu sehen. Für jemanden, der mit 27 Jahren zum ersten Mal Schnee gesehen hat, ist es immer etwas Besonderes, alles in Weiß zu sehen!
Den Sommer hier liebe ich sehr. Tageslicht bis 21 Uhr – das ist einfach wunderbar. Die Stadt wirkt lebendiger, man hat das Gefühl, viel mehr vom Tag nutzen zu können.
Vielleicht eröffnet cocodibu ja eines Tages eine Niederlassung in São Paulo – dann könnte ich hier im Sommer arbeiten und dem Winter einfach entfliehen, indem ich den Sommer dort genieße!

Karneval, Samba, Tanzen, immer gut gelaunt und temperamentvoll. Wie über jedes Land gibt es auch über Brasilien unzählige Klischees und Stereotypen. Welche treffen auf Dich zu?
Was ich an unserer Kultur am meisten liebe, ist unsere Fähigkeit, über uns selbst zu lachen. Das beherrschen wir wirklich meisterhaft. Selbst schwierige Situationen verwandeln wir oft innerhalb von Sekunden in eine gute Geschichte.
So war es auch nach meinem Fahrradunfall, bei dem ich mir den Ellenbogen gebrochen habe und operiert werden musste – heute erzähle ich das mit Humor. Und genauso gehe ich auch damit um, wenn ich hier mal einen kleinen „Fauxpas“ mache.
Brasilianer lieben es außerdem, ins Gespräch zu kommen, selbst mit Fremden. Wenn ich hier einem Brasilianer begegne, entsteht sofort ein Austausch.
Und wie eine gute Latina tanze ich natürlich sehr gern – auch wenn ich leider nicht Samba kann (ich weiß, das ist fast peinlich).
Was war Dein absolutes Highlightprojekt bei cocodibu bisher?
Ein absolutes Highlight war die Präsentation der Ergebnisse sowie die Strategieplanung für 2026 für unseren Kunden Aktion Kindertraum. Es war besonders interessant, die Inhalte vorzubereiten, die Ergebnisse unserer Arbeit zu sehen und gemeinsam kreative Maßnahmen für das kommende Jahr zu entwickeln.
Außerdem war die Reise nach Hannover und das persönliche Treffen mit dem gesamten Team sehr besonders. Es ist immer schön, die Menschen, mit denen man wöchentlich virtuell zusammenarbeitet, auch einmal persönlich zu erleben.
Was unterscheidet die PR-Arbeit in Deutschland am meisten von der in Brasilien?
Ehrlich gesagt sehe ich bisher mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.
Auch hier sind starke Beziehungen zu Journalist:innen eines unserer wertvollsten Assets und jedes Detail eines Inhalts wird sorgfältig ausgearbeitet, um der Medienwelt unsere bestmögliche Version zu präsentieren.
Für mich persönlich hat sich vor allem verändert, dass ich nun auch stärker im Bereich Social Media arbeite und mit unterschiedlichen Kundennischen arbeiten kann. In meinen früheren Agenturen habe ich mich hauptsächlich auf klassische PR konzentriert und überwiegend mit Technologieunternehmen gearbeitet.
Jetzt, mit Kund:innen aus anderen Branchen, kann ich meine Erfahrung erweitern und mich in neue Themenfelder vertiefen – das empfinde ich als große Bereicherung.
Was machst du am liebsten, wenn du gerade nicht im coco office bist?
Ich verbringe viel Zeit in Mindelheim, wo die Familie meines Freundes lebt. Dort treffen wir Freunde, genießen den Garten und machen Spaziergänge durch die Felder oder im Wald ganz in der Nähe des Hauses.
Vor Kurzem habe ich außerdem mit Häkeln angefangen. Seitdem verbringe ich auch einige Abende damit, Taschen, Tops oder Untersetzer zu häkeln – meistens, während ich eine Serie schaue oder Podcasts höre.
Verrate uns zum Schluss drei random Facts über dich! :)
1. In meiner Jugend habe ich überraschenderweise viele Radiogewinnspiele gewonnen. Ich war bei Konzerten von Shakira, den Jonas Brothers und U2 – alles mit Tickets, die ich im Radio gewonnen habe.
Außerdem habe ich in der Schule ein eigenes Radioprojekt gegründet und es sogar geschafft, eine Kooperation mit einer der größten brasilianischen Radiostationen aufzubauen. Sie haben uns Merchandise zur Verfügung gestellt, das wir bei der Schulmesse an Schüler und Besucher verteilt haben.
2. Wenn ich mit Kopfhörern Musik höre, kann ich einfach nicht anders, als mitzusingen. Falls mich also jemand in München gestikulierend durch die Straßen laufen sieht – keine Sorge, alles völlig normal!
3. 2019 habe ich es noch vehement abgelehnt, Deutsch zu lernen. Meine Cousins und sogar mein Vater nahmen Unterricht, und ich sagte nur: „Warum sollte ich Deutsch lernen? Ich habe doch gar nicht vor, in Deutschland zu leben.”
Tja – und jetzt bin ich hier. Das Leben und seine Überraschungen.




